Beobachtungstipp im September 2011

Am Abend des 9. Oktober 1933 fand ein sensationelles Schauspiel statt. Wie Schneeflocken fielen tausende Meteore in die Atmosphäre der Erde ein und zeigten ein Feuerwerk der besonderen Art. Der bis dahin eher unauffällige Meteorstrom der "Draconiden" zeigte eine bisher nie beobachtete Aktivität. Einige Tage zuvor kreuzte der Komet 21P Giacobini-Zinner die Erdbahn. Der kurzperiodische Komet wurde 1900 von Michel Giacobini in Nizza entdeckt und 1913 von Ernst Zinner in Bamberg wieder gefunden. Eine Bahnberechnung ergab eine Umlaufzeit von sechseinhalb Jahren. Im Jahr 1920 konnte der Meteorforscher William F. Denning den Meteorstrom der "Draconiden" dem Kometen 21P Giacobini-Zinner zuordnen.

Nachdem man in den Folgejahren kaum einen Anstieg der Meteoraktivität im Oktober beobachtete, erwartete man im Jahr 1946 wieder einen großen Meteorschauer. Die Erde durchkreuzte 15 Tage nach der Passage die Bahn des Kometen. Die Beobachter in Nordamerika wurden nicht enttäuscht. Man beobachtete eine ZHR von 10.000 Meteoren. Also hätten pro Sekunde 3 bis 4 Meteore niedergehen können. Erst 1985 konnte man dann wieder eine höhere Aktivität der "Draconiden" beobachten. Zwar war die ZHR mit 700 Meteoren weitaus geringer als in den Jahren 1933 und 1946, dennoch zeigte sich in Japan ein eindrucksvolles Schauspiel. Die Bahn des Kometen wird wegen der kurzen Periode sehr vom Planeten Jupiter beeinflusst, so dass eine Bahnstörung dafür sorgte, dass der Staub des Kometen nicht mehr die Erdbahn erreichte. Ein weitere Bahnstörung im Jahr 1969 verbesserte die Situation wieder. Im Jahr 1998 beobachtete man einen Ausbruch mit 500 stündlichen Meteoren. Auch im Jahr 2005 registrierte man einen Anstieg auf Perseidenniveau mit 150 Meteoren pro Stunde.

Einen richtigen Schauer erwartet man allerdings in den nächsten Jahren nicht mehr. Was am 8. Oktober 2011 passieren wird, weiß natürlich niemand. Meteorforscher gehen aber davon aus, dass an diesem Abend durchaus bis zu 1.000 Meteore pro Stunde fallen könnten, was schon ein schönes Feuerwerk wäre. Der russische Experte Mikhail Maslow, der für seine guten Prognosen bekannt ist, sagt allerdings eine ZHR von 40-50 voraus. Das wäre zwar immer noch eine deutliche Aktivität, läge aber weit unter der erhofften Darbietung.

Erleichtert wäre die NASA, die eine verheerende Wirkung auf die Satelliten erwartet, wenn die 20km/s schnellen Geschosse ihre Wirkung entfachen. Wenn das Fernsehprogramm an diesen Abend wegen des defekten Astra-Satelliten ausfällt, kann man ja Sternschnuppen gucken. Leider gibt es neben der Wetterunsicherheit, die ja alle astronomischen Beobachtungen vereiteln kann, noch den fast vollen Mond, der den Genuss eines Meteorschauers stört. - Wie dem auch sei, man sollte am 8. Oktober abends um 22:00 Uhr seine Augen in den Himmel richten.

Zum Schluss noch einen aktuellen Hinweis. Eifrige Bildzeitungsleser haben sicher von der gigantischen Sternenexplosion in der kosmischen Nachbarschaft gelesen...

Am 24. August 2011 wurde in der Feuerradgalaxie Messier 101 eine Supernova entdeckt, die mittlerweile die 10. Größenklasse überschritten hat. Damit ist der Stern in 20 Mio. Lichtjahren Entfernung gut mit dem Teleskop zu sehen. Die SN 2011fe ist eine Supernova vom Typ Ia, bei der ein weißer Zwerg über Jahre Wasserstoff von einem Begleiter aufgenommen hat, bis er die kritische Masse erreichte und explodierte. Die für Kosmologen wichtigen Supernovae sind sogenannte Standartkerzen, weil der Helligkeitsverlauf recht gut modelliert werden kann. Somit eignen sie sich hervorragend zur Entfernungsbestimmung über kosmologische Distanzen. Für die SN 2011fe wird ein Maximum bei 10 Mag angenommen, welche sie jetzt erreicht hat. Die Sichtung der Supernova gelingt recht leicht. Die Beobachtung von M101 ist in unserer lichtverschmutzen Gegend schon eher schwierig.

Somit viel Erfolg,
Christian Overhaus

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