Beobachtungstipp im März 2008

Sturmtief "Emma" fegte gerade über das Land und ließ uns mal wieder kräftig spüren, wie hilflos wir den natürlichen Gewalten gegenüber stehen. Gerade mal zwei Tage nach einem Vortrag über den "Klimawandel im Westmünsterland", der die Plätze im Borkener Kreishaus füllte, zeigt sich ein Wetterereignis, das charakteristisch für den Klimawandel ist. Denn für uns Westmünsterländer bedeutet der Klimawandel frostarme Winter, die aber niederschlagsreicher sind und heiße, trockene Sommer. Allgemein müssen sich die Münsterländer auf eben diese Unwetterereignisse einstellen, die am ersten Märzwochenende auf sie einwirkten, so der Vortragende vom LUNAV, NRW.

Auch wenn wir in einer Zone leben, die der Klimawandel nicht so stark zusetzt, werden wir Konsequenzen spüren. Die trockenen Sommer sorgen für eine Wasserknappheit, die der Landwirtschaft schaden könnte. Der Wasserhaushalt wird im Winter mehr als ausgeglichen. Die prognostizierte Zunahme von Niederschlägen über 30% werden die Flüsse und Bäche in den Wintermonaten anschwellen lassen. Die nicht bestellten Äcker erodieren, da sie die Wassermassen nicht aufnehmen können. Auch die Wälder als Wasserspeicher funktionieren im Winter nicht, da die Pflanzen während ihrer Winterruhe kaum Wasser aufnehmen. Einen Einfluss auf die Artenvielfalt und Artenverteilung geht mit der Erwärmung einher. So breiten sich Arten, die sonst nur in südlichen Gefilden zu finden sind, nach Norden aus. Arten, deren Lebensraum kalt ist, können sich nur noch schwerlich durchsetzen und werden verdrängt. Die milden Winter bietet der Landwirtschaft die Möglichkeit früher mit der Bestellung der Felder zu beginnen. Allerdings erhöht sich die Gefahr der Spätfrostschäden durch den frühen Ackerbau. Schädlinge haben es aber leichter, den Winter zu überstehen und somit gibt es neue Herausforderungen für die Landwirte.

Kontrovers werden die Ursachen für den Klimawandel diskutiert. Während der Weltklimarat und seine Anhänger einen anthropogenen Einfluss für den Anstieg des Treibhausgases Kohlendioxid verantwortlich machen, gibt es Kritiker, die den Wandel des Klimas allein durch natürliche Prozesse erklären wollen. Die Klimageschichte der Erde ist geprägt von Eis- und Warmzeiten. Die Aktivität der Sonne und die schwankende Bahn der Erde um die Sonne, die mal mehr oder weniger elliptisch ist, haben in der Vergangenheit messbare Spuren im Klimaarchiv der Erde hinterlassen. Begleitet wurden die prähistorischen Klimaschwankungen mit Schwankungen der Kohlendioxid- und Methankonzentration in der Erdatmosphäre. Sollten also wirklich die menschlichen Aktivitäten für die Erwärmung der Erde verantwortlich sein? Kann der Mensch überhaupt das Klima der Erde signifikant beeinflussen? Die Kritiker des anthropogenen Klimawandels zweifeln das an.

Doch beim tiefen Blick ins Klimaarchiv der Erde findet man genau die Spuren, die auf einen anthropogenen Einfluss des Menschen auf das irdische Klima hinweisen. Und das nicht erst zur Neuzeit. Bereits vor 10.000 Jahren veränderte der Mensch das Klima der Erde, so sehen es jedenfalls die Klimaforscher.

Die Klimaforscher untersuchen das Klima der Erde mittels Eiskernbohrungen. Die Eiskerne, die in der Arktis oder Antarktis gewonnen werden, lassen genaue Klimaanalysen vergangener Zeiten zu. Hierbei werden die Isotopenanteile der eingeschlossenen Luftteilchen analysiert und der Anteil der Sauerstoffisotope im Eis der Bohrkerne. Die Messungen erlauben eine genaue Historie des Weltklimas der vergangenen Jahrtausende. Sie geben Auskunft vom ewigen Wechsel eisiger Kaltzeiten und wonnigen Warmzeiten. Dieses auf und ab fand vor etwa 10.000 Jahren ein Ende. Seither steigt die Temperatur der Erde. Eine zu erwartende Eiszeit blieb aus. Der Anteil der Treibhausgase Methan und Kohlendioxid steigt an.

