Beobachtungstipp im Juni 2017

Cassini auf Abschiedstournee! Möglicherweise denkt so manch astronomisch Nicht-Interessierte an die letzten Konzerte eines Altrockers namens Cassini, der sein in die Jahre gekommenes Publikum noch einmal sehen möchte, bevor er von der öffentlichen Bühne verschwindet.

So ist es aber nicht. Cassini ist ein kleines Raumschiff, ein Wunderwerk menschlicher Ingenieurskunst, dass vor 20 Jahren die Erde verließ und sich auf den Weg zum Gasriesen Saturn machte. Nach siebenjähriger Reise erreichte die kleine Sonde im Jahr 2004 den Orbit des Planeten Saturn. Anfang 2005 setzte die Cassini-Sonde den kleinen Lander Huygens auf dem Saturnmond Titan ab, dem größten Mond des Saturnsystems und dem zweitgrößten Mond des Sonnensystems. Erstmals konnte ein Blick auf die fremde Welt geworfen werden. Die Sonde sendete beim Abstieg auf den Saturnmond Bilder von Methanmeeren und fjordähnliche Landschaften, die das Methanmeer von Gebirgslandschaften trennt. Während der 13 Jahre, die die Cassini-Sonde aktiv den Saturn umläuft, lieferte sie neben beeindruckenden Ansichten viele Messdaten. Sie entdeckte über 30 neue Monde, so dass die Zahl der Saturnmonde auf 62 anstieg.

Cassini erforschte die dynamische Saturnatmosphäre, beobachtete intensive Polarlichter in den Polregionen, Wirbelstürme, die denen des Jupiters nicht nachstanden, das überraschende Hexagon der Polarregion und eine dauerhafte Wolkenstruktur, die so nicht so erwartet wurde. Die Erforschung der Saturnringe gehörte selbstverständlich auch zum Programm. So wurde ein schwacher Staubring zwischen den Ringen F und G, die in den 80'ern von den Voyager- und Poineer-Sonden entdeckt wurden, gefunden. Auch die sogenannten Speichen auf den Saturnringen konnten bestätigt werden. Es handelt sich hier um das Wechselspiel elektrisch geladener Staubteilchen mit dem UV-Licht der Sonne. Die genauen Umstände werden noch diskutiert.

Die Gesamtheit der Daten, die Cassini sammelte, wird die Forscher noch viele Jahre beschäftigen. Eine solch spektakuläre Mission verdient auch ein spektakuläres Ende. Die Cassini-Sonde wird am 15. September 2017 in der Atmosphäre des Saturns verglühen und damit ein Teil der Welt, die sie über viele Jahre begleitete. Cassini gehört zu den Raumsonden, die nicht desinfiziert wurden. Um eine Verkeimung von Saturnmonden zu vermeiden, ist der Sturz auf den Saturn gleichfalls eine Methode keine außerirdischen Objekte mit irdischen Keimen zu infizieren. Marssonden werden beispielsweise vor dem Start desinfiziert, um nicht irdisches Leben auf den Mars zu bringen.

Die letzten Wochen der Sonde werden also noch großartige Bilder des Ringsystems liefern und auch die nahe Atmosphäre des Saturns untersuchen. So nah hat man sich in den letzten Jahren nicht an Saturn herangetraut, auch um Schäden durch Staubteilchen vermeiden zu können, die innerhalb der Ringe vagabundieren.

In den 350 Jahren zwischen den Beobachtungen von Cassini dem Ersten und der Sonde Cassini ist das Saturnsystem viel besser untersucht worden als in der Menschheitsgeschichte davor. Cassini I entdeckte die Monde Iapetus, Rhea, Dione und Thetis und erhöhte die Zahl der Saturnmonde auf 5 Monde. Bis 1980 konnten noch 5 weitere Monde entdeckt werden und die Zahl auf 10 erhöht werden. Danach kam es zu einer Flut von Neuentdeckungen, die neben der besseren Teleskopleistungen und den Möglichkeiten der Fotografie auch der unbemannten Raumfahrt zu verdanken ist.

Im Amateurteleskop kann man immerhin sieben der 62 Monde auffinden. Für den Mond Mimas benötigt man aber schon ein größeres Gerät, damit man ihn als Sternchen 13. Größe ausfindig machen kann. Das Ringsystem zeigt die großen A- und B-Ringe mit der Cassini-Teilung. Unter guten Bedingungen, die wir in Mitteleuropa in den nächsten Jahren wahrscheinlich nicht haben werden, ist die Encke-Teilung zwischen A-Ring und F-Ring zu erkennen. Die saturnnahen Ringe C und D sind nur schwer zu beobachten, allenfalls in sehr großen Amateurgeräten. Das Weltraumteleskop Spitzer entdeckte noch ein weit außen-liegendes Ringsystem bestehend aus einem dünnen Staubring, welcher sich bis 13 Millionen km weit vom Saturn erstreckt. Die Entdeckung gelang im Jahr 2009. Somit zeigte sich, dass die Gasriesen faszinierende Welten sind, die auch heute noch viele Entdeckungen zulassen.

Saturn damals und heute
Saturn damals und heute, Bildquelle: NASA

In den 400 Jahren astronomischer Forschung wandelte sich das Bild vom Saturn doch sehr. Die ersten Beobachtungen von Galileo Galilei zeigten nur andeutungsweise ein Ringsystem. Das Bild aus dem Jahr 2009 des Weltraumteleskops Spitzer ist eine beeindruckende Fortführung Galileis Beobachtungen. In den Jahren davor war der Saturn nur ein langsam wandelnder Lichtpunkt, der vor allen Dingen den Astrologen ein Anliegen war. Heute ist Saturn Ziel von astronomischer Spitzenforschung und ein beliebtes Objekt in Amateurteleskopen, das auch dort für Überraschungen sorgt. Selbst Wirbelstürme lassen sich heute mit Amateurmitteln nachweisen.

Mitte Juni 2017 erreicht der Saturn seine günstigste Beobachtungsposition im Sternbild des Schlangenträgers. Der Schlangenträger, als 13. Tierkreiszeichen von den Astrologen übersehen, ist tief am Sommerhimmel, weswegen der Saturn in den nächsten Jahren eher schlecht zu beobachten ist. Allerdings werden die Amateurgeräte dank guter Kameras und ausgefeilter Auswertungssoftware weiterhin gute Bilder liefern.

Ich wünsche viel Freude dabei,
Christian Overhaus

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