Beobachtungstipp im September 2013

Endlich ist mal was los in der Galaxis... Mit einem Siebenzöller entdeckte der Japaner Koichi Itagati am 14. August 2013 einen "neuen" Stern am Himmel. Dort wo vor einiger Zeit ein Stern 17. Größe schimmerte, erstrahlte in seinem Teleskop ein Objekt 6. Größe, welches unter guten Bedingungen freisichtig war. Die astronomische Welt nahm sehr kurz danach Notiz und die "Nova Delphini 2013" war Ziel vieler Sternreisenden, die ihre Teleskope und Kameras auf das neue Objekt richteten. Itagati, der das das Objekte der IAU (Internationale Astronomische Union) meldete, gab dem Stern die vorläufig Bezeichnung PNV J20233073+2046041. Schon bald stellte sich heraus, dass es ich hier um eine Nova handelt. In den drauffolgenden Tagen wurde "Nova Delphini" noch heller und erstrahlte mit 4,4 Mag als gut sichtbares Objekt in der Sommermilchstraße. Gute Ortskenntnisse zur Beobachtung waren aber Voraussetzung für die Beobachtung. Die Nova befindet sich im Sternbild Delphin unweit des Blue-Flash-Nebels (NGC 6905). Die Position wird mit JD2000 RA: 20h23m30s und DE: +20°46' 04 angegeben. Damit sollte die Erstellung einer Aufsuchkarte kein Problem mehr sein.

Nova Delphini 2013
Nova Delphini 2013, 31. August 2013, Christian Overhaus

Was bewegt einen Stern dazu, die Helligkeit um den Faktor 160.000 zu steigern, wie wir es im Falle der aktuellen Nova erleben? Der Stern hat eine Vorgeschichte. Im Grunde ist es kein Einzelstern, sondern ein Doppelsternsystem gewesen. Die Astronomen gehen davon aus, dass derartige Novaexplosionen in Systemen geschehen, bei denen ein roter Riesenstern Wasserstoff an einen begleitenden Weißen Zwerg abgibt. Wir haben es also mit einem alternden Doppelsternsystem zu tun. Der Weiße Zwerg hat sein Sterndasein bereits beendet und seinen Fusionsreaktor im Innern ist erloschen. Er wird ein sonnenähnlicher Stern gewesen sein. Sein begleitender Roter Riese ist ebenfalls ein sonnenähnlicher Stern in der Spätphase seiner Entwicklung. Seine äußere Gashülle ist dermaßen ausgedehnt, dass die Gravitationskraft des Weißen Zwergs ausreicht, Gas von dem Begleiter abzusaugen und in einer Gasscheibe um sich zu sammeln und dann auf die Oberfläche des Weißen Zwergs zu bringen. Astronomen nennen diesen Vorgang "Akkretion". Das Gas vermischt sich mit der noch dünnen Atmosphäre des Weißen Zwergs und erhitzt sich auf mehrere Millionen Grad durch die starke Abbremsung. Wenn der Druck des Gases und die Temperatur in den kritischen Bereich kommen, zündet die Kernfusion explosionsartig und der Stern erleuchtet für einige Tage wieder. Dabei kann er seine Helligkeit um das 100.000-fache steigern, wie auch im Falle der Nova Delphin. Oftmals wird der Weiße Zwerg dabei zerrissen.

Die Helligkeit nimmt in den Folgetagen langsam ab, kann aber auch nach ein bis zwei Monaten abrupt abnehmen. Zumindest im sichtbaren Licht. Die Infrarothelligkeit bleibt erhalten. Die Temperatur in der Umgebung des weißen Zwergs ist dann soweit abgesunken, dass der Staub des Nova-Überrestes kondensiert und das sichtbare Licht abschirmt. Infrarotstrahlung wird aber weiterhin durchgelassen.

Helligkeitsverlauf der Nova Delphini 2013
Helligkeitsverlauf der Nova Delphini 2013

Es besteht aber die Möglichkeit, dass die kosmische Katastrophe nicht das Ende des Weißen Zwergs bedeutet. In diesem Falle beginnt das Spiel von Neuem. Der Rote Riesenstern spendet Gas an den Weißen Zwerg, der Jahre später ein ähnliches Schauspiel liefern kann. Man spricht hier von einer rekurrenden Nova. Ob wir es bei der Nova Delphini auch mit einer solchen zu tun haben, ist nicht bekannt. Entschieden ist es aber schon. Die aktuelle Novaexplosion ereignete sich vor gut 6.500 Jahren. Eine Reise zum Ort des Geschehens zeigt uns entweder einen Roten Riesenstern in der Nachbarschaft eines Nova-Überrestes oder einen Weißen Zwerg, der von einer Akkretionsscheibe umgeben ist. In jedem Falle aber ein gefährliches Reiseziel!

Sternfreundliche Grüße,
Christian Overhaus

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