Seltsames bei IC 417

Hallo Sternfreunde,

es wurde mal wieder Zeit für die Astronomie. Nachdem der Orkan "Kyrill" in Europa wütete, klarte der Himmel am Samstag, den 20. Januar 2007 endlich wieder auf. An jenem Abend schob ich das Dach meiner Hütte zur Seite und richtete den 80mm-Refraktor in den Himmel. Auf der Suche nach interessanten Objekten stieß ich auf die Region um den Nebel IC 417 im Sternbild Fuhrmann. Im Gesichtsfeld der Canon EOS 300D konnte auch der Nebel NGC 1931 erreicht werden. Ein schönes Motiv also - zwei Nebel in einem schönen Sternfeld.

Langsam fuhr das Teleskop auf die Region im Fuhrmann und die modifizierte Canon wurde an das Teleskop angeschlossen. Gegen 21:40 Uhr ging es los. Es wurden 11 Aufnahmen angefertigt wobei jede Aufnahme 5 Minuten belichtet wurde. Um 23:20 Uhr war das Werk getan und das Teleskop fuhr schließlich noch in Richtung Einhorn, um den Konus-Nebel abzulichten.

Am darauf folgenden Wochenende machte ich mich daran, die Bilder zu bearbeiten. Die Aufnahmen wurden addiert und kosmetisch behandelt. Nachdem sie fertiggestellt waren, untersuchte ich - wie sonst auch - die Aufnahmen nach Besonderheiten. Dazu nutze ich in der Regel Aufnahmen anderer Sternfreunde, die im Internet verfügbar sind. Dabei entdeckte ich etwas Überraschendes. In der Nähe des Sterns phi Auriga sah ich ein nebeliges Wölkchen, in das ein Sternchen eingebettet war. Zunächst vermutete ich eine Reflexion des hellen Sterns in der Nachbarschaft. Aber sollte die Reflexion wirklich zufällig einen Stern zentral treffen?

Auf den Aufnahmen anderer Sternfreunde war an der besagten Stelle kein Nebel zu finden. Ein rötlicher Stern war zu sehen, mehr nicht. War dieser Nebel echt? Welche Möglichkeiten hat man als Amateur, seine Aufnahmen zu analysieren? Zunächst fertigte ich ein Bild mit einer Ausschnittsvergrößerung an und schickte sie zu Jörg Hanisch. Anschließend hielt ich es für eine gute Idee, das Bild im Astronomieforum zu veröffentlichen, damit im Falle einer Entdeckung, mir keiner zuvor kommen konnte.

Nachdem ich Jörgs Forschergeist geweckt hatte, wurde recherchiert. Während Jörg die Mailingliste der BAV bemühte, klarte es bei mir am Samstag, den 27. Januar 2007 kurzfristig auf. Also die Gelegenheit, eine Aufnahme von der Region mit der lichtempfindlicheren Starlight Xpress MX 716 und einem IR-Sperrfilter anzufertigen.

IC 417
IC 417, 80mm-Refraktor, Canon EOS 300D (mod.) / Starlight Xpress MX 716, 11x5 Minuten, 20. / 27. Januar 2007, 21:40 MEZ, Christian Overhaus

Trotz des Mondlichts und der nicht günstigen Witterung, bildete sich an der besagten Stelle ein schwaches Sternchen ab. Vom Nebel keine Spur. Mittlerweile hatte sich Jörg gemeldet. Er bemühte den USNO-Katalog und fand einen sehr roten Stern an dieser Stelle. Wolfgang Quester, ein sehr aktiver Veränderlichenbeobachter, gab den Tipp, den 2MASS-Katalog zu Rate zu ziehen. Der 2MASS-Katalog (2-Micron All Sky Survey) umfasst zahlreiche Infrarotquellen am Himmel.

Ich konnte die Aufnahme vom 27. Januar mit "Astroart" astrometrieren und als FITs-Datei abspeichern. Mit Hilfe der Software "ALADIN" konnte die Aufnahme eingelesen und ausgewertet werden. Und siehe da! Eine helle Infrarotquelle, genau dort, wo die Canon EOS den vermeintlichen Nebel abbildete. Jörg hatte mir in der Zwischenzeit eine GIF-Datei geschickt, die den Stern abwechselnd im Roten und im Infraroten blinken lies. Der Stern war im Infraroten um einiges heller als im roten Bereich. Ich betrachtete nochmal die RAW-Bilder der Canon EOS und fand auf diesen Aufnahmen ein Nebelfleckchen vor. In den RGB-Farbkanälen zeigte der Nebel etwa die gleiche Intensität. Auf der summierten Aufnahme erst konnte der Stern sichtbar gemacht werden. Damit war die Quelle identifiziert und eine schlüssige Erklärung für das Nebelchen gefunden.

IC 417 im IR / roten Bereich
IC 417 im IR- / roten Bereich

Die Aufnahme wurde mit einer Canon EOS 300D aufgenommen, deren Infrarot-Sperrfilter entfernt wurde. Die Kamera wird dadurch im Infraroten sehr empfindlich. Testaufnahmen, die ich damals von einer Fernbedienung machte, entlarvten das Licht der IR-Birne der Fernbedienung als helle Lichtquelle. Das war schon beeindruckend! Der Chip der Kamera ist mit einer Farbmaske versehen, die für die Erstellung von Farbaufnahmen von Nöten ist. Diese "Mini-Farbfilter" lassen zwar im optischen Bereich nur das entsprechende rote, grüne oder blaue Licht durch, blocken aber keineswegs das infrarote Licht ab. Somit ist bei den Bildinformationen zu jeder Farbinformation noch ein entsprechender Infrarotanteil abgelichtet worden. Bei handelsüblichen Kameras wird das IR-Licht wirksam durch den Sperrfilter geblockt. Der Fokus des infraroten Lichts ist aber nicht mit dem Licht des sichtbaren Lichts übereinstimmend. Somit ist die IR-Quelle nicht korrekt fokussiert, wenn das optische Licht scharf erscheint. Daher zeigen die Sterne auf den Aufnahmen ohne IR-Sperrfilter diese Farbsäume. Eine helle IR-Quelle, wie die Abgelichtete in IC 417, erscheint sogar als Nebelchen.

Was kann man daraus lernen?

1. Ein IR-Sperrfilter ist unabdingbar, möchte man schöne Sterne ablichten.
2. Wir können mit Amateurmitteln sogar Infrarotastronomie betreiben.
3. Eine Astroaufnahme ist nicht nur ein "Pretty Picture", sondern man kann daraus Erkenntnisse ableiten und so manch spannende Entdeckung machen.
 

Und das macht Spaß, auch wenn es keinen neuen "Overhaus-Nebel" am Himmel gibt ;-)

Clear Skies,
Christian Overhaus

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