Beobachtungstipp im Mai 2017

Der alte Schlager aus den 50'er Jahren... - am 30. Mai ist der Weltuntergang... - ist ja ein Evergreen. Gottseidank liefert er den Hinweis, dass das Jahr nicht angegeben wird und somit können wir Jahr um Jahr bangen und hoffen, dass nichts passiert.

Aus astronomischer Sicht wird es in diesem Jahr mal wieder knapp. Am 29. Mai (2017) zieht ein Asteroid in nur 3,1 Mio. Kilometer an der Erde vorbei. Das ist gerade mal die 8-fache Monddistanz, eine Strecke, die der Asteroid in weniger als 24 Stunden zurücklegt. Somit verpasst er uns gerade mal am 30. Mai. Der Asteroid heißt "2017 CS" und gehört zur Amor-Gruppe. Entdeckt wurde er am 20. Januar 2017 von den automatischen Suchprogrammen Spacewatch und so weiter. Amor-Asteroiden gehören in der Regel nicht zu den gefährlichen Objekten. Sie kommen der Erde zwar recht nahe, aber kreuzen ihre Bahn nicht.

In den hellen Nächten vom 27. Mai 2017 bis zum 3. Juni 2017 können wir das Himmelsobjekt gut beobachten. Es wird zwar möglicherweise nur die 13. Größenklasse erreichen, aber fotografisch ist das in kleinen Teleskopen kein Problem. In Geräten ab 25cm Öffnung wird der Kleinplanet auch sichtbar sein. Schwierig ist dann nur die Unterscheidung des Kleinplaneten von lichtschwachen Sternen. Der Kleinplanet bewegt sich zu größten Annäherung etwas mehr als eine Vollmondbreite pro Stunde am Himmel. Er durchwandert an diesen Tagen die Sternbilder Löwe, Haar der Berenike, Jagdhunde, Bärenhüter und Herkules. Wir Mitteleuropäer sitzen also in der Ehrenloge der Beobachter und können getrost dem Asteroiden, der immerhin einen Durchmesser von über 300 Metern haben könnte, Schätzungen gehen sogar von 800m aus, verfolgen. Die Frage, die sich jetzt stellt, ist die Frage nach dem Auffinden des Kleinplaneten. Wo befindet er sich aktuell genau.

Die Beobachtungsdaten von Kleinplaneten und Kometen werden weltweit gesammelt und im Minor Planet Center der Internationalen Astronomischen Union zusammengeführt. Dort werden die Daten dann ausgewertet und in Bahndaten umgerechnet, die die Berechnung von Ephemeriden zulassen. Ephemeride sind die Position eines bewegten Himmelskörpers zu einer bestimmten Zeit. Das Minor Planet Center (MPC) veröffentlicht diese Daten aktuell über das Internet, so dass alle Menschen, die über entsprechende Software für die Benutzung der Daten verfügen, sei es ein Planetariumsprogramm wie Guide, Stellarium etc. oder einem kleinen Rechenprogramm, sich die Ephemeriden berechnen lassen können.

Für alle Anderen gibt es Online-Anwendungen, die ebenfalls die Ephemeriden liefern. Das JPL der NASA bietet so etwas an. Ich möchte das hier einmal kurz vorstellen: Der Einstieg gelingt über die Internetseite http://www.spaceweather.com. Diese Adresse gehört sowieso in die Favoritenliste eines jeden Hobbysternguckers. Auf dieser Seite gibt es die Rubrik der "Near Earth Objects". Wie der Name es schon andeutet, werden hier einige Asteroiden vorgestellt, die in den nächsten Tagen der Erde besonders nahe kommen. Im Moment befindet sich der besagte Asteroid "2017 CS" ebenfalls auf der Liste.

Durch Anklicken des Objekts kommt man auf den Small Body Database Browser des JPL/NASA. Dort werden einem dann die entsprechenden Bahnelemente des Kleinplaneten präsentiert. Wer nun nicht selbst zum Taschenrechner greifen möchte und anhand der dort veröffentlichten Bahndaten die genauen Ephemeride berechnen möchte, dem kann auch hier weiter geholfen werden. Im oberen Bereich der Seite befindet sich ein Querverweis auf die "Ephemeris" (dort ist eine kleine Anwendung hinterlegt, die die Berechnung der Ephemeride für den aktuellen Zeitraum ermöglicht). Als Beobachtungsort ist ein geozentrischer Platz angegeben. Weil wir aber selten vom Erdmittelpunkt aus beobachten, besteht die Möglichkeit der Ortsangabe. Wir Sternfreunde haben es hier besonders bequem. Weil die Josef-Bresser-Sternwarte über einen Observatory-Code verfügt, reicht es aus, den Beobachtungsort mit "A15" anzugeben und die Berechnung erfolgt für unsere Sternwarte.

Ephemeriden berechnen lassen
Ephemeriden berechnen lassen

Die Ausgabe erscheint dann in tabellarischer Form. Diese gilt es dann für die eigene Beobachtung umzusetzen. Die Vorgehensweise hängt dann davon ab, welche Art von Teleskop man nutzt. Teleskope mit Goto-Steuerung finden das Objekt automatisch nach Eingabe der Koordinaten. Beobachter, die diesen Komfort nicht nutzen können, müssen die Daten in eine Sternkarte übertragen und dann mühsam das Objekt am Himmel finden. Der Versuch einer fotografischen Verfolgung könnte bereits mit einem Teleobjektiv gelingen, welches auf einer Montierung grob nachgeführt wird. Als Brennweite würden sich 200mm und mehr anbieten. Dies hätte den Vorteil, dass man die Bilder später nach dem Besucher aus dem All absuchen könnte.

Wie auch immer man vorgeht und was auch immer man geplant hat, es ist sinnvoll, die Beobachtungsdaten kurz vor der Beobachtung zu aktualisieren. Gerade bei den NEO's (Near Earth Objects) können Korrekturen in letzter Sekunde durch aktuellere Beobachtungen vorgenommen werden. Und bei der Beobachtung gilt: Knapp vorbei ist auch vorbei! Dies gilt auch für die Gefährlichkeit der NEOs, so dass wir weiterhin den Weltuntergang um mindestens ein Jahr verschieben müssen...

Sternfreundliche Grüße,
Christian Overhaus

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