Beobachtungstipp im Oktober 2011

Zu den bekanntesten Sternenkonstellationen des Nordhimmels gehört zweifelsfrei nach dem Großen Bären, das Sternbild der Kassiopeia. Obwohl sie oft als "Himmels-W" bezeichnet wird, kommt Cassiopeia nicht aus Wuppertal, sondern erinnert an die prahlsüchtige Königin von Äthiopien, die mit dem schwachen König Cepheus verheiratet war. Diese skandalträchtige Frau dürfte die Gazetten der Antike gefüllt haben und so mancher Lesezirkelleser wird ihre Geschichte beim Zahnreißer erfahren haben. Am Himmel macht das Sternbild Cassiopeia gerade zur Herbstzeit eine gute Figur und hat Einiges zu bieten. Die Cassiopeia ist ein zirkumpolares Sternbild in unseren Breiten und kann, wie auch der Große Bär, zenitnah beobachtet werden. Doch im Gegensatz zum Großen Bären, wird die Cassiopeia vom Band der Milchstrasse durchzogen und enthält einige schöne Gasnebel und Sternhaufen. Der wohl bekannteste Sternhaufen ist Messier 52, der im Jahre 1774 von Charles Messier entdeckt wurde. Ein heller Vordergrundstern vor den zahlreichen Haufensterne erinnert etwas an den Wildentensternhaufen Messier 11. Messier 52 ist bereits im Fernglas zu sehen und etwa 200 Sterne leuchten uns aus der Entfernung von 4.500 Lichtjahren an.

In der Nähe befindet sich auch der Bubble-Nebel NGC 7635, der mit Hilfe eines Nebenfilters schon in kleinen Teleskopen zu erkennen ist. Die leuchtende Schale um den Stern BD+60°2522 ist ein Emissionsnebel von etwa 5 Bogenminuten Durchmesser.

Im Jahr 1781 entdeckte der Astronom Pierre Mechain den offenen Sternhaufen Messier 103, der als letzter offizieller Eintrag in Messiers Liste gilt. Über 7.000 Lichtjahre trennen uns von dem kleinen Juwel, das über 70 Sterne zeigt, die die 14. Größenklasse überschreiten. Ganz in der Nähe befinden sich auch die Sternhaufen NGC 654, 659 und 663. Die Sternhaufen gehören zu einer Kette von Sternhaufen, die zu einer 25 Mio. Jahre alten Sternenassoziation gehören.

Ein beeindruckender Sternhaufen ist auch der Eulensternhaufen NGC 457. Die eigenartige Anordnung der Sterne erinnert an eine Eule. Der hellste Stern des Haufens, der ein Auge darstellen soll, ist phi Cassiopeia, ein gelber Überriese, dessen Leuchtkraft die der Sonne um das 18.000-fache übertrifft. Er gehört zu den leuchtkräftigsten Sternen unserer Milchstrasse.

Etwas unterhalb von Schedir (alpha Cassiopeia) findet man NGC 281. Der Nebel wurde im Jahr 1881 vom amerikanischen Astronomen Edward Emerson Barnard entdeckt. Wiederum handelt es sich um einen Emissionsnebel, der von dem eingebetteten Sternhaufen IC 1590 zum Leuchten angeregt wird. Wegen der interessanten Form ist NGC 281 als "Pacman"-Nebel bekannt. Der Nebel ist in mittleren Teleskopen ab 4 Zoll mit einem Nebelfilter zu erkennen.

Ein besonders schönen Anblick bietet der offene Sternhaufen NGC 7789. Vor einem nebeligen Hintergrund machen sich bereits im 4 Zöller einige Dutzend Sterne bemerkbar, die den Eindruck eines sehr sternreichen Haufens unterstützen. Der Haufen befindet sich in 6.000 Lichtjahren Distanz und wurde 1783 von Caroline Herschel entdeckt. Er ist neben M52 der sternreichste Haufen der Herbstmilchstrasse.

Ein schöner Dreifachstern, der mit einem 4 Zöller aufzulösen ist, stellt Iota Cassiopeia dar. Die drei Sterne sind 8,4 und 2,4 Bogensekunden voneinander getrennt. Der Hauptstern ist 4,8 Mag hell. Seine Begleiter sind Sterne der 8. und 9. Größenklasse.

Dies ist nur ein kleiner Auszug an Sehenswürdigkeiten. Die drei Zwergalaxien IC10, NGC 147 und NGC 185 sind Nachbarn der Milchstrasse und obwohl sie sehr nahe sind, nur als leichte Himmelsaufhellung zu erkennen.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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