Beobachtungstipp im Januar 2006

Am 29. März 1807 entdeckte der deutsche Astronom Heinrich W. Olbers den Kleinplaneten "Vesta". "Vesta" war erst die vierte Entdeckung dieser Art.

Kleinplanet Vesta
Kleinplanet "Vesta"

Erst in der Neujahrsnacht des Jahres 1801 entdeckte der Italiener Piazzi in Palermo den ersten Kleinplaneten "Ceres", benannt nach der Göttin der Fruchtbarkeit. Der Kleinplanet füllte die Lücke zwischen Mars und Jupiter. Man vermutete nämlich dort einen noch unentdeckten Planeten. Die Vermutung basierte auf der "Titius-Bode"-Beziehung. Der Astronom Johannes Titius (1729 - 1796) entdeckte eine einfache numerische Beziehung zwischen den Abständen der Planeten zur Sonne. Johann Elert Bode's Veröffentlichung machte diese Beziehung bekannt. Bode begann mit der Zahlenfolge 0, 3, 6, 12, 24, 48, 96 und addierte jeweils 4 dazu, also 4, 7, 10, 16, 28, 52, 100. Die Abstände der Planeten liegen bei etwa 0,4 AE für Merkur, 0,7 AE für Venus, 1AE für die Erde, 1,6AE für Mars, 5,2AE für Jupiter usw. (AE = Astronomische Einheit, 1AE = 149,6 Mio. km)

Als F. W. Herschel den siebten Planeten Uranus bei ungefähr 19,6AE entdeckte, also die Zahlenfolge wunderbar ergänzte, löste er eine fieberhafte Jagd auf den Planeten bei etwa 28AE aus. Die Entdeckung von "Ceres" und die Welle der Entdeckungen weiterer Kleinplaneten in der Lücke zwischen Mars und Jupiter ließen vermuten, die "Titius-Bode"-Beziehung wäre eine Gesetzmäßigkeit zur Entstehung des Sonnensystems. Die Planeten Neptun und Pluto fielen dann aber sehr aus dem Rahmen. Heute hat die "Titius-Bode"-Beziehung keine Bedeutung mehr. Es ist eben ein kurioser Zufall und ein nettes Zahlenspiel.

Mittlerweile sind viele 1.000 Kleinplaneten zwischen den Orbits der Planeten Mars und Saturn bekannt. Die meisten von ihnen haben einen Durchmesser von nur wenigen Kilometern. "Vesta" gehört mit einem Durchmesser von ungefähr 500km schon zu den größeren Kleinplaneten. Spektroskopische Untersuchungen zeigen, dass die Kleinplaneten zumeist aus chondritischem Material bestehen. Chondrite sind eine häufige Gruppe von Meteoriten, die hauptsächlich aus sauerstoffarmen Mineralien zusammengesetzt sind. Sie bestehen größtenteils aus Olivin. "Vesta" fällt da allerdings ein wenig aus dem Rahmen. Seine Oberfläche besteht aus achondritischem Material. Achondritische Meteorite sind sehr schwer zu identifizieren, da sie den irdischen Gesteinen sehr ähnlich sind. Die meisten Achondrite werden in der Antarktis gefunden oder nach einem beobachteten Meteoritenfall eingesammelt und sind daher sehr selten. Die Meteoritenexperten gehen davon aus, dass die Achondriten von einem Mutterkörper stammen, nämlich der "Vesta". In den Morgenstunden des 27. Juni 1931 explodierte über dem tunesischen Tatahouine ein Feuerball, der einen Steinregen auslöste. Gute 2t kleiner Meteorite, Fragmente von 10 - 20g, konnten aufgelesen werden. Diese Steinchen sind sehr wahrscheinlich Probematerial vom Kleinplaneten "Vesta". - Zumindest sind sie gleicher Zusammensetzung.

Lauf des Kleinplaneten Vesta
"Vesta" im Sternbild Zwillinge (Januar 2006)

Während Meteoritensammler nun Stücke von der "Vesta" in der Hand halten dürfen, begnügen sich die Astronomen damit, den fernen Felsbrocken mit dem Teleskop zu betrachten und die Wanderung des kleinen Lichtpünktleins zu verfolgen. "Vesta" zieht in einem Abstand von 2,54AE, also etwa 380 Mio. km seine Bahn um die Sonne. Seine Bahn weicht nur wenig von einer idealen Kreisbahn ab.

"Vesta" selbst ist ein richtiger Miniplanet, der einige Krater aufweist. Bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Körper wurde Krustenmaterial in den Weltraum geschleudert, das als eukritische Meteorite auch zur Erde gelangte. Die Tagesdauer auf "Vesta" beträgt 5,43 Stunden. Die Schwankungen der Helligkeit lassen auf eine sehr ungleichmäßige Oberfläche schließen. Am 6. Januar befindet sich "Vesta" in Opposition und nähert sich der Erde auf 230 Mio km. Theoretisch kann "Vesta", wegen der seiner Helligkeit, bei optimalen Bedingungen mit dem bloßen Auge gesichtet werden. Sie ist der einzige freisichtige Kleinplanet. Im sternreichen Feld der Wintermilchstraße ist sie dennoch nicht leicht zu identifizieren. Ist "Vesta" aber einmal entdeckt, kann man die Bewegung des Kleinplaneten innerhalb des Sternfeldes über mehrere Tage beobachten.

Eine interessante Möglichkeit für Besitzer von Digitalkameras ist die Aufnahme von Sternfeldern um "Vesta" herum, umso die Wanderung des Kleinplaneten zu dokumentieren. Hierzu muss die Digitalkamera nur vom Stativ aus, einige Sekunden lang belichten. Ein Objekt 6. Größe sollte sich so abbilden lassen. Der Vergleich mehrerer Aufnahmen an verschiedenen Tagen sollte die Bewegung von "Vesta" zeigen. Vielleicht lassen sich auf diesem Wege ja noch weitere Kleinplaneten entdecken...

Clear Skies,
Christian Overhaus

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