Beobachtungstipp im April 2017

Was macht eigentlich.. Hale Bopp?

Ja, lieber Hale Bopp, zwanzig Jahre ist es her, als du uns mit deinem Anblick erfreut hast. Der hellste Komet des Jahrhunderts sollst du gewesen sein. Über Wochen warst du Begleiter am Sternenhimmel und lässt die Osterzeit im Jahr 1997 unvergesslich bleiben, zumindest in den Köpfen der Sternfreunde. Deine Reise hast du unbeeindruckt fortgesetzt und mittlerweile bist du in den Tiefen des Weltraums für uns unerreichbar geworden. In 6 Milliarden Kilometern Entfernung zur Erde könnte man dich in der Nähe des himmlischen Südpols auffinden, wärst du nicht die kalte, gefrorene Eiskugel, die du vor der Sonnenpassage auch gewesen bist. Kosmisch gesehen war es eine kurze Begegnung. Trotzdem hast du viele Menschen dazu gebracht, in den Sternenhimmel zu schauen, etwas von der Schönheit des Kosmos mitzunehmen, vielleicht sich auch weiterhin mit den Sternen zu beschäftigen.

Retrospektive! Im Juli 1995 entdeckten die beiden Hobbyastronomen Thomas Bopp und Alan Hale unabhängig voneinander einen nebeligen Fleck in der Nähe des Kugelsternhaufens Messier 70 im Sternbild des Schützen. Die beiden stolzen Entdecker ahnten damals noch nicht, was sie da im Okular ihres Teleskops gesichtet hatten. Die Meldung bei der Astronomischen Union bestätigte die Kometenentdeckung. Die große Überraschung folgte ein paar Tage danach. Der Komet zeigte bereits eine Helligkeit von 10,5 Mag und war in Amateurteleskopen gut zu verfolgen. Die ersten Bahnberechnungen offenbarten die Sensation. Der Komet befand sich noch weit hinter der Jupiterbahn. Damit war klar, dass da ein Riesenbrocken auf dem Weg ins innere Sonnensystem war. Der Komet Hyakutake war noch am Himmel zu sehen und versetzte die astronomische Gemeinde in Aufregung, da folgte schon der Nachfolger, ein wahrscheinlich noch eindrucksvollerer Schweifstern. Im Herbst 1995 verschwand der Komet hinter der Sonne und konnte erst im Frühjahr 1996 wieder verfolgt werden. Allerdings blieb er hinter den Erwartungen zurück und die anfängliche Euphorie legte sich etwas. In meinen, doch recht lückenhaften, Aufzeichnungen, verzeichnete ich meine erste Sichtung am 17. August 1996. Der Komet hatte bereits die 6. Größenklasse erreicht und zeigte sich als diffuser Nebelfleck. Im September 1996 konnte man bereits einen ausgeprägten Schweifansatz erkennen, obwohl der Komet im Sternbild Schlangenträger nur in der Abenddämmerung zu beobachten war. Der Komet verschwand abermals im Lichte der Sonne und sollte im Frühjahr 1997 seinen großen Auftritt haben. Und so geschah es dann auch. Der Komet tauchte Mitte Februar am morgendlichen Himmel auf und durchwanderte die Sternbilder Schwan in Richtung Andromeda. Bereits im März 1997 ist er zirkumpolar und konnte die ganze Nacht über gesehen werden. In den nächsten Wochen entwickelte sich der Komet sehr gut mit einem ausgedehnten Gas- und Staubschweif, der im Fernglas besonders gut zur Geltung kam. Das Zentrum des Kometen zeigte eine helle Koma, aus der jetartige Strahlen austraten, die spiralförmig in Schweifrichtung zeigten. Der Komet war so eine eindrucksvolle Erscheinung, dass er wochenlang die Medien beschäftigte und so mancher Mensch seinen ersten Blick durchs Teleskop wagte. Die Sternfreunde Borken gab es zu jener Zeit noch nicht. Trotzdem war ein kleiner Kreis von Hobbysternguckern schon aktiv und boten der interessierten Bevölkerung Beobachtungen am Hoxfelder Flugplatz an. "Hale-Bopp der Medienstar" für jeden leicht zu erreichen. Das Angebot der Sterngucker wurde gerne angenommen und so kamen im Laufe der besten Sichtbarkeit um Ostern 1997 einige hundert Besucher beisammen. Gezählt haben wir sie nicht. Wir boten die Beobachtungen eine ganze Woche an und standen jeden Abend Anfang April am Flugplatz. An einem Abend waren 50 Besucher und mehr da, darunter ein Bus mit den Schönstätter Marienschwestern. Die Astrofotographie beschränkte sich noch auf analoges Fotografieren. Viel Zeit blieb uns auch nicht dazu. Ein Abend bleibt dabei noch in besonderer Erinnerung. Nach einem durchgeregneten Tag klarte es abends nach 21:00 Uhr völlig auf. Günther, der das beobachtet, kontaktierte mich über eine Telefonzelle (das sind die Dinger, die man vor der Handyzeit nutzte um unterwegs Kontakt aufzunehmen). So trafen wir uns abermals am Hoxfelder Flugplatz und konnten den Kometen in einer superklaren Nacht lange beobachten und ungestört unsere Fotos machen. Es war, glaube ich, die einzige Nacht, in der wir den Kometen für uns alleine hatten.

Im Nachhinein haben die Kometenwochen die astronomische Szene in Borken wieder aufleben lassen und Aktivitäten hervorgerufen in deren Verlauf der Verein "Sternfreunde Borken" und die Sternwarte entstanden sind.

Im Mai 1997 verschwand der Komet dann für uns im Lichte der Sonne und verabschiedete sich von uns für immer. In großen Teleskopen könnte er bis zum Jahr 2020 nachweisbar sein. Die letzten Amateuraufnahmen, die ich finden konnte, wurden im Jahr 2001 angefertigt. Das letzte veröffentliche Bild vom 4. Dezember 2010 zeigte den Kometen Hale Bopp in einer Distanz von 4,5 Milliarden Kilometern mit einer Helligkeit von 23 Mag.

Wenn er sich in etwa 2.500 Jahren wieder ins innere Sonnensystem traut, werden unsere Nachfahren vielleicht einen Blick auf ihn werfen. Vielleicht haben sie Kometen dann schon als wertvolle Rohstoffquelle entdeckt und erwarten ihn schon zwecks Ausbeutung. Also sei auf der Hut, mein lieber Hale-Bopp oder wie auch immer du dann heißen wirst. Der nächste Besuch könnte ungemütlicher werden...

Sternfreundliche Grüße,
Christian Overhaus

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