Beobachtungstipp im Mai 2006

Für Kometenfreunde begann das Jahr 2006 mit ein paar besonderen Schmankerln. Zunächst konnte man den Kometen "C/2006 Pojmanski A1" beobachten, der zur Zeit seiner größten Helligkeit im Februar am Morgenhimmel zu finden war.

Zur gleichen Zeit richtete sich aber das Interesse der Astronomen auf den Kometen "73P/Schwassmann-Wachmann 3", der zunächst die Jungfrau in Richtung Bärenhüter passierte, dann weiter vorbei an der Nördlichen Krone wanderte in Richtung Herkules. Am 8. Mai passiert er den Ringnebel der Leier und zieht nun in Richtung Schwan weiter. Dabei könnte der Komet so hell werden, dass er mit dem bloßen Auge sichtbar ist. Entdeckt wurde der Komet bereits am 2. Mai 1930 von den Astronomen Friedrich Karl Arnold Schwassmann (* 25. März 1870; † 19. Januar 1964) und seinem Kollegen Arno Arthur Wachmann (*8. März 1902 † 24. Juli 1990) auf einer Photoplatte, die an der Hamburger Sternwarte gewonnen wurde. Obwohl der Komet mit 5,4 Jahren Umlaufzeit ein kurzperiodischer Komet ist, ging er dennoch verloren. Der Komet schien eher ein Schwachmann, statt ein Schwassmann oder Wachmann zu sein. Das Beobachterteam Schwassmann und Wachmann entdeckte noch zwei weitere periodische Kometen und einige Kleinplaneten. Der Komet "Schwassmann-Wachmann 3" wurde dann im Jahre 1979 auf Aufnahmen des Perth Observatoriums in Australien wieder entdeckt.

Komet Schwassmann/Wachmann 3
Aufnahmeserie Komet P73/Schwassmann-Wachmann 3, Christian Overhaus

Als der Komet dann Ende 1995 wieder auftauchte, sorgte er für eine Überraschung. Der Komet hatte einen Helligkeitsausbruch, der seine Helligkeit auf 5,3 Mag steigerte. Erwartet wurde ein Komet von 10. - 11. Größenklasse. Das Koma des Kometen, also die Gashülle um den Kometenkern, zeigte sich als längliche Zigarre. Nach dem Helligkeitsausbruch schwächte sich der Komet aber schnell wieder ab. Die Kometenbeobachter nahmen bereits damals schon an, dass der Kometenkern in zwei oder mehr Teile zerbrochen ist. Die Beobachter auf der Südhalbkugel hatten damals Bedingungen zur Beobachtung des Kometen. Die Europäer waren zu dieser Zeit sowieso mit den hellen Kometen "Hyakutake" und "Hale-Bopp" zu sehr beschäftigt. Im Jahr 2001 wurden beide Komponenten des Kometen wieder beobachtet. Sie übertrafen auch zu dieser Zeit die Erwartungen.

Der Kometenbeobachter Hergenrother konnte am 22. Oktober 2005 den Kometen als kleines 19 Mag helles Objekt im Sternbild Löwen wieder finden. In den nächsten Monaten gelang es der astronomischen Gemeinde über vierzig Fragmente des Kometen "Schwassmann-Wachmann 3" zu finden. Das Szenario erinnert sehr an den Kometen "Shoemaker-Levy 9", der im Jahr 1995 auf in den Jupiter stürzte. Dieser Komet, der Astronomiegeschichte geschrieben hat, war vorher in über 21 Fragmente zerbrochen.

Die Hauptkomponente des Kometen "Schwassmann-Wachmann 3", die als "C"-Komponente bezeichnet wurde, zeigte in den darauf folgenden Monaten eine stetige Helligkeitsentwicklung und konnte Anfang April 2006 bereits gut in Amateurteleskopen gesichtet werden. Spannender entwickelte sich die "B"-Komponente, deren Helligkeit laut der Prognose um 2-3 Mag hinter der "C"-Komponente bleiben sollte.

