Beobachtungstipp im Januar 2013

Das Jahr 2013 könnte das Jahr der Kometen werden. Jedenfalls erwarten die Astronomen mindestens zwei helle Kometenerscheinungen, die auch von der Nordhalbkugel gut beobachtet werden können. Schon im März geht es los mit dem Kometen "C/2011L4 Panstarrs". Ab dem 15. März ist er in den Abendstunden zu erspähen. Tief im Südwesten im Sternbild Fische steigt er Tag für Tag immer höher durch die Sternbilder Andromeda, Cassiopeia in Richtung Cepheus. Anfang April zieht er nahe am Andromeda-Nebel vorbei (3. April 2013). Die Zwerggalaxien NGC 147 und NGC 185 passiert er auf seiner Reise am 10. April 2013. Am 22. April 2013 überfährt der Komet die Zwerggalaxie IC10 in der Cassiopeia. Seine Helligkeit wird dann immer noch die 7. Größenklasse erreichen. Seine größte Helligkeit wird er aber zu Beginn seiner Sichtbarkeit haben, wenn er gerade die Sonne umrundet hat und als helle Erscheinung 1. Größe am Himmel auftaucht. Erinnerungen an den Kometen "C2006/P1 McNaught", der im Winter 2006/2007 ein großartiges Ereignis auf der Südhalbkugel war, werden wach. Während wir auf der Nordhalbkugel zwar das Abtauchen des Kometen beobachten konnten und das helle Objekt in direkter Sonnennähe noch fotografieren konnten, bietet uns Panstarrs bessere Bedingungen. Panstarrs Helligkeit wird nach der Sonnenumrundung stark ansteigen und sein Schweif wird vermutlich mehrere Grad weitgefächert am Himmel erscheinen. - So sieht jedenfalls das Wunschszenario aus. Entdeckt wurde Panstarrs von einem automatischen Teleskop auf Hawaii, das dem Panoramic Survey Telescope & Rapid Response System angehört. Dieses System arbeitet für ein Projekt, welches automatisch nach gefährlichen Asteroiden sucht, die vielleicht irgendwann die Erde bedrohen. Kometenentdeckungen sind dabei ein Abfallprodukt. Am 6. Juni 2011 wurde dort C/2006L4 in 1,2 Milliarden Kilometer Distanz zur Sonne entdeckt. Die Entfernung entspricht der des Saturns. Der helle Komet Hale-Bopp im Jahr 1995 wurde ebenfalls bereits in dieser Entfernung gesichtet. Das deutet schon auf einen aktiven Kometen hin. In dieser Distanz sind Entdeckungen schon etwas Besonderes.

Leider kann ein Komet auch zu einer herben Enttäuschung werden, wenn er sich nicht so entwickelt, wie man sich das vorstellt, oder das Wetter zur besten Sichtbarkeit eine Beobachtung nicht zulässt. Aber ein wenig Spannung bei der Ausübung es Hobbies ist ja nicht unbedingt unerwünscht.

Am 21. September 2012 wurde ein weiterer heller Komet entdeckt, der im Jahr 2013 zum Weihnachtskometen werden könnte. Entdeckt wurde er mit dem Teleskop der ISON-Sternwarte im Kaukasus. Seine Bahn verspricht ebenfalls spektakuläres. Aus den Tiefen der Oort'schen Wolke kommend ist er ein frischer Komet. Seine extreme Bahn führt den Kometen nahe an der Sonne vorbei. In nur 2 Mio. km umrundet er im November die Sonne. Eine gefährliche Zeit für den Kometen, der seine Aktivität nun richtig entfalten kann. Sollte er dies schadlos überstehen, so wird er im Februar 2014 in nur 70 Mio. km an der Erde vorbeiwandern. Nach seiner Passage im November könnte er derart hell sein, dass man ihn am Taghimmel sehen kann. Weil er aber der Sonne entsprechend nahe steht, ist besondere Vorsicht geboten, insbesondere, wenn man mit dem Teleskop oder einem Feldstecher nach dem Kometen sucht. Am besten man schattet die Sonne ab, indem man sich hinter ein Gebäude oder Vergleichbares stellt. Ab Mitte Dezember kann ISON auch nach Sonnenuntergang am Abendhimmel gesichtet werden. Er wandert am Herkules und Drachen vorbei in Richtung Cassiopeia. Wiederum ist er auf der Nordhalbkugel optimal zu beobachten.

Während der Erdnähe zieht er recht schnell am Polarstern vorbei. Astronomieveteranen wird der Komet Hyakutake im Jahr 1995 in Erinnerung kommen, der ebenfalls sehr nahe an der Erde vorbeizog und eine auffällige Erscheinung war. ISON sollte ihn aber übertreffen. Ob es noch weitere Erscheinungen gibt bleibt noch offen. Kometen sind ja Überraschungserscheinungen. Sie tauchen schon mal recht plötzlich auf. In Guter Erinnerung ist da der Komet "P17 Holmes", der im Jahr 2007 plötzlich am Himmel erschien, weil er einen sensationellen Helligkeitsanstieg zeigte. Das ist natürlich ein seltenes Ereignis, dennoch passiert es. Es könnte auch ein bis daher unscheinbarer Komet, der das innere Sonnensystem bereist, einen Ausbruch erleiden. Genauso könnten aber auch die beiden Stars am Kometenhimmel in ihrer Aktivität den Erwartungen weit nach stehen. Lassen wir uns also überraschen...

Clear Skies,
Christian Overhaus

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