Komet 17P / Holmes

Hallo Sternfreunde,

Selten hat mich ein Komet dermaßen auf die Folter gespannt wie der Komet Holmes! Noch eine Woche zuvor war der Komet nur ein unscheinbares Pünktchen 17. Größe im Sternbild Perseus. Selbst mit der CCD-Kamera ein schwieriges Objekt. Vielen Sternfreunden ging es ähnlich, so dass der Komet Leonos in den Stunden der Dämmerung oftmals das Ziel ihrer Beobachtungen war.

Am 24. Oktober 2007 erreichte mich eine e-Mail mit dem Titel: "Ein Komet mit Helligkeitsausbruch um mindestens 13. Größenklassen". War das ein Tippfehler, oder ein lustiger Scherz? Mitnichten - Holmes steigerte seine Helligkeit innerhalb von wenigen Stunden um das 150.000-Fache. Der helle Wahnsinn. Man darf raten, wie der Himmel in den folgenden Tagen über uns aussah. Richtig, eine dichte Hochnebeldecke überzog den ihn! Dieses unnütze Wetter ist ein typischer Effekt bei Hochdruckgebieten zu dieser Jahreszeit. Und Hochdruckgebiete können ausdauernd sein. So ging über eine Woche ins Land. Am 30. Oktober war es dann soweit. Gegen 5:00 Uhr klingelte der Wecker und mein erster Weg führte mich nach draußen, um die Tageszeitung zu holen. Über mir die lang ersehnte Wolkenlücke bei hellem Mondschein. Doch das machte nichts. Die Cassiopeia und der Perseus standen schön hoch am Himmel und da war er dann: Komet 17P / Holmes. Leicht mit dem freien Auge zu sehen, etwa 2-3 Mag hell. Schnell wieder ins Haus und den Feldstecher genommen. Holmes war schön als helles nebelartiges Objekt zu erkennen. Schon ganz toll, doch die Arbeit rief.

Das gute an Zeitumstellungen ist, dass man fast direkt nach der Arbeit die Sternwarte besetzen kann. Das Wetter hielt sich nämlich. Es wurde sogar noch besser. Am Abend schleppte ich den Dobson nach draußen und riskierte den ersten richtigen Blick auf Holmes. Der Eindruck war überwältigend. So ein eindrucksvolles Kometenbild wurde mir seit Hale- Bopp im Jahre 1997 nicht mehr geboten. Der helle Kern zeigte sich leicht nebelig und wurde von zwei recht abgegrenzten Schalen umgeben. Der Komet wirkte schon fast etwas künstlich. Nachdem der Komet von meiner Sternwarte dann auch zu sehen war - es standen einige Bäume im Weg - wurde auch die CCD-Kamera und die digitale SLR auf den Kometen gerichtet. Die Bilder ähneln sich alle sehr. Interessanterweise wird bei längerer Belichtung ein grünliches Koma sichtbar, das auf eine Gasschale hinweist. Einen Schweif konnte ich nicht mal ansatzweise erkennen. Während der Beobachtung stand ich in Kontakt mit Günther und Stephan, die an der Sternwarte den Halloweenkometen beobachteten. Sie waren ebenso enthusiastisch wie ich. So wurden auch von den Sternfreunden einige Aufnahmen gewonnen, die das Jahrhundertereignis dokumentieren.

Komet 17P/Holmes
Komet Holmes, Meade 16" SCT, 400/4000mm, 30s, Canon EOS 20D, 400 ASA, 30. Oktober 2007, 23:56 MEZ, Stephan Möhring & Günther Strauch

Leider war es an den Folgetagen wieder bedeckt. Die Medien berichteten über Holmes und zeigten Aufnahmen des Kometen. Mittlerweile hatte sich die Helligkeit auf das über eine Millionfache gesteigert. Aufnahmen anderer Astronomen zeigten nach Tagen einen schönen blauen Ionenschweif. Der Komet, der noch 10 Tage zuvor kaum nachweisbar war, ist der Star am Sternenhimmel geworden. Schade nur, dass wir seither keinen Blick mehr auf Holmes werfen konnten, da Hochdruckeinfluss mal wieder mit Hochnebel daher kam.

Rätselhaft ist immer noch, was dem Kometen widerfahren ist. Helligkeitsausbrüche sind bei Kometen an und für sich keine Ausnahme. In der Regel werden die Haarsterne dabei bis zu 10 bis 15 mal heller. Es handelt sich dabei um jahreszeitliche Effekte, die zum Aufbrechen der Kometenkruste führen und dabei Gas und Staub freisetzen. Die Helligkeitssteigerung von Holmes lässt aber auf ein massiveres Ereignis schließen. Vermutungen, der Komet könnte mit einem Objekt kollidiert sein, machten die Runde. Das ist aber sehr unwahrscheinlich. Zudem scheint der Komet im Jahre 1892 bei seiner Entdeckung ebenfalls einen massiven Helligkeitsausbruch erlitten zu haben. Zwei Ausbrüche durch Kollision sind allerdings sehr unwahrscheinlich. Vermutlich wurde tatsächlich ein großes Kometenbeben, bei dem der Komet großflächig aufbrach, durch innere Spannungen ausgelöst. Dabei wurde dann eine größere Menge an Gas und Staub freigesetzt, die sich jetzt im interplanetaren Raum ausbreitet.

Vielleicht wird das Geheimnis um Holmes ja in den nächsten Wochen gelüftet. Doch was immer dabei herauskommt. Holmes hat uns eindrucksvoll gezeigt, dass die Helligkeit von Kometen nicht vorhersehbar ist.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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