Beobachtungstipp im Juli 2006

Dies könnte ein kurzer Beobachtungstipp werden! Ein Planetenforscher sagte unlängst, dass das gesamte Wissen, das wir über den Planeten Pluto besitzen, auf eine DIN A4-Seite passen würde. Deshalb streiten sich die Astronomen wohl so gerne, ob der kleine Brocken in über 4,7 Milliarden km Entfernung ein richtiger Planet ist oder nicht. Sein Durchmesser von 2.400km ist dabei nur ein Grund für die skeptische Haltung einiger Astronomen. Pluto ist kleiner als der Erdmond! Untypisch für einen Planeten ist auch die Umlaufbahn des Pluto. Kein anderer Planet hat eine so exzentrische Bahn wie der Pluto. Im Perihel kann sich der Pluto auf 30 Astronomische Einheiten, das sind 4,5 Milliarden km, der Sonne nähern. Im Aphel befindet sich der Pluto sogar in einer Entfernung von 50 Astronomischen Einheiten, also 7,5 Milliarden km. Der Pluto ist damit zeitweise der Sonne näher als der Neptun. In den Jahren von 1979 bis 1999 war das der Fall.

Die elliptische Bahn erinnert eher an einen Kometen oder einen Kleinplaneten. Deswegen zählen die Astronomen den Pluto zu den Kuiper-Belt-Objekten (KBOs). Der Kuiper-Belt oder Kuiper-Gürtel ist ein ringförmiger Gürtel im Sonnensystem, der viele Kleinkörper enthält. Er gilt als Reservoir für kurzperiodische Kometen. Der niederländische Astronom Gerard Kuiper sagte nach Untersuchungen zur Entstehung des Sonnensystems den nach ihm benannten Gürtel vorher. Anzusiedeln ist der Kuiper-Gürtel zwischen 30 und vermutlich über 100 Astronomischen Einheiten Distanz zur Sonne. Es wurden bereits einige Mitglieder des Kuiper-Gürtels entdeckt. Manche sind sogar größer und weiter entfernt als der Pluto. Unter diesen Gesichtspunkten gehört der Pluto tatsächlich zu den Kuiper-Belt-Objekten und könnte seinen Planetenstatus verlieren.

Wegen seiner großen Entfernung zur Sonne kann es der Pluto gemächlich angehen lassen. Ganze 248 Jahre benötigt er für einen Sonnenumlauf. Seine Tageslänge beträgt nur 6,4 Tage. Somit dauert ein Plutojahr über 14.000 Plutotage. Wenn man überhaupt von Tagen reden kann. Die Rotationsebene ist um 122 Grad gegen seine Bahnebene geneigt. Er dreht sich also auf der Seite liegend rückwärts, ähnlich wie der Uranus. Die Helligkeit der Sonne ist am Ort des Plutos nur noch ein Tausendstel so hell, wie bei uns. Das reicht gerade mal aus, um seine Oberfläche auf -230°C zu erwärmen.

Man entdeckte auf Pluto eine dünne Stickstoff und Kohlendioxidatmosphäre. Die rötliche Oberfläche des Pluto besteht aus gefrorenem Methan. Das Hubble-Space-Teleskop offenbarte einige dunkle Strukturen auf der Oberfläche des fernen Planeten. Im Jahre 1978 gab es eine kleine Sensation, als man einen Begleiter von Pluto entdeckte, der den Namen Charon bekam. Pluto und Charon sind ein Doppelplanetensystem, deren Rotationsgeschwindigkeit an der gegenseitigen Umlaufgeschwindigkeit gebunden ist. Die Astronomen sprechen von gebundener Rotation. Während der gegenseitigen Bedeckungen der beiden Planeten Ende der 80'er Jahre, konnten farbliche Unterschiede zwischen den Beiden festgestellt werden. Demnach ist Charon ein gräuliches Objekt. Der Durchmesser von Charon beträgt 800km. Im Jahr 2005 wurden noch zwei weitere Objekte entdeckt, die den Pluto vermutlich umkreisen. Die beiden Kleinkörper werden provisorisch als "S/2005 P1" und "S/2005 P2" bezeichnet. Während Pluto in Amateurteleskopen noch so eben sichtbar ist, sind die Begleiter jenseits von gut und böse. Zur Zeit präsentiert sich der ferne Planet als Sternchen 14. Größe im Sternbild Schlange in den Teleskopen der Sterngucker. Es ist nicht ganz leicht, das kleine Mitglied des Sonnensystems im Sternfeld zu identifizieren. Eine gute Sternkarte und die Erfahrung im Umgang mit dieser ist unabdingbar, möchte man das Lichtpünktlein auffinden.

