Beobachtungstipp im Juli 2012

Kann sich ein Elefant hinter einem Kaninchen verstecken? Diese spannende Frage ist nicht an Astronomen gerichtet. Oder doch..? Nicht direkt, dennoch sollte der erfahrene Astronom die Frage eindeutig mit "ja" beantworten. Das mag einiges an Kopfschütteln in der Gesprächsrunde hervorrufen in der man diese Antwort gibt. Aber es ist, wie immer, eine Frage der Perspektive.

Kommen wir zum astronomischen Aspekt der Geschichte. Am 15. Juli 2012 kurz vor 4:00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit versucht sich ein Koloss von 142.000km Durchmessern vor uns zu verstecken und wählt ausgerechnet den nur 3.476km großen Mond als Schutzschild vor den Erdlingen. Er schafft es natürlich mit Leichtigkeit, da der Mond am Himmel immerhin einen scheinbaren Durchmesser von einem halben Grad besitzt und der Koloss, um genauer zu sein, der Jupiter gerade mal gute 35 Bogensekunden bemisst. Er scheint 50x kleiner als der Mond. Der Grund hierfür ist natürlich die Perspektive, aus der wir die beiden Himmelskörper beobachten. Der Mond ist zu dieser Zeit 402.000km entfernt, der Jupiter bringt es auf 850 Mio. Kilometer. In Kaninchen- und Elefantenmaßstab wären das 1 Meter zu 2.100 Metern. Und da kann selbst ein Zwergkaninchen einen Elefanten bedecken.

Können wir das beobachten? - Im Prinzip schon. Bei klarem Himmel befindet sich der Mond um 3:46 Uhr 10 Grad über dem Osthorizont im Sternbild Stier. Man benötigt also freie Sicht zum Osthorizont. Jupiter wird um 3:48 Uhr langsam bedeckt. Während sich der Mond über die Jupiterscheibe bewegt, wird der Jupitermond Io verschlungen. Europa wird schon um 3:44 Uhr bedeckt werden. Der Jupiter ist schon von der Himmelsfläche verschwunden, wenn die anderen Jupitermonde Ganymed und Callisto nach und nach verschwinden. Um 3:59 Uhr ist der erste Teil des Schauspiels vorbei, wenn die helle Seite des Mondes das Jupitersystem komplett bedeckt hat. Mittlerweile hat die Dämmerung stark eingesetzt, so dass der Austritt des Planetensystems nicht mehr so leicht zu beobachten ist. Dieser beginnt um 4:10 Uhr mit dem Erscheinen des Mondes Europa, gefolgt von Io. Um 4:14 Uhr erscheint der Jupiter wieder auf der Bildfläche. Um 4:27 Uhr ist dann das ganze Ereignis vorüber und der abnehmende Mond steht neben dem Jupitersystem. Es dauert dann noch eine Stunde, bis die Sonne aufgeht und die Astronomen können sich noch etwas hinlegen während Hase und Igel nach Elefanten Ausschau halten.

Die nächste Bedeckung findet übrigens in den Abendstunden des 30. September 2016 gegen 18:50 Uhr statt. Allerdings ist der Mond nur 3,5 Grad von der Sonne entfernt. Das macht die Beobachtung sehr schwer, zumal die Mondsichel noch recht schmal ist. Anbei noch die Bedeckungszeiten für Borken:

Bedeckung Beginn [MESZ] Ende [MESZ]
Jupiter 3:47 - 3:51 4:14 - 4:16
Io 3:46 4:12
Europa 3:44 4:10
Callisto 3:58 4:26
Ganymed 3:55 4:22
 

Sternfreundlicher Gruß und blauen Himmel,
Christian Overhaus

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