Beobachtungstipp im Juni 2007

Die Zeiten für Jupiterbeobachter auf der Nordhalbkugel werden schlechter. Zur Opposition am 6. Juni 2007 im Sternbild Schlangenträger kriecht der Gasriese in unseren Breiten gerade mal 16 Grad über den Horizont. Es ist schon fast ungerecht, dass ausgerechnet zu dieser Zeit große Umwälzungen in der Atmosphäre des Planeten gibt. Schon im Jahr 2006 wurden wir Zeugen dramatischer Veränderungen auf der Südhalbkugel. Wir erinnern uns: Der Große Rote Fleck, kurz "GRF", bekam einen kleinen Bruder. Das Oval "BA", ein langlebiges Hochdruckgebiet, bekam eine rötliche Färbung und unterschied sich merklich von der blassen, gelblichen Färbung, mit der es noch Monate zuvor gesichtet wurde. Die Astronomen tauften die Erscheinung auf "Roter Fleck Junior".

In diesem Jahr folgen noch weitere Überraschungen. Der berühmte "GRF" hebt sich deutlich als rotes Gebilde weißumrandet in der südtropischen Zone des Planeten hervor. In den letzten Jahren erschien der "GRF" eher blass im südlichen Äquatorband. Man beobachtet eine abnehmende Aktivität im südlichen Äquatorband, kurz "SEB". Verantwortlich sind zwei Störungen im südlichen Bereich des Bandes. Ähnliche Ereignisse fanden im Jahr 1989 statt. Damals verschwand das südliche Äquatorband vollständig und der "GRF" gewann an Intensität. Experten gehen davon aus, dass der Jupiter in diesem Jahr nur noch mit einem Hauptwolkenband zu sehen sein wird.

Planet Jupiter mit einem der vier galileischen Monde
Planet Jupiter mit einem der vier galileischen Monde

Im Jahre 1989 war das "SEB" vollständig verschwunden, tauchte aber im Jahr 1990/1991 als rotbraune Erscheinung wieder auf. Allerdings verschwand es abermals, so dass der Jupiter Ende 1992 wieder ohne "SEB" beobachtet wurde. Im Frühjahr 1992 wurde direkt vor dem "GRF" ein dunkles Gebiet beobachtet, gefolgt von einem weißen Fleck. Der dunkle Fleck dehnte sich in den folgenden Monaten immer weiter aus und umschlang den Planeten nach wenigen Wochen vollständig. Der Planet zeigte wieder ein südliches Äquatorband. Das so genannte Revival des "SEB" gehört zu den faszinierendsten Beobachtungen, die auch Amateure am Jupiter erleben können. Behalten die Experten Recht, so stehen uns in den nächsten zwei Jahren aufregende Zeiten bevor. Leider wandert der Jupiter die Ekliptik immer weiter herab und ist bei uns nur noch schlecht zu beobachten. Die Anomalien auf der Südhalbkugel des Gasriesen wurden im letzten Jahrhundert 16x beobachtet, so dass man von einer regelmäßigen Erscheinung ausgeht. Es wird eine 3-jährige Periode beobachtet, die allerdings mehr oder weniger ausgeprägt erscheint. So waren die "SEB"-Ereignisse seit 1993 nicht sehr intensiv. In diesem Jahr stehen die Zeichen auf "Sturm", so dass wir dramatische Umwälzungen erwarten können.

Die Beobachtung deutet auf eine enge Beziehung zwischen dem Großen Roten Fleck und dem südlichen Äquatorband hin. Der Rote Fleck gewinnt deutlich an Farbe, wenn das "SEB" langsam verblasst. Umgekehrt scheint der "GRF" völlig blass, wenn man ein ausgeprägtes "SEB" beobachtet. Das ist auch vielleicht der Grund dafür, dass der "GRF" erst im Jahr 1879 entdeckt wurde oder besser man darauf aufmerksam wurde. Man nannte den Fleck damals liebevoll den "Pink Fish", wegen der eigentümlichen ovalen Form. Tatsächlich beschrieb aber schon der Astronom Hooke im Jahr 1655 einen Fleck, der den halben Durchmesser des Jupiters bemaß. Mit größter Wahrscheinlichkeit handelte es sich dabei um den "GRF", der offensichtlich vor 400 Jahren noch viel größer gewesen sein muss. Da das Wechselspiel zwischen "GRF" und "SEB" nicht so regelmäßig stattfindet, ist davon auszugehen, dass in den Jahren danach wohl kaum ein Verschwinden des "SEB" stattfand. Die Astronomen konnten anscheinend den "GRF" mit ihren Teleskopen nicht erkennen, die wegen der noch nicht so guten Qualität einfach kein ausreichend kontrastreiches Bild lieferten. Auch heute fällt es manchmal schwer, den "GRF" zu erkennen, wenn dieser nur blass zu erkennen ist. Und das ist wiederum der Fall, wenn ein ausgeprägtes "SEB" zu erkennen ist.

Ich hoffe, dass die schlechten Beobachtungsbedingungen für Mitteleuropa dennoch die eine oder andere Beobachtung zulassen. Übrigens am 18. Juni 2007 kommt es um 16:10 Uhr zu einer Bedeckung der Venus durch den Mond. Bei blauem Himmel wird dieses Ereignis zu sehen sein. Bedeckungsende ist gegen 17:30 Uhr.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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