Sonne im "PST"

Hallo Sternfreunde,

die Sonne schlummert im tiefsten Minimum. Sie scheint aber hin und wieder zu träumen und dabei aktiv zu werden. Bereits auf dem Borkener Umweltmarkt am 2. Juni konnten wir ein aktives Gebiet am Sonnenrand beobachten. Am 8. Juni 2007 nutzte ich die freie Zeit, um mit dem Radl zur Sternwarte zu fietzen. Im Rucksack eine Digiknipse, ein 40mm Okular und eine Barlowlinse, also die Ausrüstung, die man ja sowieso immer dabei hat. Ach ja, ein Handtuch hatte ich auch dabei, wegen des heißen Wetters...

Jedenfalls sattelte ich das "PST" auf den 16-Zöller der Sternwarte und öffnete den Kuppelspalt ein wenig. Schnell war die Sonne eingestellt und schon konnte ich im 15mm Okular die üblichen Protuberanzen erkennen. Mittlerweile fast mittig auf der Sonne befand sich die Sonnenfleckengruppe "AR 950", die bereits für einige Flares der M-Klasse verantwortlich war. Dieses hochaktive Gebiet brachte während des Sonnenfleckenminimums sogar einen X-Flare hervor. Polarlichtfreunde können schon auf bessere Zeiten hoffen!

Sonne im h-Alpha-Licht
Sonne im h-Alpha-Licht, Personal Solar Telescope "PST", Olympus Camedia 3000z, 8. Juni 2007, Christian Overhaus

Nachdem ich die Sonne eine Weile bewundert hatte, schraubte ich die Olympus Camedia 3000z an das 40mm Okular und steckte das ganze samt Barlowlinse ins "PST". Die Kamera stellte ich auf den Schwarzweiß-Modus um (besser gesagt in den Sepia-Modus), da es angesichts des monochromen H-alpha-Lichtes ja keinen Sinn macht, eine Farbaufnahme zu erstellen. Im Monochrom-Modus sind die Bilder doch kontrastreicher. Dann wurden einige Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungszeiten gemacht. Kurze Belichtungen für die H-alpha-Strukturen auf der Oberfläche, längere Belichtungszeiten für die umgebenden Protuberanzen. Gleichzeitige Ablichtung ist wegen des Helligkeitsunterschiedes nicht möglich. Die Aufnahmen wurden bei vollem Zoom gemacht. Auch der digitale Zoom wurde etwas ausgenutzt, auch wenn der ja keinen richtigen Sinn macht. Nachdem die Aufnahmen im Kasten waren, der Kasten ist ja heute kein Kasten mehr, sondern ein kleines Kärtchen von der Größe einer Sonderbriefmarke, ging es dann nach Hause.

Am heimischen PC unter entferntem Grummeln eines Gewitters wurden dann die Bilder nochmal bearbeitet. Zunächst wurden die langbelichteten mit den kurzbelichteten Bildern kombiniert, was nicht so ganz einfach ist, da es ja später wie eine Einzelbelichtung aussehen soll. Anschließend werden die Farbkanäle so eingestellt, daß man die Sonne auch als Sonne erkennt. Das leichte Orange ist also nicht die echte Farbe. Tiefes Rot träfe den visuellen Eindruck besser. Aber so siehts besser aus. Ein aktives blau wäre auch möglich. Würde man glauben, ein "CaK-PST" wäre zum Einsatz gekommen. Nun wurden die Bilder noch dezent nachgeschärft. Ich nutze hierbei den Unschärfefilter des Bildbearbeitungsprogramms. Gute Ergebnisse liefert auch der Hochpassfilter. Man darf es nur nicht übertreiben.

Abspeichern, fertig... und die nächsten Stunden nur nicht damit verbringen, das Bild noch mal anzusehen, geschweige denn zu bearbeiten! Es machte die Sache meistens schlimmer als schöner. Ein weiterer Fehler, den man begehen kann, ist das Betrachten von Bildern anderer Sternfreunde, die die Sonne ebenfalls aufgenommen haben. Die Qualität der Aufnahmen hängen in erster Linie von der Ausrüstung ab, gefolgt von den lokalen Bedingungen und zuletzt vom Photographen. Das Teleskop und der Kamera sind eben Grenzen gesetzt. Die klimatischen Bedingungen gehen als unbeeinflussbare Größe ein, die dem Ganzen ein Glückspielcharakter verleiht. - Mal verliert man, mal gewinnt der andere.

Irgendwann, wenn sich dann die persönliche Zufriedenheit eingestellt hat, kann man das Bild dann der Öffentlichkeit vorstellen. Wobei die Öffentlichkeit unser Vereinskreis ist. Viel Freude mit dem Bild auch wenn es bestimmt schönere und schärfere gibt...

Clear Skies,
Christian Overhaus

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