Beobachtungstipp im November 2013

Sie umfasst fast 70 Galaxien, beinhaltet 1 Billion Sonnenmassen und ist unsere erweiterte Heimat - die Lokale Gruppe. Die Gestalt der Lokalen Gruppe ähnelt eines Ellipsoides mit einem Durchmesser von 5 bis 8 Millionen Lichtjahren. Somit ist die Lokale Gruppe die Großnachbarschaft unserer Heimatgalaxis, die Milchstraße. Diese dominiert auch, gemeinsam mit dem 2,6 Mio. Lichtjahre entfernten Andromeda-Nebel die Lokale Gruppe. Das drittgrößte Objekt der Lokalen Gruppe ist die Dreiecksgalaxie, die Charles Messier mit der Nummer M33 in seinen Katalog aufnahm. Ein weiteres größeres Mitglied, aber weit nicht so bekannt, wie die 3 bereits erwähnten Galaxien ist NGC 3109. Diese Galaxie ist etwas Abseits am Rande der lokalen Gruppe im Sternbild Wasserschlange zu finden. Doch die beiden Hauptakteure Milchstraße und Andromeda-Nebel vereinigen wohl über 90% der gesamten Masse der lokalen Gruppe.

Die Lokale Gruppe wird in Untergruppen eingestuft, wobei die Milchstraße, der Andromeda-Nebel und eben jene NGC 3109 als Hauptprotagonisten ihrer jeweiligen Gruppe auftreten. Die großen Spiralgalaxien versammeln einige Satellitengalaxien um sich herum. Die wohl bekanntesten Begleitgalaxien unserer Milchstraße sind die Magellan'schen Wolken, die in unseren Breiten nur sehr schwierig zu beobachten sind. Besucher der Südhalbkugel schwärmen von dem Anblick der beiden hellen Nebelflecken am Südfirmament. Die Magellan'schen Wolken sind 170.000 bzw. 200.000 Lichtjahre von uns entfernt. Sie bestehen aus 15 Milliarden bzw. 5 Milliarden Sternen. In ferner Vergangenheit muss es mal zu einer engen Begegnung zwischen den Magellan'schen Wolken gekommen sein bei der die kleine Magellan'sche Wolke in zwei Teile gerissen wurde. Die beiden Wolken umkreisen die Milchstraße mit einer Geschwindigkeit von 275km/s und sind eingehüllt in eine Wolke neutralen Wasserstoffs, der wie ein langer Schweif hinter den Wolken hergezogen wird. In den Magellan'schen Wolken kann man wegen der Nähe viele Sternhaufen und Gaswolkenwolken beobachten. In der Vergangenheit wurden Cepheiden-Sterne in den Magellan'schen Wolken auch gerne zu Eichobjekten der Entfernungsbestimmung mittels der "Cepheidenmethode".

Auf der Nordhalbkugel leichter zu beobachten sind die Begleitgalaxien des Andromeda-Nebels. Diese Galaxie ist besonders im Herbst gut zu beobachten und erscheint bereit mit dem bloßen Auge als nebeliger Fleck am Firmament. Im Teleskop ist es ein Leichtes einige Begleitgalaxien des Andromeda-Nebels zu sehen. Bei geringer Vergrößerung und entsprechendem Gesichtsfeld von über einem Grad (2 Vollmond-Durchmesser) kann man bereits zwei Begleiter in unmittelbarer Nähe des Andromeda-Nebels sehen. M32 und M110 sind Galaxien mit weniger als 10 Milliarden Sonnenmassen, aber dennoch die hellsten Begleiter der Andromeda-Galaxie mit ihren 300 Milliarden Sonnenmassen. Das Galaxiensystem ist gute 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt.

Andromedanebel M32
Andromedanebel M32 - Der große Andromedanebel mit den Begleitgalaxien M32 und M110. M31 ist bereits mit dem bloßen Auge auszumachen und erscheint im Feldstecher als elliptischer Nebel. Fotografien offenbaren eine atemberaubende Ansicht einer Spiralgalaxie, ähnlich unserer Milchstraße.

Nördlich des Andromeda-Nebels im Sternbild Cassiopeia findet man die Galaxien NGC 147 und NGC 185, zwei kleine elliptische Galaxien, die mit dem Teleskop gefunden werden können. Sie sind etwa 2 Millionen Lichtjahre entfernt, aber wegen ihrer geringen Leuchtkraft nur Objekte 9. Größenklasse. Die beiden Galaxien haben nur einen Abstand von 56 Bogenminuten zueinander.

