IC 406 ein weihnachtlich-flammender Stern

Hallo Sternfreunde,

was passt besser zur Weihnachtszeit als ein leuchtender Stern wie der Stern AE Aurigae? Der Stern setzt eine wunderschöne HII-Region in Szene, die ihrerseits noch das Licht des Sterns reflektiert.

IC 406
IC406 Reflexionsnebel und HII-Region um AE Aurigae, ED 80/600mm Refraktor, HLRGB-Aufnahme mit Atik 16HR, 14. Dezember 2009, Christian Overhaus

Im Oktober letzten Jahres schrieb ich zu dem Stern folgendes:

Dies ist die Geschichte von drei Geschwistern, die in die Welt hinaus zogen. Gemeinsam verbrachten sie ihre Jugend im Sternentstehungsgebiet im Schwert des Orion, dort wo man auch in diesen Tagen noch die Geburt von neuen Sternen beobachten kann. Die drei Sterne sind große, heiße Sterne der Spektralklassen O und B, also solche Sterne, dessen Oberflächentemperaturen über 9.000 °K betragen. Sie würden, wie die berühmten Trapezsterne im Innern des Orion-Nebel, den umgebenden Wasserstoff zum Leuchten anregen. Doch vor etwa 2,5 Mio. Jahren trennten sich die Wege der drei Sonnen. Vermutlich sorgte die nahe Begegnung zweier Doppelsterne für die katapultartige Beschleunigung der Sterne, die sie nun mit hoher Geschwindigkeit durch die Galaxis treiben lässt. Während zwei der Sterne am Nordhimmel sichtbar sind, findet man den dritten nur auf der Südhalbkugel im Sternbild Taube. Die drei Sterne, über die wir hier berichten wollen, sind "µ Columba", "53 Arietis" und "AE Auriga". Betrachtet man die Sterne einzeln, so würde man wahrscheinlich nicht auf die Idee kommen, dass sie eine gemeinsame Heimat haben.

Dennoch besitzen die Sterne viele Gemeinsamkeiten. Alle drei sind heiße Sterne der Klassen O und B. Wegen der großen Entfernung sind die hellen Strahler aber nur Sterne der 5 und 6. Größenklasse. Die Entfernungen der Sterne liegen zwischen 800 und 1.600 Lichtjahren. Zum Vergleich ist die Entfernung des Orion-Nebels auch mit gut 1.500 Lichtjahren angegeben, eine Gemeinsamkeit mit der alten Heimat! Die Leuchtkraft der Sterne übertrifft die der Sonne um das 800 bis 1.000-fache. Die Sterne weisen natürlich hohe Eigengeschwindigkeiten auf. Sie sind so genannte Schnellläufer, deren Eigenbewegung entsprechend groß ist. So wandert der Stern "µ Columba" mit 130km/s durchs All. Der Stern "53 Ari" ist noch mit 60km/s unterwegs. Der veränderliche Stern "AE Auriga" rast mit 65km/s durch die Galaxis. Wenn wir von Geschwindigkeiten sprechen, meinen wir natürlich die relativen Geschwindigkeiten zu unserer Sonne. So legten die Sterne in den letzten zweieinhalb Millionen Jahren zwischen 500 und 1.000 Lichtjahren zurück und das in verschiede Richtungen. Ihre scheinbare Geschwindigkeit schiebt die Sterne mit etwa 0,03 Bogensekunden pro Jahr über den Sternenhimmel. In 2,5 Millionen Jahren kommen da schon fast 20 Grad zusammen.

Während die Sterne "53 Ari" und "µ Col" nur wenig Beachtung finden, ist der Stern "AE Auriga" ein häufiges Motiv auf astronomischen Aufnahmen. Für einen Stern 6. Größe ist das ebenfalls schon erstaunlich. "AE Auriga" ist ein Veränderlicher, der seine Helligkeit zwischen 5,7 und 6,08 Mag variiert. Das ist aber nicht der Grund seiner Prominenz. Der Stern tauchte vor einigen Jahren in eine Wasserstoffwolke ein und regte diese mit seiner starken Strahlung zum Leuchten an. Die staubdurchsetze Wolke leuchtet in den Farben wasserstoffrot und blau. Der blaue Anteil entsteht durch die Reflexion des Sternenlichts an diesem Staub. Somit ist der Nebel, der "AE Auriga" umgibt, eine Mischung aus Emissionsnebel und Reflexionsnebel. Da der Staub selbst in Sternnähe noch vorhanden zu sein scheint, kann man davon ausgehen, dass der Stern erst vor kurzer Zeit in den Nebel eindrang, zumindest kosmisch gesehen. Üblicherweise verdampft der Staub in der Nähe eines Sterns innerhalb weniger hunderttausend Jahre. Der mit "AE Auriga" assoziierte Nebel ist der Nebel IC 405 im Sternbild Fuhrmann. Der Nebel wurde im Jahr 1892 auf Fotoplatten des Lick Observatory entdeckt. Die eigenartige Form des Nebels verhalf ihm zu dem klangvollen Namen "Flaming Star Nebula". Visuell ist der Nebel ein schwieriges Objekt und ist den klaren Nächten des Hochgebirges vorenthalten. Mit amateurastronomischen Kameras und kleinen Teleskopen ist er aber abzulichten. Farbaufnahmen zeigen einen bunten Mix aus roten und blauen Anteilen, die züngelnden Flammen ähneln. Es ist übrigens ein Glücksfall, dass "AE Auriga" auf die Nebelregion gestoßen ist, denn ohne diese Energiequelle, wäre der Nebel unsichtbar.

Ich wünsche allen Mitgliedern und deren Familien ein besinnliches Fest und ein sternreiches Jahr 2010,
Christian Overhaus

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