Aktuelles vom Komet Schwassmann-Wachmann 3

Hallo Sternfreunde,

im Frühjahr 2006 sorgte der Komet "73P/Schwassmann-Wachmann 3" in den Astronomenkreisen für Unruhe. Nicht weil der Komet besonders hell erscheint und einen Auftritt á la "Hale-Bopp" bescherte. Der Komet "Schwassmann-Wachmann 3" zerbrach in viele Teile. Der kurzperiodische Komet, dessen Umlaufzeit nur 5,4 Jahre beträgt, zeigte bereits bei seinem Periheldurchgang im Jahre 1995 Auflösungserscheinungen. Im April 2006 verzeichnete man bereits 40 Fragmente, die wie an eine Perlschnur gebunden durch die Sternbilder Bootes und nördliche Krone in Richtung Leier zogen.

Drei Fragmente waren Anfang April bereits so hell, dass sie visuell sichtbar wurden. Die Hauptkomponente bewegte sich im Bereich 9. - 10. Größenklasse. Die Komponenten "B" und "G" waren nur mit größeren Amateurgeräten sichtbar. Für CCD-Beobachter waren allerdings einige der Fragmente leicht nachweisbar. So hatte ich schon in den Tagen davor mehrmals die Kamera auf den Kometen gerichtet, um einige Aufnahmen zu machen. Am Freitag, den 14. April, gerade ein Tag nach Vollmond, informierte ich mich im Internet über den Kometen und las von einer Kernaktivität des Fragments "B".

Diese Nachrichten bewegten mich dazu, trotz des hellen Mondes, einige Aufnahmen des Kometen zu versuchen. Die entsprechenden Bahnelemente entnahm ich der Seite des "Minor Planet Centers" und gab sie von Hand in die Sternkartensoftware "Guide" ein. Mit diesen Daten gerüstet, machte ich mich auf den Weg zur Josef-Bresser-Sternwarte. Auf der Plattform war Günther bereits damit beschäftigt, den aufgehenden Mond zu fotografieren. Ich verzog mich in die Kuppel der Sternwarte und rüstete den 16-Zöller mit dem Focal-Reducer und der CDD-Kamera aus. Wenige Minuten später sauste das Teleskop zum Stern Arkturus, um die Positionierung zu prüfen. Anschließend war das erste Ziel, das Hauptfragment "C", im Fokus der Kamera. Ich machte eine Serienaufnahme von 15 Bildern á 30 Sekunden. Anschließend waren die Fragmente "B" und "G" an der Reihe. Sie bildeten sich problemlos auf dem CCD-Chip ab, obwohl der helle Mond sich schon stark bemerkbar machte.

Das Fragment "R" war leider nicht sofort eindeutig zu erkennen. Eine längere Belichtungszeit von 120s zeigte dann jedoch einen schwachen länglichen Streifen, der sich ungefähr eine Bogenminute durchs Bild zog. Die spätere Untersuchung bei der Bearbeitung der Rohbilder zeigten leider keine weiteren Fragmente. Die meisten der 40 Fragmente bewegten sich um die 19. - 20. Größe und waren in Vollmondnächten sehr schwer nachzuweisen. Ein plötzlicher Helligkeitsausbruch wäre natürlich eine tolle Überraschung gewesen...

Nachdem ich meine Aufnahmen im Kasten, also auf der Festplatte hatte, setzten wir Günthers digitale Spiegelreflexkamera an den 16-Zöller. Günthers 4-Zoll-Linsenteleskop wurde als Nachführteleskop aufgesattelt. Die Nachführung übernahm meine CCD-Kamera. So gelang es auch mit der Spiegelreflexkamera einige Aufnahmen des "C"-Fragments zu gewinnen.

Die spätere Bildanalyse zeigte beim Fragment "C" ein recht rundes Zentrum. Die Koma ist ausgeprägt und der Staubschweif ist ansatzweise zu erkennen und weiter aufgefächert als der Schweif der Komponente "B". Das Koma (der hellste Teil) hat eine Ausdehnung von etwa 40 Bogensekunden.

C-Komponente
Komponente "C", 14. April 2006, 20:38 UT

Das Fragment "B" zeigte ein kleines längliches Zentrum. Die Koma ist länglich. Der Staubschweif ist gut ausgeprägt. Der hellste Teil der Koma dehnte sich ungefähr 21 Bogensekunden am Himmel aus.

B-Komponente
Komponente "B", 14. April 2006, 20:54 UT

Das Fragment "G" zeigte ein nicht ganz rundes Zentrum. Die deutliche Koma ist ausgeprägt und der Schweifansatz ist zu erkennen. Der helle Teil der Koma hat eine Ausdehnung von etwa 33 Bogensekunden. Die Erscheinung des Fragments "G" liegt zwischen Fragment "C", das normal erscheint und dem Fragment "B", dessen Aussehen durch Auflösungserscheinungen geprägt ist.

Die größten Probleme machte das Fragment "R". Es zeigte sich als lichtschwacher, länglicher diffuser Fleck. Einen Kern oder eine eindeutige Koma konnte nicht erkannt werden. Bei den 30-sekündigen Belichtungen war das Fragment kaum zu erkennen. Nach 120 Sekunden Belichtungszeit zeigte sich ein diffuses Etwas auf dem Bild. Die eindeutige Bewegung des Kometen lies eine Identifikation aber zu.

Der Komet "73P/Schwassmann-Wachmann 3" ist einer der interessantesten Kometen der letzten Zeit. Die Langzeitbeobachtung einzelner Fragmente erinnert an den Kometen "Shoemaker-Levy 9", der im Jahre 1994 auf den Planeten Jupiter stürzte. Es bleibt spannend, ob sich der Komet weiter auflöst, vielleicht noch Helligkeitsausbrüche erleidet oder nicht. Am 14. Mai 2006 zieht die helle "C"-Komponente in 12 Mio. km an der Erde vorbei. Sie könnte dabei die 5 Mag.-Grenze knacken und dadurch mit dem bloßen Auge sichtbar sein. Bereits am 12. Mai zieht die "B"-Komponente in nur 10 Mio. km an der Erde vorbei. Die prognostizierte Helligkeit liegt bei etwa 8 Mag. und wird somit zum Feldstecherobjekt. Allerdings wird wieder der helle Mond die Beobachtungen erschweren. "73P/Schwassmann-Wachmann 3" ist sicher kein Komet für die breite Öffentlichkeit, dennoch zeigt er uns die spannende Seite der Astronomie.

Übrigens: Am 8. Mai zieht der Komet (Fragment "C") in den Morgenstunden an M57, dem Ringnebel der Leier, vorbei.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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