Kosmische Einflüsse können dafür nicht verantwortlich gemacht werden. Wer oder Was sorgte also für den Ausfall der Eiszeit vor 10.000 Jahren?

Forscher vermuten menschliche Aktivitäten als Ursache des Klimawandels. Vor 10.000 Jahren begann der Mensch sesshaft zu werden und Landwirtschaft im großen Stil zu betreiben. Die Änderung der menschlichen Lebensweise blieb nicht ohne Folgen. Für die Landwirtschaft wurden seither große Waldflächen gerodet und zu Ackerland umgewandelt. Das führte zu einem Anstieg des Kohlendioxidanteils in der Erdatmosphäre. Vor gut 7.000 Jahren begannen die Chinesen mit dem Reisanbau und sorgten für die Zunahme von Methangas in der Atmosphäre. Die Treibhausgase vereitelten möglicherweise die drohende Kaltzeit.

Man mag nun denken, dass die wenigen Menschen, die vor 10.000 Jahren auf der Erde lebten, kaum in der Lage waren das Weltklima zu verändern. Dem entgegen zu setzen ist, dass die Menschen viele Tausend Jahre damit zubringen konnten, das Klima zu verändern. Dazu kommt noch, dass die Landwirtschaft damals nicht so effektiv wie heute war und dementsprechend größere Flächen beanspruchte.

Der andauernde Klimawandel verläuft viel dramatischer als der Klimawandel des Holozän. Der Mensch der Neuzeit erwärmt die Erde in Zeiträumen von weniger als 100 Jahren. Der Gehalt an Treibhausgasen steigt an, weil menschliche Aktivitäten den fossilen Kohlenstoff zu Kohlendioxid umsetzen und in der Atmosphäre anreichern. Die intensive Bodennutzung und Rodung der Wälder vereitelt ein Entgegenwirken. So wird sich der Trend vermutlich fortsetzen.

Es gab in Vergangenheit aber auch einen umkehrenden Trend. Im 14. Jahrhundert nahm der Kohlendioxidgehalt der Erdatmosphäre signifikant ab. Zu dieser Zeit suchte die Pest den Kontinent heim und sorgte für das Erliegen der intensiven Landwirtschaft. Innerhalb weniger Jahrzehnte eroberten die Wälder ihren Lebensraum zurück und sorgten für die Dämpfung des Treibhauseffektes.

Allen Kritikern zum Trotze scheinen menschliche Aktivitäten also doch Einfluss auf das empfindliche Weltklima zu haben. Dabei ist es nicht nur der Verbrauch der fossilen Energieträger, der den Kohlendioxidgehalt der Erdatmosphäre bestimmt. Die Veränderung unserer Lebensräume wirkt sich ebenfalls auf den Kohlenstoffhaushalt aus.

Auch wenn der Einfluss der Sonne auf das Klima unbestritten ist, kann der jetzige Treibhauseffekt nicht ausschließlich der Mutter Natur zugeschrieben werden. Es mag uns aber trösten, dass die Menschen viel Energie einsetzen, um das System der Erde zu verstehen. Hierzu reicht es nicht aus irdische Einflüsse zu untersuchen. Ebenso die Astronomie liefert wertvolle Daten hinsichtlich des Verständnisses unserer Umwelt. In einem der folgenden Beobachtungstipps werde ich vom Einfluss der Sonne berichten.

Zu beobachten gibt es dann hoffentlich auch noch was. In den Abendstunden des 12. März zieht der Mond nördlich am Sternhaufen der Plejaden vorbei. Dabei werden einige Plejadensterne, wie beispielsweise Asterope, bedeckt. Die "dunkle" Seite des Mondes verdunkelt schlagartig die hellen Sterne. Der Vorübergang des Mondes an den Plejaden beginnt ab 18:00 Uhr und ist bis 22:00 Uhr zu beobachten.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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