Beobachtungstipp im August 2006

Am Abend des 13. Juli 2006 klingelte kurz nach 23:00 Uhr das Telefon in der Sternwarte. Der Anrufer, ein junger Mann aus dem Bergischen Land, erzählte von einem Ereignis, das er kurz zuvor erlebte. Er beschrieb ein hell aufleuchtendes Objekt am Himmel in südlicher Richtung.

Meteorschauer der Perseiden
Meteorschauer der Perseiden

Grünlich soll es gewesen sein und langsam. Nicht so langsam wie ein Flugzeug, aber wesenlicht langsamer als eine Sternschnuppe. Mit dieser Beschreibung konnte ich leider in diesem Moment nicht so viel anfangen. Ich vermutete, der Anrufer habe einen "Iridiumblitz" beobachtet, also das helle Aufleuchten eines Telekommunikationssatelliten, das häufig zu sehen ist. So verwies ich den Anrufer auf die Internetseite Heavens-Above, auf der man sich über den Satellitenverkehr über unseren Köpfen informieren kann.

Nach dem Anruf setzte ich meine Beschäftigung fort. Es war ein Donnerstag, also ein öffentlicher Abend, der zudem recht gut besucht war. Während ich in der Sternwartenkuppel die Gäste mit einigen Messierobjekten beschäftigte, stand Eckhard draußen auf der Plattform der Sternwarte den Besuchern Rede und Antwort.

Nachdem es etwas ruhiger wurde, erzählte mir Eckhard von einem interessanten Feuerball tief im Süden. Ein besonders heller Bolide, der eine grüngelbliche Spur am Himmel hinterließ. Da wurde mir klar, dass ich den Anrufer wohl auf die falsche Fährte gelockt hatte. Am darauf folgenden Tag besuchte ich das Meteorforum der AKM im Internet und las voller erstaunen, dass die Sternschnuppe von einigen Beobachtern gesehen wurde. So wurde die Sternschnuppe sogar in der Schweiz und München gesichtet. Bei solchen Ereignissen wird einem klar, dass man die Entfernung von Sternschnuppen kaum abschätzen kann. Viele der Beobachter an der Sternwarte nahmen nämlich an, die Sternschnuppe wäre nur wenige Kilometer entfernt niedergegangen. Dabei ist ein heller Meteor durchaus in einem Umkreis von 600 - 700km sichtbar.

Das Aufleuchten eines Meteors findet in etwa 70 - 100km Höhe statt, womit er in 350km Entfernung immer noch eine stattliche Höhe von 20° über dem Horizont hätte. Ein Feuerball ist in dieser Distanz noch immer eine sehr imposante Erscheinung. Der Meteor vom 13. Juli erschien vielleicht über dem Sauerland und erlosch irgendwo über dem Schwarzwald. Möglicherweise ging dort sogar ein Meteorit nieder.

Meteore sind Leuchtphänomene, die durch die erhitzte Luft um den Einfallkanal von außerirdischen Staubkörnchen erzeugt werden. Tritt ein Staubkörnchen von wenigen Milligramm Masse mit hoher Geschwindigkeit in die obere Atmosphäre ein, so wird die dünne Luft durch die Reibungshitze ionisiert. Das bedeutet, dass Elektronen von den Luftmolekülen abgespalten werden. Die Elektronen werden anschließend durch die geladenen Moleküle wieder eingefangen. Dabei wird Energie in Form von Licht abgegeben. Der Beobachter sieht das Nachleuchten der Luftmoleküle als Meteor.

Das Staubkörnchen verglüht in der Regel bei diesem Vorgang. Größere Staubkörnchen von wenigen Gramm Masse können schon als Feuerkugel in Erscheinung treten. Als Feuerkugel werden Meteore bezeichnet, deren Helligkeit größer als -4 Mag ist. Bei ganz hellen Feuerkugeln beobachtet man ein intensives Nachleuchten, das sogar einige Minuten anhalten kann. Hin und wieder zerfällt der Meteor in mehrere Fragmente, man spricht vom Zerplatzen des Meteors, und ein kleines Feuerwerk erscheint am Himmel. Ganz selten ist der Fall eines Meteors mit Geräuschen verbunden. Beobachter sprechen von einem Zischen oder Knattern. Die Geräusche sind kleine Überschallknalle, die aber nur in der Nähe des Meteors wahrgenommen werden können.

