Beobachtungstipp im August 2011

In der Nacht zum 27. Juni 1931 erhellte ein Feuerball den Mittelmeerraum. Über der tunesischen Ortschaft Tatahouine explodierte der Feuerball und in der Nähe ging ein Steinregen von kleinen Meteoritenfragmenten nieder. Gute 12kg meteoritisches Material konnte man im Wüstensand aufsammeln. Das merkwürdig glasige Material zeigte keine Schmelzkruste und auch nicht die typischen Eigenschaften eines Chondrits. Es handelte sich offensichtlich um einen der seltenen Achrondriten. Achondriten sind höher entwickeltes meteoritisches Material, welches bereits eine chemische Veränderung erfahren hat. Man nimmt an, dass es Auswurfmaterial von Kleinplaneten ist, welches bei Kollisionen oder Einschlägen auf den Mutterkörper freigesetzt wurde. Im Falle des Meteoriten Tahatouine kann man das Material dem Kleinplaneten Vesta zuordnen. Die Vesta ist der vierte entdeckte Kleinplanet. Er wurde im Jahr 1807 von Heinrich Wilhelm Olbers in Bremen entdeckt. Vesta ist ein Kleinplanet mit einem Durchmesser von ca. 280km. Seine Gestalt entspricht der eines Rotationsellipsoids. Das Hubble-Teleskop konnte bereits im Jahr 1995 eine geologische Karte von Vesta erstellen und entdeckte dabei einen etwa 450km großen Krater, der bis zu 8km tief ist. Der zentrale Berg ist eine Schuttaufschüttung von 13km Höhe. Vermutlich ist er bei einem gigantischen Einschlag entstanden, der das achrondritische Material freisetzte, das teilweise auch zur Erde gelangte. Diese Katastrophe hätte die Vesta fast zerrissen, wäre der einschlagende Körper nur wenig größer gewesen.

Im Dezember machte ein ähnlicher Vorfall Schlagzeilen, als der Kleinplanet (596) Scheila plötzlich einen Staubausbruch zeigte, der durch einen kosmischen Zusammenstoss zustande kam. Der Ausbruch wurde sogar von Amateurastronomen beobachtet.

Jedenfalls scheint die Vesta vor einigen Millionen Jahren ein ähnliches Erlebnis überstanden zu haben. Die Fragmente wurden durch das Gravitationsfeld des Jupiters in das innere Sonnensystem gelenkt, so dass sie zu "Erdbahnkreuzern" wurden. Die Größe der Vesta reichte aus, um eine gewisse geologische Aktivität zu zeigen. Radioaktive Zerfälle in der Kruste der Vesta erlaubten kurzzeitig Veränderungen in der Grundsubstanz des meteoritischen Materials. Auch wird angenommen, dass die Vesta einen Eisen-Nickelkern besitzt.

Die Einschläge setzten dann tief liegendes Material frei, so dass Vesta eine interessante geologische Karte aufweist. Die Erde wurde durch den Impakt mit den seltenen HED-Meteoriten (Howardite, Eukrite und Diogenite) versorgt. Das sind Meteorite mit basaltischer oder magmatischer Zusammensetzung, die auf geologische Einflüsse hindeuten.

Das ist für die NASA Grund genug gewesen, mal genauer hinzuschauen. Im Jahr 2007 startete deshalb die Raumsonde Dawn, die das Ziel hat, Vesta genauer zu untersuchen. Im Mai 2011 erreichte Dawn die Vesta und umkreiste sie in einem Abstand von 16.000km. In den nächsten Wochen wird sich Dawn der Vesta auf 2.700km annähern und hochauflösende Fotos der Vesta liefern. Anschließend soll sie sich auf 200km an den Kleinplaneten nähern und die Oberfläche spektroskopisch analysieren. Man entdeckte vorab bereits Spuren von wasserhaltigen Mineralien, die wahrscheinlich von Kometen auf die Oberfläche des Kleinplaneten gebracht wurden.

Im Frühjahr 2012 wird sich Dawn dann von der Vesta verabschieden und sich dem Kleinpaneten Ceres zuwenden. Bereits jetzt gibt es beeindruckende Nahaufnahmen von der Vesta, die eine räumliche Auflösung von wenigen Kilometern zeigen. Insbesondere der Zentralberg des großen Kraters zeigt sich in eindrucksvoller Weise.

Zufälligerweise ist der Kleinplanet im August gut zu beobachten, weil er seine Oppositionsschleife zieht. Er erreicht knapp die 6. Größenklasse und ist somit ein ausgezeichnetes Feldstecherobjekt. Zu finden ist er im Sternbild Steinbock. Eine gute Sternkarte ist für das Auffinden also schon hilfreich. In der Nacht vom 30. auf den 31. August 2011 zieht Vesta allerdings nahe an Psi Cap vorüber, einem Stern 4. Größe. Dieser Umstand macht das Auffinden sehr leicht. Eine noch nähere Begegnung zwischen den beiden Himmelsobjekten findet in der Nacht vom 5. zum 6. Oktober statt.

Die Perseiden, die im August ebenfalls zu sehen sind, haben mit Vesta nichts zu tun. Der verglühende Staub stammt vom Kometen Swift-Tuttle, der über 130 Jahre für einen Umlauf um die Sonne benötigt. Dieser Staub ist im Gegensatz zum Vesta-Material äußerst primitiv und ist wohl die urtümlichstes Materie des Sonnensystems. Kein Wunder also, dass die Astronomen große Anstrengungen unternehmen, um diesen Staub näher zu erforschen. Hierzu gab es in der Vergangenheit ja einige Missionen, wie Rosetta, Stardust oder Deep Impact um diesen Staub zu untersuchen.

Das Maximum der Perseiden ist übrigens am 13. August 2011 zu erwarten. Zwar an einem Wochenende, dafür aber zu Vollmond. Vielleicht rieselt uns ja einwenig kosmischer Staub auf den Kopf...

Clear Skies,
Christian Overhaus

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