Beobachtungstipp im Januar 2007

Zugegeben, der folgende Beobachtungstipp hat es ein wenig in sich. Schauplatz des Ereignisses ist das Sternbild Krebs. Gute zwei Grad südöstlich des Sterns Beta Cnc findet man eine Gruppe von drei Sternen 7. - 9. Größe. Das klingt zunächst nicht allzu nervenaufreibend. Doch am Abend des 19. Januar 2007 gesellt sich zu dieser Gruppe von Sternen ein lichtschwacher Gast, ein Kleinplanet 15. Größe. Um diesen Kleinplaneten zu sichten benötigt man allerdings schon ein gutes Teleskop und eine klare Nacht.

Der Kleinplanet (525) Adelaide, dessen Entdeckung fast einhundert Jahre zurückliegt, zieht an diesen Abend nicht nur an der Gruppe von Sternen vorbei. Er bedeckt sogar einen der drei Sterne. Um 21:42 Uhr könnte der Stern HD 70571 von dem Gesteinsbrocken, dessen Durchmesser auf gute 20 km geschätzt wird, bedeckt werden. Der Stern 9. Größe wird dann für etwa 1,2 Sekunden vom Sternhimmel verschwinden. Der Schatten des Kleinplaneten fällt bei der Bedeckung auf die Erde.

Es ist ein wahrer Glücksfall, dass der Korridor von etwa 20 km genau auf der Position des Beobachters fällt. Nach Berechnungen der Planetariumssoftware "Guide" zieht der Kleinplanet an jenem Abend um 21:42:04 in nur 0,09 Bogensekunden Abstand an den Stern 9. Größe vorüber. Das ist sehr knapp und könnte im Rahmen der Bahnungenauigkeiten zu einer Bedeckung des Sterns führen. Die ganze Angelegenheit ist also sehr spannend.

Am 30. Januar um 20:29:54 findet noch eine Bedeckung eines Sterns durch einen Kleinplaneten statt. Der Schauplatz ist diesmal der Sternhaufen M35 im Sternbild Zwillinge. Dort wird der 8 Mag helle Stern HD 252405 vom Kleinplaneten (2258) Viipuri bedeckt. Der Stern könnte fast 5 Sekunden vom Himmel verschwinden wenn der Kleinplanet 15. Größe sich vor ihn schiebt. Der Durchmesser des Kleinplaneten beträgt ebenfalls nur gute 28 km.

Visuell wird der Kleinplanet hingegen wohl kaum zu sehen sein. Man muss sich damit begnügen, die Verdunklung des Gestirns zu beobachten. Spannend wird es aber dennoch. Die größte Schwierigkeit wird das Aufsuchen des Sterns sein, dessen Licht verdeckt werden soll. Dazu benötigt man schon eine gute Sternkarte und es macht Sinn, sich die Umgebung vorher schon sehr gut einzuprägen. Leichter haben es die Besitzer von Goto-Teleskopen, die den Stern automatisch anfahren können.

Sehr interessant wäre die Beobachtung der Bedeckung mit einer hochsensiblen Videokamera, die es erlaubt, ein Live-Bild der 8 - 9 Mag hellen Sterne zu liefern. Experten blenden sogar noch ein Zeitsignal ein und zählen die Bilder, um die Zeit der Bedeckung im 1/100stel Sekundenbereich zu dokumentieren. Mit Hilfe dieser Daten kann man Erkenntnisse über Form und Größe des Kleinplaneten gewinnen.

Möchte man die Sache nicht ganz so wissenschaftlich angehen, so bleibt einem das Vergnügen, im Schatten eines interplanetaren Gesteinsbrocken zu stehen, der in 150 Mio. oder im zweiten Fall sogar 240 Mio. km Distanz seine Bahn durch das Sonnensystem zieht.

Wem die Sache zu schwierig ist, der kann im Januar eine weitere Sternbedeckung verfolgen, die von einem Himmelskörper vollzogen wird, der sehr leicht zu beobachten ist. Am 27. Januar 2007 bedeckt nämlich der zunehmende Mond den Sternhaufen der Plejaden M45 - auch als "Siebengestirn" bekannt. Das ganze beginnt bereits um 16:20 Uhr und endet gegen 20:00 Uhr. Die Bedeckung von mehreren Sternen des Sternhaufens der Plejaden erfordert lediglich einen Feldstecher.

Wer es spektakulärer wünscht, der muss sich bis zum 2. März gedulden. Dann wird der Mond den Ringplaneten Saturn bedecken. Dazu aber später mehr...

Clear Skies,
Christian Overhaus

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