Beobachtungstipp im Mai 2011

Die Sonne ist ein durchschnittlicher Otto-Normal-Stern. So wird es häufig in der Literatur beschrieben. Und in der Tat ist die Sonne mit ihren 1,4 Millionen Kilometern Durchmesser ein eher unauffälliges Objekt. Unsere Milchstraße umfasst über 200 Milliarden Sterne. Und viele dieser Sterne sind viel größer als die Sonne. Ein Blick in den Nachthimmel zeigt uns wahre Giganten: Aldebaran, Arcturus, Beteigeuze und der Riesenstern Antares, der rot im Sternbild Skorpion leuchtet. Antares Durchmesser übertrifft den der Sonne über 200x. Der größte bisher entdeckte Stern ist VY Canis Majoris. Dieser Stern übertrifft Antares noch mal um das 10-fache. Ein wahrer Riese, der mit dem bloßen Auge nicht zu finden ist. Man benötigt für die Beobachtung des Sterns 9. Größe bereits ein kleines Teleskop. Obwohl man mit der Angabe der Helligkeit vorsichtig sein muss, denn, wie es der Name bereits verrät, ist VY CMa ein veränderlicher Stern, d.h. seine Helligkeit schwankt.

Aber nicht nur Sterne beeindrucken mit ihren gigantischen Ausmaßen. Unsere Milchstraße, ein Gebilde aus über 200 Milliarden Sternen, dehnt sich gute 100.000 Lichtjahre im Raum aus, wenn man die sichtbare Materie betrachtet. Schnelle Kommunikation von einer Seite der Milchstraße zur anderen ist damit nicht unbedingt machbar, wenn man davon ausgeht, dass Botschaften die Lichtgeschwindigkeit nicht übertreffen können.

Ähnlich verhält es sich mit der Andromedagalaxie. Sie ist etwas größer als die Milchstraße und trägt mehr als 300 Milliarden Sterne in sich. Umgeben werden die Galaxien von einigen kleineren Begleitgalaxien, wie in unserem Falle die Magellanschen Wolken oder Messier 32 und NGC 205 nahe der Andromeda.

Die Andromedagalaxie und unsere Heimatgalaxie gehören schon zu den imposanten Spiralgalaxien, die unser Universum zu bieten hat. Geht es aber dennoch größer? Wenn man glaubt, man wäre der Größte, dann findet man doch jemanden, der immer noch etwas größer ist.

Ein Blick in den Virgohaufen reicht aus, um einige Riesengalaxien zu finden. Das größte Messierobjekt befindet sich dort. Messier 87 ist eine 8,6 Mag helle, elliptische Galaxie, die sich ziemlich zentral gelegen im Virgohaufen befindet. Die Galaxie besitzt eine Masse von fast 3 Billionen Sonnenmassen, mehr als das 10-fache der Milchstraße oder der Andromedagalaxie. Und dennoch ist sie keineswegs der Rekordhalter. Ihre scheinbare Ausdehnung von knapp 9 Bogenminuten lässt auf einen Durchmesser von 150.000 Lichtjahren schließen. Beeindruckenden Zahlen, aber dennoch ein Zwerg im Vergleich zu dem Monster, welches wir jetzt kennen lernen. Die größte, bisher entdeckte Galaxie ist ein unscheinbares Nebelchen im Sternbild Jungfrau, sehr nah an der Grenze zum Schlangenträger.

Selbst in mittleren Teleskopen ist der 15 Mag helle Nebel nicht leicht zu erkennen. Wir sprechen von IC 1101. IC 1101 ist die zentrale Galaxie des Galaxienhaufens Abell 2029. Dieser Galaxienhaufen ist 1 Milliarde Lichtjahre entfernt, 16x weiter als der Virgohaufen. Der Durchmesser dieser Galaxie wird mit 5,5 Millionen Lichtjahren angegeben. Sie würde fast unsere ganze lokale Gruppe mit der Andromedagalaxie und der Dreiecksgalaxie M33 einnehmen. Ein unglaublicher Gigant mit einer Masse von 100 Billionen Sternen. Klassifiziert wird IC 1101 als cD-Galaxie. Das sind riesige elliptische Galaxien, die ein diffuses Halo umgibt (D für diffus) . Oftmals besitzet diese Art von Galaxien mehrere Zentren. Das erklärt auch die Größe der Galaxie. cD-Galaxien entstehen durch Verschmelzen großer elliptischer Galaxien mit Galaxien, die sie umgeben. Man bezeichnet das auch als kosmischen Kannibalismus. Und dieser ist an der Tagesordnung. An vielen Orten kann man das Verschmelzen von Galaxien beobachten. Prominente Beispiele sind M51 und NGC 5195, die Mäuse NGC 4676a/b oder die Antennengalaxien NGC 4038 und NGC 4039.

Auch unsere Milchstraße hat womöglich bereits einige Zwerggalaxien vereinnahmt. Die große Verschmelzung mit der Andromedagalaxie ist in ferner Zukunft zu erwarten. Dieses Galaxienwachstum verhalf auch IC 1101 zu ihrer Größe. Obwohl sie visuell schon schwer zu sehen sein wird, kann der gut ausgerüstete Astrofotograf bestimmt eine aussagekräftige Aufnahme hinbekommen. IC 1101 wird allerdings selten von Amateurastronomen abgelichtet, was natürlich den Reiz ausmacht, sein Glück zu versuchen und jenseits von Andromedanebel und Messier 87 mal wirklich einen, wenn auch weit entfernten, Giganten zu besuchen...

Clear Skies,
Christian Overhaus

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