So ist es kein Wunder, dass der Pluto erst im Jahre 1930 entdeckt wurde, als längst die photographische Erkundung des Himmels in die Astronomie eingezogen ist. Am 18. Februar 1930 entdeckte der amerikanische Astronom Clyde Tombaugh bei der Untersuchung von Photoplatten, die er am 23. und 29. Januar 1930 am 13-Zöller des Lowell Observatory in Flagstaff aufnahm, einen Stern dessen Position sich leicht verschoben hatte. Tombaugh, der Sohn eines Farmers, war kein studierter Astronom, sondern ein Amateur mit Herz und Seele, der als Gehilfe unter Vesto Slipher seine Leidenschaft zum Beruf machte. Unermüdlich untersucht er über 40.000 Sterne, wobei er viele Kleinplaneten und Galaxien entdeckte. Doch am 18. Februar machte er die Entdeckung seines Lebens - ein Sternchen 15. Größe nahe dem Stern Delta Geminorum. Seine Verbundenheit zur Amateurastronomie machte ihn zeitlebens zu einem gern gesehenen Gast bei Teleskoptreffen, während er im Bereich der professionellen Astronomie nicht unbedingt anerkannt war. Der entdeckte Kleinkörper, der zum neunten Planeten gekürt wurde, ist nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt worden. Obwohl Pluto bereits über 75 Jahre bekannt ist, gehört er doch zu den Objekten des Sonnensystems, über die man sehr wenig weiss. Doch gerade Planeten oder Kleinplaneten wie der Pluto können viele Geheimnisse zur Entstehung des Sonnensystems aufdecken. Sie gelten als Relikte der Planetenbildung, die in der Weltraumkälte konserviert sind.

Die Untersuchung dieser Körper ist nicht leicht und sehr kostspielig, so dass sich die NASA erst im Jahre 2005 entschließen konnte, eine Sonde in die Tiefen des Sonnensystems zu schicken. Am 19. Januar 2006 startete die "Atlas V"-Rakete mit der Raumsonde "New Horizon" ins All. Neun Jahre ist das kleine Raumschiff unterwegs, bis es den Pluto passiert und Aufnahmen von hoher Qualität liefert, wenn es klappt. Problematisch ist die Energieversorgung der Raumsonde. Solarzellen, wie sie in erdnahen Raumsonden eingesetzt werden, reichen nicht aus. Elf Kilogramm Plutoniumdioxid sorgen für atomare Energie. Trotzdem wird die Raumsonde während ihrer Reise in Winterschlaf versetzt und meldet sich nur einmal wöchentlich. Ganze 650 Millionen Dollar verschlingt das Unternehmen. Man kann der NASA nur wünschen, dass die Mission gelingt und das Geld gut angelegt ist. Clyde Tombaugh, nach dem übrigens ein weiterer Kleinplanet benannt wurde, wäre sicherlich sehr glücklich darüber, dass sein Planet 85 Jahre nach der Entdeckung Besuch von der Erde bekommen wird.

Damit halte ich das Versprechen ein, nicht mehr als eine Seite über den Pluto zu schreiben, denn alles andere wäre Besserwisserei!

Clear Skies,
Christian Overhaus

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