Galaxie NGC 185
Galaxie NGC 185 - Die hellere der beiden Nachbargalaxien NGC 185 und NGC 147. Auf photografischen Aufnahmen ist die zentrale dunkle Staubstruktur der Zwerggalaxie gut zu erkennen. Im Teleskop erscheinen die beiden Galaxien nur als schwache bzw. sehr schwache Nebelchen. Sie sind knapp ein Grad westlich von Omikrom Cassiopeia.

Schon weiter entfernt, aber dennoch zur Andromeda-Gruppe gehörend ist IC 10, eine Galaxie 1,3° östlich vom Stern Beta Cassiopeia. Diese Zwerggalaxie ist bereits 7 Mio. Lichtjahre entfernt und besitzt "nur" 1 Milliarde Sonnenmassen. Ich würde mal behaupten, daß IC 10 in unseren Breiten wegen der großen Lichtverschmutzung nur noch fotografisch erreichbar ist. So geht es den meisten Zwerggalaxien unserer Lokalen Gruppe. Sie stehen uns zwar relativ nahe, aber ihre geringe Flächenhelligkeit macht die Beobachtung sehr schwer.

Galaxie IC 10
Galaxie IC 10 - Zwerggalaxie im Sternbild Cassiopeia, liegt fast verborgen im Sternfeld der Milchstrasse nur 1,5° östlich von Beta Cassiopeia. Der irreguläre Galaxienkörper ist nur 11,2 mag hell und visuell eine schwere Nuss, die selbst unter optimalen Bedingungen eine Herausforderung ist. Fotografisch ist die Galaxie, die 7 Mio. Lichtjahre entfernt ist, jedoch zu erwischen.

Zu den Begleitgalaxien unserer Milchstraße gehören, neben den Magellan'schen Wolken zum Beispiel die LEO-Zwerggalaxien im Löwen. Selbst die hellste der Leo-Galaxien "Leo I" in der Nachbarschaft des hellen Sterns Regulus, ist in großen Teleskopen eine visuelle Herausforderung. Eine Herausforderung für die Profi-Astronomie ist die Tatsache, dass die Masse der Lokalen Gruppe ein Vielfaches größer ist, als die Masse der zu beobachtenden leuchtenden Materie. Dies ergibt sich aus der Untersuchung der Eigenbewegung der Galaxien untereinander, die durch das unsichtbare Band der Gravitation aneinander gebunden sind. Theoretisch sollte die Lokale Gruppe aus 300 bis 500 Zwerggalaxien bestehen. Astronomen vermuten dahinter die Dunkle Materie, eine bisher ungeklärte Materieform, die lediglich durch ihre Masse in Erscheinung tritt. Kosmologen vermuten, daß etwa 26% des Universums aus dieser noch unbekannten Materieform besteht. Und selbst in unserer Nachbarschaft macht sie sich bemerkbar. Die Zukunft wird zeigen, was es mit dieser Materieform auf sich hat. Vielleicht liegt die Lösung nicht in den Weiten des Kosmos, sondern in den Röhren irdischer Teilchenbeschleuniger.

Vektorgrafik der lokalen Gruppe
Vektorgrafik der lokalen Gruppe

Wo wir gerade bei der Eigenbewegung von Galaxien sind. In den 20'er Jahren entdeckte der Astronom Edwin Hubble, dass die Spektren der meisten Galaxien ins Rote verschoben sind. Er erklärte dies mit dem Doppler-Effekt. Demnach besteht eine allgemeine Galaxienflucht im Universum. Galaxien flüchten vor unserer Milchstraße und je weiter sie entfernt sind, desto schneller flüchten sie. Erklärt wird dies mit der Expansion des Universums an sich. Die Andromeda-Galaxie ist aber nicht betroffen. Sie rast mit großer Geschwindigkeit auf uns zu, etwa 110km/s. Und bereits in wenigen Milliarden Jahren wird die Galaxie womöglich mit der Milchstraße kollidieren und sich verschmelzen zu einer großen elliptische Galaxie. Wir sind dann nicht mehr nur Bewohner der Milchstraße, sondern von Milkomeda. Freuen wir uns. Bis dahin können wir allzeit im Herbst sie und ihre reizenden Trabanten der lokalen Gruppe im Teleskop beobachten.

Sternfreundliche Grüße,
Christian Overhaus

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