Beobachtungstipp im August 2008

Zwei Wochen nach der partiellen Sonnenfinsternis können die Sternfreunde am Abend des 16. August 2008 eine partielle Mondfinsternis beobachten. Wenn der Mond gegen 20:40 Uhr aufgeht, befindet er sich bereits im Halbschatten der Erde. Einige Stunden zuvor bedeckte er übrigens den Planeten Neptun, der beim Aufgang des Erdtrabanten nur wenige Bogenminuten westlich zu finden ist. Die Bedeckung ist für uns leider nicht zu beobachten. Um 21:35 Uhr trifft der Kernschatten der Erde auf den Mond und verfinstert den Himmelskörper bis etwa 23:00 Uhr immer mehr. Dann allmählich weicht der Schatten wieder von der Mondoberfläche und lässt ihn ab 0:46 Uhr für den Rest der Nacht fast im vollen Glanz erstrahlen. Weitere Informationen zur Finsternis und der öffentlichen Beobachtung an der Josef-Bresser-Sternwarte gibt es hier.

Der Mond kann etwa 81% seiner Oberfläche in den Kernschatten der Erde eintauchen und wird dabei um den Faktor 15 verdunkelt. Die Schattengrenze ist nicht sehr scharf, eher ein diffuser Bereich, in dem der Halbschatten in den Kernschatten übergeht. Der Schatten kann je nach Zustand der Erdatmosphäre etwas größer sein als es die Theorie verlangt. Obwohl dieser Effekt nur 1-2% der Schattengröße ausmacht, ist er schon seit langer Zeit bekannt. Schon vor 300 Jahren wurde das Phänomen beschrieben. Mit Amateurteleskopen kann man die Kontaktzeiten des Erdschattens mit den Kratern des Mondes ermitteln. Kopernikus wird zum Beispiel um 22:11:54s Uhr erreicht. So könnte man sich Krater für Krater vornehmen und die Kontaktzeiten ermitteln, diese dann mit den theoretischen Zeiten vergleichen.

Möchte man diesen Aufwand nicht betreiben, so genieße man die Mondfinsternis ohne wissenschaftliche Theorie. Für Amateurastronomen besteht eine gute Möglichkeit, Mitmenschen mit dem Sternenhimmel vertraut zu machen. Eine Mondfinsternis in den frühen Abendstunden und am Wochenende findet natürlich großes Interesse in der Bevölkerung, die das seltene Schauspiel vor den Fernsehern weg lockt. Zumal während der Finsternisnacht noch einige Perseidenmeteore zu beobachten sein werden. In den Archiven der Beobachtungsberichte fand ich noch diesen sieben Jahre alten Bericht einer Beobachtung, die wir noch ohne Sternwarte am Hoxfelder Flugplatz durchführten. Vielleicht ruft der Text ja einiges in Erinnerung.


 

Mondfinsternis, 9. Januar 2001
Es ist so weit, der lang ersehnte Tag ist da. Der Termin steht schon seit Jahrhunderten, besser seit Jahrtausenden fest. Ich spreche von der ersten Mondfinsternis des Jahrtausends. Wir, die Sternfreunde Borken, wollten dieses Spektakel natürlich beobachten. Geplant wurde ein öffentlicher Beobachtungsabend, da die Finsternis am frühen Abend stattfindet und somit vielleicht öffentliches Interesse erregt.

So wurde alles gut organisiert: Warme Getränke, viele Teleskope, fachkundiges Personal etc. Mit Hilfe der lokalen Presse und des Radiosenders WMW rührten wir ordentlich die Werbetrommel. Das Medieninteresse war schon fast übertrieben. Der einzige nicht planbare Unsicherheitsfaktor ist wie immer das Wetter und dieses schien nach den Wetterprognosen spannend zu werden. Tagsüber zeigte der Himmel sich in bester Bewölkung. Die Wetterprognosen wankten zwischen totaler Bewölkung und einzelnen Wolkenlücken. Gegen 18:00 Uhr traf ich mich mit Günther und wir fuhren zum Hoxfelder Flugplatz, der uns schon oft als Standort öffentlicher Beobachtungen gedient hatte.

