Beobachtungstipp im Februar 2011

Nur wenige Tage nach der Fertigstellung des ersten Katalogs, richtete Charles Messier in der Nacht vom 19. Februar 1771 sein kleines Linsenteleskop vom Dach der College Royal in Paris in den klaren Nachthimmel. Er muss guter Laune gewesen sein, denn nur wenige Tage zuvor gelang ihm die Entdeckung seines 7. Kometen. Das kleine Teleskop besaß gerade mal 80mm Öffnung und nur eine geringe Vergrößerung von weniger als 30-fach. Seit einigen Tagen wohnte er mit seiner angetrauten Frau im Hotel de Cluny und es waren nur wenige Schritte bis zu seinem Beobachtungsplatz. Der Katalog umfasste bis dahin 45 Objekte, wobei er die Plejaden, die ja schon seit Urzeiten bekannt waren, als letztes Objekt aufnahm. Eigentlich ein Kuriosum, welches wohl durch seinen Sinn für Symmetrie und Ordnung erklärbar ist. M44 und M45 waren ja seit vielen Jahren bekannt. Sein Vorbild Nicholas Lacaille hatte zurvor eine Liste mit 42 Objekten veröffentlicht, die es zu übertreffen galt.

In den frühen Abendstunden ahnte er natürlich noch nicht, dass der abgeschlossene Katalog nur der erste Teil seines Katalogwerkes werden sollte und dass er in den nächsten Stunden die ersten Eintragungen der Fortsetzung auffinden sollte. Vermutlich war ihm das relativ gleichgültig. Seine Leidenschaft galt den Kometen und die Entdeckung von Nebelchen und Sternhaufen interessierte ihn nicht so sehr.

In den frühen Abendstunden richtete Charles das Teleskop in den südlichen Himmel in die Region unterhalb des Sterns alpha Monocerus. Die Nacht muss sehr klar gewesen sein und seine Horizontsicht erlaubte es, selbst im Sternbild Puppis Sterne zu erkennen. Eine Weile später fielen zwei nebelige Sternhaufen in sein Blickfeld. Es bedarf keiner großen Fantasie, dass es sich dabei um Messier 46 und Messier 47 gehandelt hat. Etwas später sollte er noch Messier 48, ein Sternhaufen im Sternbild Wasserschlange entdecken. Und auch Messier 49, die erste Galaxie in seinem Katalog, gewann seine Aufmerksamkeit.

In dieser Nacht erweiterte sich der Katalog um vier neue Objekte. Zweihundertdreißig Jahre später können wir mit größeren Teleskopen, deren optische Leistung des von Messier genutzten Gerätes bei weitem übertrifft, wiederholen.

Wie auch Messier benötigen wir einen klaren Himmel mit guter Horizontsicht. Die beiden Sternhaufen M46 und M47 kulminieren um kurz nach 22 Uhr in gerade mal 23° Höhe über dem Horizont. Und Messier 49, die Galaxie in der Jungfrau erreicht gerade mal 33° Grad Höhe an diesem Abend.

Messier 46 ist wohl das interessanteste Objekt. Es ist ein offener Sternhaufen, der etwa 4.500 Lichtjahre entfernt ist und über 500 Mitglieder zählt. Die Horizontnähe macht ihn aber trotz der gewaltigen Sternenzahl, von denen 200 Sterne die 13. Größeklasse übertreffen, zum nicht ganz so leichten Objekt. Das Alter des Haufens wird auf 500 Millionen Jahre geschätzt. Größere Uneinigkeit gab es aber wegen eines Planetarischen Nebels, der scheinbar in Messier 46 zu finden ist. Der Planetarische Nebel wurde 1786 von Wilhelm Herschel entdeckt. Er beschrieb den Nebel als helle, ringförmige Erscheinung. Wie gesagt, man war sich lange uneins darüber, ob der Nebel mit dem Sternhaufen assoziiert ist oder ob er nur rein zufällig in der Sichtlinie des Haufens liegt. Neueste Erkenntnisse legen nahe, dass der Planetarische Nebel in Messier 46 zu finden ist, da es Korrelationen zwischen den Radialgeschwindigkeiten des Nebels und des Sternhaufen gibt.