Eigene Beobachtungen an der Josef Bresser-Sternwarte, Borken zeigten in den letzten beiden Aprilwochen eine interessante Entwicklung der "B"-Komponente. Am 8. April 2006 schien der Komet dem Fragment "C" sehr ähnlich - eine rundliche Koma mit einem kurzen Staubschweifansatz. Am 14. April konnte das Fragment "B" abermals mit einer CCD-Kamera aufgenommen werden. In dieser Nacht zeigte sich das Koma länglich.

Die Experten glaubten zunächst an eine fortschreitende Auflösung des Kometenkerns, betätigten dies allerdings nicht. Die Aufnahme am 22. April 2006 zeigte eine sehr längliche Koma. Die "B"-Komponente verlor in den nächsten Tagen sehr an Helligkeit. Am 24. April 2006 war der Komet visuell gerade mal im 10“ Newton-Teleskop zu sehen. Die "C"-Komponente hingegen war ein einfaches Ziel für den visuellen Beobachter. Nur drei Tage später gelang wieder eine CCD-Beobachtung an der Josef-Bresser-Sternwarte. Nach dem die "C"-Komponente dokumentiert wurde, richteten wir das Teleskop mit spannender Erwartung auf die "B"-Komponente.

Und dann die Überraschung. War die Koma des Kometen vor drei Tagen noch sehr lichtschwach und länglich, so erschien die Koma nun runder und sehr hell. Beide Komponeten "C" und "B" erschienen fast gleich hell und konnten anschließend sogar im Feldstecher beobachtet werden. - Was war dort passiert?

Mittlerweile kursieren Aufnahmen des VLT-Teleskopes der ESA und des Hubble-Space Teleskopes im Internet, die in höchster Auflösung eine spektakuläre Massenablösung des Kometenkerns zeigen. Diese Auflösung des Kometen setzte eine Menge Staub und Gas frei, die den Helligkeitsanstieg der "B"-Komponente erklären können. Auf Farbaufnahmen, die mit einem Teleobjektiv und einer digitalen Spiegelreflexkamera gemacht wurden, konnte man schön erkennen, dass die Komponente "B" bläulicher erscheint als die "C"-Komponente, was darauf zurückzuführen ist, dass dort eine Menge Gas in den Weltraum freigesetzt wurde.

Die "C"-Komponente erscheint eher gelblich-grünlich auf den Aufnahmen. Offensichtlich produziert dieses Fragment mehr Staub. Aufnahmen, die am 30. April angefertigt wurden, zeigten wieder ein längliches Koma der "B"-Komponente. Zu erkennen ist auch eine weitere Massenablösung. Visuell waren in der klaren Nacht beide Komponeten im 10“-Teleskop leicht zu erkennen. Im Feldstecher entdeckten wir nur die konstante "C"-Komponente. Zwischenzeitlich konnten noch die Komponenten "G", "R" und "N" aufgenommen werden, die sehr schwache Erscheinungen waren. Die Komponenten "G" zeigte sich auf Aufnahmen am 14. April als längliches Nebelchen und bildete sich deutlich auf dem CCD-Chip ab, während die "R"-Komponente als schwaches zigarrenförmiges Nebelchen erschien. Visuelle Beobachtern gelang es sogar die "G"-Komponente um den 7. April herum mit einem 30cm-Teleskop zu beobachten.

Der Komet "73P/ Schwassmann-Wachmann 3" ist sicherlich einer der interessantesten Kometen unserer Zeit, auch wenn er nicht so hell ist wie "Hale-Bopp" und Konsorten. Am 14. Mai zieht der Komet (Komponente "C") in nur 12 Mio. km an der Erde vorüber. Die Komponente "B" wagt sich am 10. Mai auf nur 10 Mio. km an die Erde heran. Ein nettes Foto könnte gelingen, wenn der Komet am 8. Mai direkt am Ringnebel der Leier vorüber zieht. Allerdings muß man sich um 2:00 Uhr aus dem Bett quälen, möchte man diese interessante Passage verfolgen.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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