Beobachtungstipp im September 2007

Seit vier Jahren gibt es den bundesweiten "Tag der Astronomie". Erstmals im Jahr 2003 organisiert, konnte die frisch eröffnete Josef-Bresser-Sternwarte in Borken daran teilnehmen. Während der erste Astronomietag bei gutem Himmel stattfand und die Besucherströme unbedingt einen Blick auf den nahen Planeten Mars werfen wollten, fanden die folgenden Astronomietage eher unter wolkenreichem Himmel statt. Zwar wurde den Besuchern ein informatives Ersatzprogramm geboten, das den Himmel aber nur in Form von Dias oder Computeranimationen erklärte.

Auch in diesem Jahr findet ein bundesweiter Astronomietag statt. Am 29. September 2007, ein Samstag, öffnen viele astronomische Einrichtungen in Deutschland ihre Tore, um der breiten Öffentlichkeit ein Bild ihrer Arbeit zu geben. Der Termin ist für uns Betreiber einer Volkssternwarte leider etwas unglücklich, da an jenem Abend kurz nach dem Untergang der Sonne der noch helle Mond am Osthimmel auftauchen wird. Der Erdbegleiter wird die Beobachtung des dunklen Nachthimmels doch sehr vereiteln. Weder Milchstraße noch Paradeobjekte, wie der Ringnebel der Leier oder der Kugelsternhaufen M13 werden in voller Pracht sichtbar sein. Die negativen Einflüsse der irdischen Lichtverschmutzung auf die Sichtbarkeit der Sterne werden vollständig vom Mondlicht überstrahlt. So betrachtet, ist der 29. September leider kein idealer Tag.

Sollte das Wetter aber mitspielen, so bieten sich dennoch einige schöne Beobachtungen an. Der farbenreiche Untergang der Sonne und der Aufgang des Mondes im Schatten der Erde sind zwar ein nicht seltenes Schauspiel. Aber gerade weil es so häufig geschieht, beschäftigt sich der durchschnittliche Normalbürger nicht mehr damit. Kaum jemand wird das Phänomen des Erdschattens bewusst beobachtet haben, obwohl es ihm eigentlich bekannt sein wird, dass eine beleuchtete Kugel einen Schatten hinter sich wirft.

Während der Mond als riesige Scheibe am Horizont aufgehen wird, zeigen sich die Defizite unserer Wahrnehmung. Das der Mond am Horizont so groß wirkt, ist nämlich eine optische Täuschung, die dadurch verursacht wird, dass wir den Eindruck haben, der Sternenhimmel wäre uns wie eine riesige Käseglocke übergestülpt. Somit scheinen Objekte am Horizont weiter entfernt und haben für die menschliche Wahrnehmung eine größere Ausdehnung als bei gleicher Größe im Zenit.

Zunehmender Halbmond
Zunehmender Halbmond

Das langsame Erscheinen der Sterne bei Anbruch der Dämmerung und die Möglichkeit Sternbilder selber zu entdecken, bieten den Besuchern einen informativen Hintergrund, den sie mit nach Hause nehmen können. Schön ist es, wenn man die Sternbilder mit der mythologischen Geschichte verknüpfen kann. Gerne erzählt wird dabei die Geschichte um das Sternbild Andromeda. Die Andromeda, Tochter des äthiopischen Königs Kepheus und der Königin Cassiopeia, sollte einem Meeresungeheuer geopfert werden, weil dieses die Küstenlinie Äthiopiens zerstörte. Vorausgegangen war ein Streit der Cassiopeia um Schönheit, bei der sie die Nereiden beleidigte. Zum Pech war eine Nereide mit Poseidon, dem Meeresgott verheiratet, der prompt dieses Ungeheuer in Form eines Walfisches schickte. Dem Königspaar blieb nichts anderes übrig, als das Opfer ihrer Tochter Andromeda. Doch Glück im Unglück, kam doch just Perseus, der Held vorbei der, nachdem er die Medusa enthauptete, gerade in Form für Heldentaten war und das Ungeheuer tötete, Andromeda rettete und anschließend ehelichte. All diese mythologischen Figuren sind am Himmel zu finden und in jener Nacht leicht zu zeigen. Ebenso das Sternbild Schwan ist gut sichtbar. In jenen Schwan verwandelte sich der Sage nach Zeus, wenn er irgendwelchen Liebschaften hinterher flog. Ein ganz schlimmer Finger war das!

So kann man unterhaltend die Sternbilder erklären . Wissenschaftliche Erklärungen zu Eigenschaften der Sterne sind am lebenden Beispiel zu sehen. Da gibt es schöne Doppelsterne mit hohem Farbkontrast, wie Albireo oder Alamak. Wunderschön kann man die Wirkung der Oberflächentemperatur eines Sterns auf die Sternfarbe erklären. Die unterschiedlichen Helligkeiten zweier Sterne, die gleich weit entfernt sind, geben Auskunft über Größe und Leuchtkraftverhältnisse in diesen Doppelsternsystemen.

Planeten sind auch sichtbar. Uranus und Neptun sind gut sichbar, Jupiter zeigt sich noch am Abendhimmel. Nach Mitternacht erklimmt der Planet Mars den Nachthimmel. Die Planetenbilder im Teleskop werden aber eher enttäuschend sein. Während Jupiter tief im Luftmeer der Erde schwimmt, erscheinen die anderen Planeten nur als kleine Scheibchen... Was gibt es sonst noch zu sehen? Ein Blick auf unsere Nachbargalaxie M31 lohnt sich immer. Der im Mondlicht strukturlose Nebel steht immerhin über 2,5 Millionen Lichtjahre vom Beobachter entfernt. Etwas näher ist uns der Kugelsternhaufen M13, der gute 25.000 Lichtjahre entfernt ist. Scheinbar in der Nachbarschaft befindet sich M57, der Ringnebel. Sein Licht ist "nur" 2.000 Jahre zu uns unterwegs.

Hoffen wir also auf eine klare Nacht, damit der Besuch der Sternwarte für alle Gäste ein lohnenswertes Erlebnis wird.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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