Beobachtungstipp im November 2007

Ein besonderes Weihnachtsgeschenk für die Astronomen ist der Komet 8P / Tuttle, der in den nächsten Wochen immer besser zu sehen sein wird. Auf seiner Reise durch die Sternbilder Cepheus, Cassiopeia, Andromeda, Dreieck und Fische wird der Komet zumindest ein Feldstecherobjekt werden. Ob seine Helligkeit sogar zum freisichtigen Weihnachtskomet reicht, bleibt eine Überraschung. Keine Überraschung, dafür aber eine erfreuliche Angelegenheit für unsere fotografierende Zunft, ist die nahe Begegnung des Kometen mit einigen helleren Deep Sky-Objekten.

Bereits am 15. Dezember 2007 zieht der Komet in nur 35 Bogenminuten Abstand an NGC 40 vorüber, einem hellen relativ großen Planetarischen Nebel im Sternbild Cepheus. Nächster Anlaufpunkt des mittlerweile gut 7 Mag hellen Kometen ist der Gasnebel NGC 281, der unter den Astronomen als Pacman-Nebel bekannt ist. Seine Passage zwischen dem 22. und 23. Dezember wird leider für uns am Taghimmel stattfinden. Wer es dennoch schafft, kann den Kometen am Morgen des 23. Dezember in nur 40 Bogenminuten Abstand zu NGC 281 beobachten. Allerdings wird der helle Mond die Beobachtung mehr als erschweren. Während der größten Helligkeit wandert der Komet in der Nacht vom 30. auf den 31.Dezember 2007 durch die Galaxie M33. Dieser Begegnung fiebern viele Astrofotographen entgegen. Wenn der Himmel klar sein sollte, stört nicht einmal der Mond die Passage. Interessanterweise wurde die Passage von unserem Mitglied Günther Strauch ausgerechnet und auf der Homepage schon vor Monaten veröffentlicht. Mittlerweile hat sich diese Information herumgesprochen und verschiede Internetlinks verweisen auf unsere Homepage.


Komet 8P/Tuttle streift die Spiralgalaxie M33 (Animation), Günther Strauch

Der Komet 8P / Tuttle wurde bereits im Jahr 1790 von dem französischen Astronom Mechain entdeckt. Nur gute drei Wochen beobachteten er und seine Zeitgenossen, darunter auch Charles Messier und William Herschel den Kometen. Zu kurz um eine gute Bahnberechnung zu machen. So blieb die kurzperiodische Kometenbahn unerkannt. Gute 70 Jahre darauf entdeckte der amerikanische Astronom Horace Parnell Tuttle diesen Kometen wieder. Seine Entdeckung am 5. Januar 1858 wurde durch die unabhängige Entdeckung des deutschen Beobachters Karl-Christian Bruhns am 11. Januar 1958 bestätigt. Bruhns kam nur leider nicht zu der Ehre, als Mitentdecker erwähnt zu werden.

In den folgenden Tagen machten sich dann verschiedene Astronomen an die Bahnberechnung des Kometen und entdeckten seine kurze Periode. Nur knappe 14 Jahre braucht der Komet für die Umrundung der Sonne. Die erste vorhergesagte Wiederkehr im Jahre 1871 wurde von verschiedenen Beobachtern bestätigt. So entdeckte der Kometenbeobachter Nicolas Borelli den Kometen am 13. Oktober 1871 von Marseille aus. Auch der deutsche Astronom Winnecke und Horace Parnell Tuttle beobachteten den Kometen.

Seither wurde der Komet bei jeder Wiederkehr beobachtet. Nur im Jahre 1953 vereitelte eine ungünstige Bahn die Beobachtung. Nie war der Komet heller als die 7. Größenklasse, was die Beobachter eher nicht erfreuen wird. Interessanterweise fand man einen Zusammenhang der Kometenbahn mit dem Meteorschauer der Ursiden. Der Komet gilt seitdem als Quelle für die Meteorpartikel. Die Ursiden sind vom 17. bis 26. Dezember sichtbar. Ein spitzes Maximum ist in der Nacht vom 22. auf den 23. Dezember zu erwarten. Die langsamen Meteore, deren Radiant im kleinen Bären liegen sind bis zu 20x in der Stunde zu sehen. Die ZHR ist somit bei weitem nicht so hoch, wie bei den Perseiden, deren Mutterkomet Swift-Tuttle ebenfalls von Horace Parnell Tuttle entdeckt wurde. Der Radiant ist dafür aber zirkumpolar und kann die ganze Nacht beobachtet werden. Dafür stört der Mond aber wieder sehr. Konzentrieren wir uns also auf den Kometen selbst. In den letzten Jahren waren die Nächte zum 31. Dezember immerhin zu 40% klar. Das ist doch schon was, oder?

Clear Skies,
Christian Overhaus

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