Es ist allerdings sehr seltsam, dass ein Planetarischer Nebel in einem doch relativ jungen Sternhaufen zu finden ist. Die Haufenmitglieder sollten noch nicht so weit entwickelt sein. Das Alter des Planetarischen Nebels wird auf 45.000 Jahre geschätzt. Der Nebel besitzt einen Durchmesser von 66 Bogensekunden. In einer Distanz von 4.500 Lichtjahren entspricht das einer Ausdehnung von 1,4 Lichtjahren. Der australische Astrofotograf David Malin konnte ein ausgedehntes schwaches Halo nachweisen, welches 4 Lichtjahre durchmisst. Der Planetarische Nebel ist nur vorübergehend sichtbar. In wenigen Tausend Jahren erlischt das Leuchten, da der zentrale Weiße Zwerg nicht mehr ausreichend heiß ist, um das umgebende Gas zum Leuchten anzuregen.

Direkt in der Nachbarschaft des Sternhaufens M46 befindet sich Messier 47. Messier 47 wurde nicht von Messier entdeckt. Der italienische Astronom Hodierna beschrieb den Haufen im Jahr 1654 erstmals. Messier 46 ist nicht so spektakulär wie Messier 47. Er ist allerdings nur 1.600 Lichtjahre entfernt und etwa Vollmondgroß am Himmel. Man rechnet etwa 50 Sterne zu diesem offenen Sternhaufen. Er ist auch ein sehr junger Haufen, dessen Alter "nur" auf 30 bis 100 Mio. Jahre geschätzt wird.

Für Verwirrung sorgte lange Zeit ein Flüchtigkeitsfehler, den Messier bei der Positionsbestimmung machte. So galt Messier 47 lange als verschollen und wurde 1934 erst identifiziert. Bei kleiner Vergrößerung ist Messier 47 eindrucksvoll. Nur 1,3 Grad östlich des Haufens stößt man auf Messier 46. Gut 12 Grad nördlich des Sternhaufenpaares stieß Charles Messier an diesem Abend auf einen weiteren Sternhaufen, den er als 48. Eintrag in seinen Katalog aufnahm. Er beschrieb ihn als Haufen von Sternen ohne Nebel. Etwa 160 Sterne werden zu Messier 48 gezählt, der 2.500 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Er erscheint auch Vollmondgroß und ist in kleinen Geräten schon als lose Sternenassoziation zu erkennen.

Ob Messier nun eine Beobachtungspause einlegte oder was ihn auch immer dazu bewegte, seinen Blick weit von seinem abendlichen Jagdrevier in Richtung der Jungfrau schweifen zu lassen, ist nicht übermittelt. Jedenfalls entdeckte er mit Messier 49 die erste Galaxie des Virgohaufens. Messier 49 ist die zweithellste Galaxie des Virgohaufens und eine der großen elliptischen Galaxien. Das war Messier natürlich noch nicht bewusst und so beschrieb er Messier 49 als Nebel.

Mit einer Distanz von 50 Mio. Lichtjahren gehört sie zu den großen Galaxien des Virgohaufens. Ihr Durchmesser wird auf 160.000 Lichtjahre geschätzt. Nur Messier 87 kann eindrucksvollere Zahlen auftischen. Insgesamt 11 Galaxien sollte Messier im Sternbild Jungfrau noch entdeckten und in seinen Katalog aufnehmen. Geduldige Beobachter werden beim Aufsuchen der Galaxie schon viele Nebelfleckchen erkennen, die später in den NGC-Katalog aufgenommen wurden. Im Frühjahr ist der Virgohaufen das Paradies für Galaxienfreunde. Bei der Menge an Galaxien ist es schon schwierig, den Überblick zu behalten.

Charles Messier wird nach dieser Nacht unzufrieden zu Bett gegangen sein, da kein Komet sein Blickfeld kreuzte. Wir können 230 Jahre danach den Anblick der Sternhaufen und Galaxien genießen. Ein Komet wäre nur das Pünktchen auf dem i.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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