Beobachtungstipp im September 2018

Einer der spannendsten Himmelskörper im September dürfte der Komet C/21P Giacobini-Zinner sein. Er ist ein kurzperiodischer Komet, dessen Bahn so gerade die Jupiterbahn schneidet und sich der Sonne bis auf 1,01 Astronomische Einheiten nähern kann. Somit kann er der Erde sehr nahe kommen. Im Jahr 1946 zog er nur knappe 39 Mio. Kilometer an der Erde vorbei. Auch in diesem Jahr ist er uns wieder ganz nah. In nur 58 Mio. Kilometern Abstand zur Erde ist er am 11. September diesen Jahres im Sternbild Fuhrmann, nur 30 Bogenminuten südlich des Sternhaufens Messier 37. Seine Erdnähe bedeutet aber auch, dass er sich deutlich und schnell vor dem Sternenhintergrund bewegt. In einer Stunde legt er während seiner Annäherung fast 5 Bogenminuten pro Stunde zurück. Vorher ist er zügig durch den gesamten Fuhrmann gewandert. Am 3. September 2018 ist sein Abstand zum hellen Stern Capella geringer als 1°. Mitte des Monats ist er bereits in das Sternbild der Zwillinge eingewandert und es kommt zu Begegnungen mit dem Sternhaufen Messier 35 (am 15. september 2018) und dem Supernovarest IC 443, der fotographisch ein schönes Gegenstück zum Kometen ist. Am 24. September 2018 wandert er am Weihnachtsbaum-Sternhaufen vorbei und ist wiederum zwei Tage später nur 3° westlich des Rosettennebels zu finden. Die Helligkeit und Größe seiner Erscheinung ist schwierig vorherzusagen. Mit einer prognostizierten Helligkeit von 7,5 mag ist er ein eindrucksvolles Objekt im Teleskop oder Fernglas. Mit dem bloßen Auge wird es schwierig. Seine Beobachtungszeit in der zweiten Nachthälfte ist für die meisten Beobachter eher ungünstig. Jedoch nimmt die Lichtverschmutzung in unseren Breiten nach Mitternacht deutlich ab, ein Umstand, der die Beobachtung dann wieder erleichtert. Leider macht sich der Mond ab Mitte des Monats dann doch sehr bemerkbar. Das erste Viertel ist am 17. September 2018, Vollmond am 25. September 2018.

Komet C/21P Giacobini-Zinner
Komet C/21P Giacobini-Zinner, Christian Overhaus

Der Doppelname des Kometen sagt es schon: Es sind zwei Entdecker am Werk gewesen. Der französische Astronom Michel Giacobini entdeckte den Kometen am 20. Dezember 1900 als Beobachter an der Sternwarte von Nizza. Giacobini war ein Spezialist auf dem Gebiet der Kleinplanetenbeobachtung und sollte 12 Kometen während seiner Karriere entdecken. Seine erste Kometenentdeckung machte er 1896 mit dem Kometen 205P/Giacobini. Die Bahnberechnung des Kometen aus dem Jahr 1900 ergab, dass es sich hierbei um einen kurzperiodischen Kometen handeln würde. Trotz der Bemühungen der Astronomen wurde seine Wiederkehr im Jahr 1907 nicht beobachtet. Erst am 23. Oktober 1913 entdeckte der deutsche Astronom Ernst Zinner den Kometen am Nachthimmel. Der Komet wurde danach nach beiden Entdeckern C/21P Giacobini-Zinner benannt.

Der Komet ist wegen seiner erdnahen Bahn Lieferant für den Sternschnuppenstrom der Draconiden. Der Draconiden-Sternschnuppenstrom ist im Oktober aktiv. Das Maximum der Draconiden findet in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 2018 statt. Der Radiant ist schön hoch am Himmel, im Sternbild des Drachen, zu finden. Zudem ist der Mond in dieser Nacht nicht störend, weil am 9. Oktober 2018 Neumond ist. Die Fallrate der Draconiden ist in der Regel sehr gering bei etwa 10 Sternschnuppen pro Stunde. Bisher wurden alle 13 Jahre eine erhöhte Fallrate beobachtet, was in etwa zwei Umläufe des Herkunftskomenten entspricht. Im Jahr 2011 und 2012 kam es zu Ausbrüchen, bei denen 300 Meteore und mehr fielen. Eine derartige Aktivität wäre dann erst im Jahr 2024 zu erwarten. Aber wie Kometen, sind auch Meteorströme immer für eine Überraschung gut. Wenn der Himmel klar ist und nichts im Fernsehen läuft, sollte man ein Stündchen gucken.

Der Komet C/21P Giacobini-Zinner ist übrigens der erste Komet, der von einer Raumsonde besucht wurde. In knapp 8.000km Entfernung sauste die Sonde ICE am 11. September 1985 am Kometen vorbei und untersuchte den Einfluss des Sonnenmagnetfeldes auf den Kometen. Wenige Wochen später sollte eine ganze Armada von Raumsonden den Kometen C/1P Halley untersuchen, darunter auch besagte Sonde ICE.

Sternfreundliche Grüße,
Christian Overhaus

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