Beobachtungstipp im März 2006

Die mondlosen Nächte in der letzten Märzwoche bieten den Sternguckern einen besonders guten Blick in die Tiefen des Weltalls. Die noch langen dunklen Nächte kurz nach der Tagundnachtgleiche ermöglichen es, in einer guten Nacht alle Messierobjekte aufzusuchen.

Schon bei Einbruch der Dunkelheit gegen 19:00 Uhr geht es los mit M74 im Sternbild Fische. Eine letzte Herausforderung ist der Kugelsternhaufen M30 im Steinbock, der erst morgens um halb sieben aus dem morgendlichen Dunst auftaucht. Zwischen den beiden Objekten gibt es noch 108 weitere Ziele, die aufgesucht werden wollen. Unter Hobbysternguckern wird diese fast sportliche Aktion als "Messiermarathon" bezeichnet. Rein rechnerisch bleibt dem Teilnehmer eines solchen Marathons ungefähr sechs Minuten pro aufzusuchendes Objekt. Das ist machbar, aber nicht ganz leicht. Zumal einige Objekte doch sehr tief am Himmel zu suchen sind. Und gerade im Virgohaufen, dort wo 12 Messierobjekte in einem kleinen Himmelsareal zu finden sind kann es leicht zu Verwechselungen kommen. Es gehört also schon ein wenig Beobachtungspraxis dazu. Selbst Hartgesottenen gelingt es in der Regel nicht, mehr als 90 dieser Objekte pro Nacht zu finden.

Der Messiermarathon ist so populär, dass es Literatur und sogar kleine Hilfsprogramme, also Softwareplaner, zu Durchführung gibt. Charles Messier wäre erstaunt, wie zeitlos seine Sammlung von Deep-Sky-Objekten ist, die er im Jahre 1764 eröffnete. Messier selbst arbeitete über 30 Jahre an der Liste.

Charles Messier war ein unermüdlicher Beobachter, der sich der Suche und Beobachtung von Kometen verschrieben hatte. Seine Leidenschaft wurde im Jahre 1744 bei der Beobachtung des hellen Kometen entfacht. Als Assistent des französischen Astronomen Nicholas Delisle, der ihn wegen seines Zeichentalents und seiner wunderschönen Handschrift beschäftigte, bekam er Zugang zu astronomischen Arbeitsmitteln. Ein Glücksfall! Schließlich wurde Charles Messier am 26. Juni 1730 als zehntes von zwölf Kindern geboren und seine Jugend war kein idealer Start für die Karriere als Astronom. Als er gerade elf Jahre alt war, starb sein Vater und der junge Messier verließ die Schule, um Geld zu verdienen. Seine Tätigkeit als Hilfsastronom brachte ihm keine Reichtümer ein. Dennoch konnte Messier neben seiner Tätigkeit als Kartenzeichner auch eigene Beobachtungen anstellen. Im Jahre 1758 entdeckte er seinen ersten Kometen, den er mehrere Monate verfolgte. Die Suche nach dem Halley'schen Kometen im Jahre 1759 war wegen des Wetters nicht von Erfolg gekrönt. Im Jahre 1764 gelang dem Astronomen die Neuentdeckung eines Kometen, gerade zwei Jahre darauf fand er seinen zweiten Kometen mit dem blossen Auge. Diese Entdeckungen machten ihn zu einem bekannten Kometenbeobachter, der aus dem Schatten seines verstorbenen Arbeitgebers Delisle heraustrat. Er wurde Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften und der Royal Society. Im Jahr 1758 entdeckte Charles Messier bei der Suche nach einem Kometen den "Crab-Nebel". Er machte eine Notiz darüber, um ihn nicht mit einem Kometen zu verwechseln.

Im Jahre 1760 fand er ein nebeliges Objekt im Sternbild Wassermann, welches er ebenfalls verzeichnete. Im Jahre 1764 beschloss er dann sämtliche Objekte zu katalogisieren, die einen nebeligen Charakter aufwiesen. Der "Messierkatalog" war geboren. Ende des Jahres 1764 hatte er bereits 40 Objekte verzeichnet, 18 Objekte hatte er selbst entdeckt. Im Laufe seines Lebens verzeichnete er 103 solcher Objekte.

Im 20. Jahrhundert wurden noch einige Objekte hinzugefügt. Er entdeckte 21 Kometen und gehört heute noch zu den Spitzenreitern der ewigen Kometenendeckercharts. Dabei nutzte er immer nur kleinere Teleskope mit 20cm Öffnung und kleiner Vergrößerung. Trotz seiner präzisen Arbeit gibt es einige Ungereimtheiten im Messierkatalog. M40 beispielsweise ist ein Doppelstern. M101 und M102 scheinen in der historischen Liste doppelt genannt zu sein. M101 ist eine Galaxie im Großen Bären und M102 wurde einer Galaxie im Sternbild Drache zugewiesen. Der Sternhaufen M73 entpuppt sich als eine Sterngruppe aus vier Sternen. Auch M91 ist unsicher bestimmt.

Im Jahre 1806 setzte sich der nun schon 76-jährige Messier zu Ruhe. 1815 erlitt er einen Schlaganfall, der ihn teilweise lähmte. Messier starb am 11. April 1817. Sein Katalog aber gehört zu den wichtigsten Aufzeichnungen der Amateurastronomie, da sämtliche Objekte in kleinen Teleskopen und sogar in Ferngläsern gesichtet werden können. Neben den Messierobjekten können wir in den folgenden Nächten zudem seine Leidenschaft für Kometen nachempfinden.

Zwei interessante Kometen können im Frühjahr beobachtet werden. Der Komet "73P Schwassmann-Wachmann 3" durchwandert in den nächsten Wochen die Sternbilder Bootes, die nördliche Krone, den Herkules und die Leier. Dabei wandert er am 20. April nahe an Gemma (Alpha CrB) vorbei. Am 30. April passiert er Zeta Herkules und am 7. Mai streift er den Ringnebel der Leier. Der Kometenkern scheint aus einer lockeren Masse zu bestehen. Der Komet ist in mindestens drei Fragmente zerbrochen. Er könnte somit seine prognostizierte Helligkeit von etwa 6 Mag. bei weitem übertreffen und somit ein interessantes Feldstecherobjekt werden.

Der zweite Komet des Frühjahres ist der Komet "C/2006 A1 Pojmanski". Der Komet wandert in den nächsten Wochen am Sternbild Delphin, dem Schwan entlang durch die Eidechse in Richtung Cassiopeia. Die prognostizierte Helligkeit von etwa 7 Mag. im März macht ihn zu einem Objekt, dass in kleinen Teleskopen gesichtet werden kann. Der Komet übertraf im Januar seine erwartete Helligkeit um über eine Größenklasse. Kometen sind eben Überraschungskandidaten! Vielleicht liegt darin die Faszination, die auch Charles Messier erlegen war.

Am 29. März findet in den Morgenstunden eine Sonnenfinsternis statt. Die Zentrallinie überzieht Afrika, Ägypten und die Türkei. Daheimgebliebene können eine partielle SoFi erleben. Der erste Kontakt findet um 10:47 Uhr MEZ statt. Um 11:25 Uhr findet die SoFi ihren Höhepunkt. Gegen 12:36 Uhr ist der ganze Spuk vorbei.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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