Beobachtungstipp im April 2007

In diesen Tagen zeigt sich der Planet Saturn von der besten Seite. An der Sternwarte bewundern die Besucher erstaunt sein wunderschönes Ringsystem. Nichts ahnend, welches Potential in diesem System steckt. Noch ist der Saturn nicht in aller Munde, doch geht es nach dem Willen der Wissenschaftler, so wird der Ringplanet demnächst eine entscheidende Rolle in der Technologie der Zukunft spielen. Der Besuch der Cassini-Sonde offenbart den Forschern ein unglaubliches System. Die Ringe des Saturn erscheinen wie eine riesige Schallplatte, Rille an Rille. Dieser Anblick blieb den Entwicklungsingenieuren der IBM-Laboratorien nicht verborgen. Die findigen Mitarbeiter des Computerentwicklers erkannten die Ähnlichkeit des Saturnringes mit der Oberfläche eines Datenträgers. Gelänge es einen Datenträger kosmischen Ausmaßes zu gewinnen, so wäre ein schier unendlicher Speicher an Wissen verfügbar, da sämtliche Daten, die jemals auf der Welt gesammelt werden konnten und in Zukunft gewonnen werden, gesichert werden könnten. Das größte Problem der modernen Zivilisation, der Verfall von Datenträgern und damit der Verlust von Wissen, wäre ein bezwungener Dämon.

Doch statt in Träumereien zu verfallen, traten die Ingenieure an die NASA-Forscher heran. Gemeinsam wurde unter strenger Geheimhaltung das Projekt „X-Drive S“ angestoßen. Das „S“ steht symbolhaft für Saturn. Die findigen Forscher entwickelten gemeinsam mit den IBM-Experten ein Konzept zur Nutzung des Saturnsystems als gigantische Festplatte, die alles Erdenkliche speichern kann. Die nutzbare Speicherfläche, also die Fläche des Saturnringes beträgt 4,2*10^10 Quadratkilometer, das entspricht der 82-fachen Erdoberfläche. Nutzt man beide Seiten des Ringes, verdoppelt sich die Fläche sogar nochmal.

Die Nutzung der Saturnringe als Datenspeicher ist ein zwar ehrgeiziges Projekt, aber dennoch machbar. Details wurden noch nicht veröffentlicht. Dennoch gab die Pressesprecherin der Firma IBM, Frau Dr. April Sc. Herz, einige Studien bekannt. So soll ein Heer von kleinen Schreib- und Lese-Satelliten über die Ringebenen sausen und mittels Lasertechnologie die Ringpartikel zu Datensegmenten anordnen. Die völlig autarken Systeme beziehen ihre Energie aus riesigen Sonnensegeln und sind somit einige Zeit aktiv. Man geht von einer 10-jährigen Lebensdauer aus. Die Überwachung dieser Systeme erfolgt durch feste Stationen auf den Saturnmonden. Leistungsfähige Rechner koordinieren den Datentransfer und halten Kontakt zur Erde. Dazu werden einige Sendeanlagen installiert. Um auch während der Konjunktion, als die Zeit, wenn der Saturn hinter der Sonne steht, Kontakt zur den Stationen zu halten, werden Satelliten an den so genannten Lagrangepunkten positioniert. Die Langrangepunkte sind Punkte in der Umlaufbahn eines Planeten, die völlig frei von Schwereeinfluss sind und somit stabile Bahnen erlauben. Glücklicherweise erlauben die Langrangepunkte eine störungsfreie Kommunikation zu jeder Zeit.

Ringplanet Saturn
Ringplanet Saturn, bald vielleicht ein riesiger Datenspeicher?

Die Nutzung des Saturns als Datenspeicher eröffnet den Menschen Möglichkeiten, die die Erfindung des Buchdrucks oder des Internets übertreffen werden. Doch der Traum vom unendlichen Wissen hat seine Schattenseite. Das Beschreiben des Saturnrings mit Informationen verändert sein Erscheinungsbild. Die erste Formatierung des neuen „Laufwerks“ wird selbst die Cassini-Teilung schließen. Und das schon sehr bald. Wegen des wirtschaftlichen Interesses ist davon auszugehen, dass bereits im Jahr 2014 der Befehl „Format S(aturn):“ getippt wird. Die Formatierung wird im Jahre 2016 abgeschlossen sein und die ersten Daten werden übertragen. Man geht davon aus, dass spätestens im Jahre 2021 jeder Heim-PC das Laufwerk S(aturn) nutzen kann.

Eines lässt sich aber nicht ändern. Wegen der Laufzeit des Lichtes ist die Kommunikation mit dem Saturn eine langwierige Geschichte. Selbst zur günstigen Opposition, vergehen gute zwei Stunden zwischen Befehl und Rückantwort. Der Saturnspeicher ist eben nur eine riesige Sicherheitskopie von allem.

Uns Sternfreunden bleibt zunächst die Hoffnung, dass uns der Saturnring erhalten bleibt. Juristen stoßen sich nämlich an der Vorstellung eines Datenmediums im absolut rechtsfreiem Raum, denn das ist der Saturn ja noch. Und wenn es erst mal eine Saturngesetzgebung gibt, vielleicht wird der Saturnring ja zum Weltkulturerbe oder einfach nur ein Naturschutzgebiet, wie es der Planetologe Dr. U. N. Sinn seit langem fordert.

Übrigens ist das Interesse an der Festplatte Saturn gigantisch. Gibt man die Begriffe „Saturn“ und „Festplatte“ in die Suchmaschine Google ein, so findet man 268.000 Einträge!

Clear Skies,
Christian Overhaus

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