Beobachtungstipp im Juli 2007

Nachdem die Sonne den Wendekreis des Krebses überwunden hat, werden die Nächte im Juli langsam wieder länger. Während es zu Beginn des Monats noch gar nicht richtig dunkel wird, ist es am Ende des Monats dann doch schon zweieinhalb Stunden dunkel. Wobei die "richtige" Dunkelheit nach dem Einsetzen bzw. Ende der astronomischen Dämmerung herrscht. Astronomische Beobachtungen können aber schon vorher stattfinden. Bereits am Ende der nautischen Dämmerung ist es dunkel genug, um unter unserem Himmel die meisten Objekte sehen zu können. Damit wird die Beobachtungsnacht im Laufe des Julis von zweieinhalb auf vier Stunden gestreckt. Die Länge der Nacht nimmt somit im Juli um über eine Stunde zu.

Borken 1. Juni 30. Juni
Ende der Bürgerlichen Dämmerung 4:29 22:43 MESZ 5:09 22:07 MESZ
Ende der Nautischen Dämmerung 3:13 23:58 MESZ 4:12 23:04 MESZ
Ende der Astronomischen Dämmerung
 
2:46 0:27 MESZ

Soweit die Angaben, die man im Jahrbuch nachlesen kann. Wie aber wird die Dämmerung bestimmt? Was ist die Dämmerung eigentlich?

Für den Volksmund ist die Dämmerung die Zeit nach Sonnenuntergang bis zum Dunkelwerden. Die Astronomen hätten es da gerne etwas genauer. Daher unterscheiden sie gleich drei verschiedene Dämmerungen. Der Beginn der Dämmerung beginnt mit dem Untergang der Sonne. Zu Beginn der Dämmerung steht die Sonne 0° über dem Horizont. Das ist sehr schwer zu beobachten, da die Sonne, wegen der Refraktion durch die Erdatmosphäre selbst beim Sonnenuntergang im Meer, zu Beginn der offiziellen Dämmerung, noch über dem Horizont zu stehen scheint. Die Refraktion in Horizonthöhe kann bis zu 34 Bogenminuten betragen. Das ist etwas mehr als eine Sonnenscheibe. Die Refraktion beschert uns daher noch vier Minuten lang Sonnenschein ohne direkte Anwesenheit der Sonne.

Sonnenuntergang
Sonnenuntergang, Canon EOS 20D, 20. November 2006, Günther Strauch

Zunächst endet die Bürgerliche Dämmerung. Die Sonne ist dann 6° unter den Horizont gewandert. Es ist zwar dunkel geworden und einige helle Sterne und Planeten sind bereits zu sehen. Dennoch ist der Himmel hell. Im Osten, der Sonne gegenüber, macht sich der dunkle Schatten der Erde bemerkbar, der alsbald den ganzen Himmel überzieht und das Ende der nautischen Dämmerung einläutet. Der tiefblaue Himmel wird durch das gestreute Sonnenlicht hoch über unseren Köpfen hervorgerufen. Das Abendrot am Westhorizont ist langwelliges rotes Licht, dass durch die Atmosphäre der Erde gestreut wird. Über dem nahenden Erdschatten im Osten beobachtet man an besonders klaren Tagen einen purpurnen, rötlichen Farbsaum, den Venusgürtel. Die Aerosole der Lufthülle unseres Planeten reflektieren das rötliche Sonnenlicht. Besonders eindrucksvoll ist es, wenn der volle Mond dort zu finden ist.

Die nautische Dämmerung endet, wenn die Sonne 12° unter den Horizont getreten ist. Sterne der 3. Größenklasse sind sichtbar und die Umrisse der meisten Sternbilder werden erkennbar. Diese Zeit ist ideal für die Beobachtung von Satelliten, die wegen ihrer Höhe noch im vollen Sonnenlicht stehen und sich wegen des dunklen Himmels gut abheben. Aus diesem Grunde sind Sommerabende ideal für "Satellitenfreunde".

Erst wenn die Sonne 18° unter den Horizont getreten ist, spricht der Astronom vom Ende der Astronomischen Dämmerung und es ist richtig dunkel. In unseren Breiten erreicht die Sonne zur Sommersonnenwende nicht diese Horizonttiefe. Es wird also nicht richtig dunkel. Besonders in nördlicher Richtung kann man die deutliche Himmelsaufhellung der ewigen Dämmerung beobachten. Von Zeit zu Zeit beobachtet man dünne Schleierwolken am Nordhimmel, die Leuchtenden Nachtwolken. Diese zarten Gebilde werden durch feine Staub- und Eispartikelchen in etwa 80 - 90km Höhe verursacht. Der Beobachtungszeitraum beschränkt sich allerdings auf die Monate Mai bis Juli. Ist man in der glücklichen Situation, einen sehr dunklen Himmel über sich zu haben, so sollte man nach dem Zodiakallicht Ausschau halten. Das Zodiakallicht ist kein irdisches Licht. Viele feine Staubpartikel, die hauptsächlich durch Kometen ins innere Sonnensystem getragen wurden, reflektieren das Licht der Sonne und erzeugen abends im Westen oder morgens im Osten (schließlich gibt es ja auch eine Morgendämmerung) eine pyramidenförmige Lichtsäule, die einen Winkelabstand von bis zu 40° von der Sonne aufweisen kann. Gegenüberliegend gibt es noch den Gegenschein, der unseren Augen wohl erst Recht verborgen bleibt. Die meisten Europäer leben wegen der Licht- und Luftverschmutzung in ewiger nautischer Dämmerung und können einen puren Sternenhimmel nicht mehr erleben.

Die Länge der Dämmerung hängt vom Breitengrad und der Lage der Sonne in der Ekliptik ab. Im Sommer hält die nautische Dämmerung bei uns gute 110 Minuten an. Zu Frühlings- oder Herbstbeginn sind es nur 70 Minuten. Bewohner der Äquatorregion müssen damit leben, dass die Dunkelheit immer knapp eine Stunde nach Sonnenuntergang eintritt. Ob eine Dämmerung überhaupt stattfindet, hängt von den Eigenschaften des Planeten ab. Der Merkur zum Beispiel - nicht mit einer Atmosphäre gesegnet - muss gänzlich ohne Dämmerung auskommen. Sobald die Sonne unter den Horizont tritt, ist es augenblicklich dunkel. Auch die vierminütige Schonfrist, die uns die Refraktion zugesteht, gibt es nicht. Der Mars hat wegen seiner dünnen Atmosphäre eine nicht so ausgeprägte Dämmerung. Auf der Venus wäre man froh, würde man die Sonne überhaupt sehen. Das gleiche gilt für Jupiter und Saturn, die ja große Gasbälle sind.

Die Dämmerung ist etwas Besonderes im Sonnensystem. Die Schönheit des Farbenspiels berührt trotz der Alltäglichkeit noch viele Menschen, ob am Abend oder am Morgen, wenn der taufrische Tag beginnt.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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