Beobachtungstipp im Dezember 2013

Staubiger, gasreicher Orion- so könnte der Werbeslogan für die Himmelsregion des Winterhimmels heißen. Das Sternbild Orion beinhaltet gleich drei Messierobjekte und einige NGC-Objekte, die aus Gas und Staub bestehen. Doch sind es keine einzelne, freistehende Objekte. Sie sind nur die Leuchtfeuer innerhalb des riesigen Orion-Molekülwolkenkomplexes. Das größte Leuchtfeuer und somit auch ein Feldstecherobjekt ist der Große Orion-Nebel. Der schönste Gasnebel des Nordsternhimmels erstrahlt im Lichte der Sterne, die bereits in ihm entstanden sind. Der Orionnebelkomplex ist nämlich ein riesiges Sternentstehungsgebiet. Das rote Leuchten des Wasserstoffs wird durch die heißen blauen Sterne verursacht, die die Atome ionisieren und somit, wie gigantische Leuchtstofflampen, zum Leuchten anregen. Eingelagerter Staub reflektiert das Licht der Sterne und gibt dem Nebel noch zusätzliche Struktur. Im Zentrum des Nebels fallen vier trapezförmige Sterne auf. In größeren Teleskopen können unter guten Bedingungen sogar 6 Sterne gesichtet werden. Diese Sterne sind so heiß, dass ihre ultraviolette Strahlung die sie umgebende Gaswolke zum Leuchten anregen kann.

Orionnebel M42
Orionnebel M42, 4 Zoll Refraktor, 900mm Brennweite, Komposit aus 30s bis 4m Aufnahmen, Canon EOS-300D (mod.), 800 ASA, Christian Overhaus

Etwas unterhalb vom Orion-Nebel findet man NGC 1999. Dies ist ein kleiner Gasnebel, in dem eine nett geformte Staubwolke eingelagert ist. Der veränderliche Stern V 380 Ori sorgt für die Energie. Ganz in der Nähe befinden sich H-H 1 und H-H 2. H-H steht für Herbig Haro-Objekte. Herbig Haro-Objekte bilden sich wenn ausgestoßenes Gas junger Sterne auf den umliegenden Staub trifft und dort stark abgebremst wird. Diese Schockregionen sind in der Regel nur wenige Tausend Jahre sichtbar und sind Zeugnis der bewegten ersten Lebensphase junger, entstehender Sterne.

Die wohl bekannteste Staubwolke des Universums ist wahrscheinlich der Pferdekopfnebel. Er ist nicht nur den Astronomen ein Begriff. Viele Menschen werden den Pferdekopfnebel wohl meist unbewusst wahrgenommen haben, wenn diese Sternenwelt als Hintergrund auf einem Werbeplakat, Musikvideo oder ähnlichem auftaucht. Dabei ist die Beobachtung dieses Nebels im Vergleich zum Orion-Nebel, äußerst schwierig. Auf Fotographien bildet er sich dennoch schnell ab. Daher gibt es viele sehr ansprechende Fotos, die von Amateuren gemacht wurden. Physikalisch ist der Pferdekopfnebel eigentlich keine Besonderheit. Er ist eine Dunkelwolke, bestehend aus Staub, die in den großen Molekülwolkenkomplex des Orion eingelagert ist. Der Staub verhindert die Durchsicht und lässt das Gebilde als schwarzes Vordergrundobjekt erscheinen. Die Form, die an ein hochgehendes Rössl erinnert ist eine Laune der Natur und genauso vergänglich. Aus anderer Perspektive würde nicht viel vom Pferdchen übrig bleiben. Wer nun eine dichte Staubwolke vor Augen hat, dem muss an dieser Stelle die Illusion ebenfalls genommen werden. Die Staubkörnchen sind sehr fein. Der Vergleich mit Zigarettenrauch ist da sehr treffend. Die Dichte eines solchen Nebels ist erstaunlich gering. Gerade mal 100 bis 300 Moleküle pro Kubikzentimeter sind im ansonsten leeren Raum zu finden. Ein Kubikzentimeter irdischer Luft enthält 26.800.000.000.000.000.000 Moleküle (2,68^19). Allein die Größe der Wolke sorgt für die große Opazität. Würden wir uns in Mitten der Wolke befinden, so würden wir es kaum bemerken.

Der Flammennebel, der scheinbar mit dem Gürtelstern Alnitak assoziiert ist, ist ein heller Emmissionsnebel. Alnitak ist allerdings nur ein Vordergrundstern. Infrarotaufnahmen des Flammennebel offenbaren einen massereichen Sternhaufen, der das umliegende Gas und den Staub zum Leuchten bringt. Im visuellen Bereich bleibt der Sternhaufen allerdings hinter Staubwolken verborgen.

Bei soviel Gas und Staub ist es nicht verwunderlich, dass der hellste Reflexionnebel des irdischen Himmels ebenfalls im Oriongebiet zu finden ist. Wir sprechen von Messier 78, einer 1.600 Lichtjahre entfernten Staubregion, die durch umliegende Sterne so recht in Szene gesetzt wird. Im Jahr 1780 von Pierre Mechain entdeckt, ist der Nebel in kleinen Teleskopen bei einigermaßen transparentem Himmel schon zu entdecken. Die volle Schönheit offenbart sich aber erst auf lang belichteten Aufnahmen. Im Jahr 2004 entdeckte der australische Amateurastronom Jay McNeill einen kleinen Nebel am Rande des Reflexionsnebels. Der Nebel, der mit einem veränderlichen Stern assoziiert ist, zeigt, dass der Himmel für Amateure noch bedeutende Entdeckungen bereit hält. McNeills Nebel ist jedenfalls auch in der Fachwelt ein viel beachtetes Objekt.

Die digitale Revolution in der Amateurastronomie machen langbelichtete, tiefe Aufnahmen des Himmels möglich. So gibt es vom Orionkomplex atemberaubende Bilder, die selbst feinste Nebelstrukturen wiedergeben. Diese Aufnahmen entstehen in der Regel mit schmalbandigen Linienfiltern und unter sehr dunklem Himmel mit extrem langen Belichtungszeiten. Das soll uns aber in keiner Weise davon abhalten, weiterhin den Orionnebel visuell oder fotographisch zu erkunden...

Sternfreundliche Grüße,
Christian Overhaus

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