Es war furchtbar. Die Wolkendecke war dicht. Der Mond war nur als diffuse Aufhellung, die durch die Wolkenschicht zu sehen war, erkennbar. Nach und nach trafen immer mehr Sternfreunde am Beobachtungsplatz ein. Plötzlich entdeckten wir einen helleren Stern am Himmel. Ein Flugzeug? Nein, es war tatsächlich die Venus. Eine größere Aufklarung bewegte sich auf uns zu. Sollten wir trotz aller schlechten Prognosen Glück haben?

Kurze Zeit später war der Mond zu sehen. Jupiter & Saturn, Aldebaran und alle Sterne erschienen nach und nach. Um 18:46 trat der Mond in den Halbschatten. Das war natürlich nicht erkennbar. Auch der Stern Wasat, der zuvor vom Mond bedeckt wurde, war nicht sichtbar. Der Mond aber strahlte uns an. Die Bedingungen wurden immer besser. Eine Stunde davor hätte ich diesen Anblick nicht für möglich gehalten.

Gegen 19:42 war es dann soweit. Der Mond trat in den Kernschatten der Erde. Erst kaum erkennbar, dann aber immer ausgeprägter, wurde die dunkle Seite des Mondes sichtbar. Mittlerweile war der Flugplatz in Hoxfeld vom einsamsten Ort zur Festwiese für Schaulustige geworden. Noch vor einem Jahr standen wir dort mit 12 oder 13 Leuten morgens um 3:00 Uhr und starrten einsam in die Wolkendecke. Jetzt waren mehr als Hundert Leute vor Ort, die gemeinsam mit uns den Anblick des Roten Mondes genießen wollten. Um 20:50 Uhr war es dann soweit. Der Mond war vollständig in den Kernschatten eingetreten und schimmerte leicht rötlich.

Der Mond blieb sichtbar. Viele Menschen umströmten die Teleskope. Schlangestehen war angesagt. Während der Mond sich immer weiter verfinsterte, waren unsere Gäste fasziniert von den Planeten Jupiter und Saturn, die sich in bester Pracht präsentierten. Es schien, als hätten die Leute den Hauptdarsteller des Abends vergessen. Saturn stahl dem Mond die Show. Kurz nach Eintritt der totalen Phase bedeckte der Mond noch zwei Sterne. Ich konnte leider nur kurz vorher ein Blick durchs Teleskop werfen. Wenn man eine solche Menschenmasse für den Himmel begeistern kann, darf man ja nicht egoistisch sein.

Die totale Phase endete gegen 21:52 Uhr, der Mond zeigte eine helle Sichel. Zu diesem Zeitpunkt waren viele Menschen schon auf den Weg nach Hause. Kälte und Müdigkeit zerrten an der Ausdauer der Nichtastronomen. Der harte Kern blieb. Während der Mond langsam aber sicher aus dem Kernschatten trat, schauten wir durch die Teleskope, plauderten über unser Glück mit dem Wetter und über den tollen Abend, der die vielen Menschen raus zum Hoxfelder Flugplatz lockte. Um 23:00 Uhr war der sichtbare Teil der Finsternis vorbei. Der Mond strahlte wieder hell wie zuvor. Die nicht so hellen Sterne waren im Dunst des Mondlichts verschwunden. Dort wo vorher noch Castor und Pollux erkennbar waren, schien nun ein helles Mondhalo, erzeugt von den hohen Eiskristallen. Ein schöner Anblick.

Als Resümee kann man sagen, der Abend war ein voller Erfolg. Wir sahen den verfinsterten Mond trotz leichter Bewölkung. Unser kleiner Club der Sternfreunde bekam kostenlose Werbung durch die lokale Presse und die Besuchermassen bekamen neben dem Mond auch noch die Planeten Jupiter und Saturn zu sehen. Und zum guten Schluss verabschiedet sich der Mond mit einem tollen Halo von uns, wir die bis um 23:00 Uhr in der Kälte und Nässe ausharrten. Ich bin gespannt auf die Nachlese der Finsternis: den Bericht im Radio und den in der Zeitung. Ich hoffe, dass die Reporter etwas von der Atmosphäre herüberbringen, die an diesem Abend herrschte. Vielleicht haben wir ja den einen oder anderen Beobachter inspiriert, bei unseren regelmäßigen Treffen mal dabei zu sein.


 

Ich hoffe etwas Lust auf das kommende Ereignis gemacht zu haben.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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