In Europa wurde zur Beobachtung von Feuerkugeln ein Kameranetz installiert. Die 25 Meteorkameras, die von der DLR betrieben werden, überwachen den Luftraum über Deutschland, der Tschechischen Republik, Belgien, Luxemburg und Österreich bei klarem Himmel. Die Kameras sind im Schnitt 100km voneinander entfernt und decken eine Fläche von über 1 Mio. Quadratkilometer ab. Die Kameras bestehen aus lichtempfindlichen Sensoren, die mit einer Fischaugenoptik den gesamten Himmel im Blick haben. Vor der Linse bewegt sich ein mit 12,5Hz rotierender Shutter, der die Belichtung kurzeitig unterbricht. Bei der späteren Analyse der Bilder kann man Anhand der Länge der Unterbrechungen auf die Geschwindigkeit des aufgenommenen Objekts schließen. Bei hellen Meteorerscheinungen nehmen stets mehrere Kameras das Objekt auf. Die Analyse der Aufnahmen lässt dann eine Rekonstruktion der Flugbahn des Meteors zu. Größter Erfolg der letzten Jahre war der Fund des Meteoriten von Neuschwanstein, dessen Fall am 6. April 2002 von 10 Kamerastationen und vielen Zeugen beobachtet wurde. Anhand der Daten der Meteorkameras konnte das Absturzgebiet des Meteorits auf wenige hundert Meter bestimmt werden. Tatsächlich fanden die Sucher den Meteoriten nach gezielter Suche in der Nähe des Schloss Neuschwanstein.

Die uns nächste Meteorkamera befindet sich übrigens an der Sternwarte in Hagen. Es gibt aber bereits einige Amateure, die eigene Allsky-Kameras installiert haben. Eine solche Kamera nahm übrigens auch die Feuerkugel vom 13. Juli 2006 um 22:52 Uhr auf.

Insgesamt werden im jährlichen Schnitt ungefähr 50 Feuerkugeln, deren Helligkeit größer als -6 Mag sind, beobachtet. Die Feuerkugeln sind in der Regel sporadisch und treten ganzjährig auf. Im August beginnt die Aktivität der Perseidenmeteore. Der August gilt ja als der Sternschnuppenmonat schlecht hin. Die Perseiden sind sehr schnelle, zumeist leuchtschwache Meteore. Feuerbälle sind nicht zu erwarten. Dennoch könnte der August einige Feuerballsichtungen versprechen, da viele Menschen die Sternschnuppen unter dem freien Sommerhimmel beobachten. Vielleicht haben wir ja Glück und ein heller Meteor mischt sich unters Getummel. Ansonsten darf man sich nach jedem Perseidenmeteor ja eine richtig helle Feuerkugel wünschen.

Übrigens: Sternschnuppen kann jeder beobachten. Die Ausrüstung für den professionellen Sternschnuppenbeobachter besteht aus einem Liegestuhl (nicht zu bequem, sonst schläft man ja ein..), einer Decke und wer möchte, einem Notizbuch für den Beobachtungsbericht. Ein Taschendiktiergerät wird auch gerne genommen!

Die Beobachtung sollte nicht gerade unter einer Straßenlaterne stattfinden. Dunkler Himmel ist bei der Beobachtung der schwachen Sternschnuppen sehr hilfreich - auch wenn in diesem Jahr der Mond sehr stört. Spaß macht das Sternschnuppenbeobachten in einer geselligen Gruppe. Da ist die Gefahr des Einschlafens auch nicht so groß!

In diesem Sinne,
Clear Skies und ein prächtiges Feuerwerk!

Christian Overhaus

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