Staubsturm auf Planet Mars

Hallo Sternfreunde,

eigentlich war ich in den späten Abendstunden des 1. Februars bereits auf dem Weg ins Bett. Bei dem obligatorischen Blick aus dem Fenster überraschte mich ein aufklarender Sternenhimmel. Kurzerhand entschloss ich mich zur Sternwarte zu fahren, um den Planeten Mars mit meiner Farb-CCD Kamera einzufangen.

Mars stand am 29. Januar in Opposition zur Sonne. Seinen geringsten Abstand zur Erde erreichte er aufgrund seiner elliptischen Bahn bereits am 27. Januar mit einer Distanz von 99,3 Mio. km. Als ich gegen 23:15 Uhr die Sternwarte erreichte, musste ich zunächst Schnee und Eis entfernen, um in die Kuppel zu gelangen. Trotz der winterlichen Witterungsbedingungen öffnete sich der Kuppelspalt mühelos. Das Teleskop visierte die 99,8 Mio. km entfernte Marsscheibe an. Beim Blick durchs Okular war ich zunächst enttäuscht; bis auf die weiße Polkappe war kaum etwas auf dem winzigen Marsscheibchen zu erkennen. Zum Zeitpunkt der Beobachtung hatte das Marsscheibchen nur einen Durchmesser von 14,03 Bogensekunden am Äquator. Mars hätte an diesem Abend aneinander gereiht 142-mal nebeneinander vor die Mondscheibe projiziert werden können.

Nun schloss ich den Laptop an und steckte die CCD-Farbkamera in den Okularstutzen. Als die ersten Bilder auf dem Bildschirm erschienen, konnte ich bereits deutlich mehr Details erkennen als mit dem bloßem Auge. Zudem hatte ich wohl einen Zeitpunkt mit relativ guten Sichtbedingungen erwischt. Mars stand nun 58,8 Grad über dem Horizont. Diese große Höhe wirkte sich zusätzlich positiv auf die Qualität des Bildes aus. Bei genauerer Betrachtung fiel mir im Bereich der ansonsten weißen nördlichen Polkappe eine Veränderung auf. Ich hatte den Eindruck, als ob etwas über der Polkappe schwebte. Selbst in den Rohbildern war diese Zone zwischenzeitlich zu erkennen.

Ich fertigte einige Bildsequenzen bei wechselnden Sichtbedingungen an. Nach und nach zogen Zirruswolken auf, die die Bildqualität deutlich beeinträchtigten. Mit zahlreichen Bildern auf der Festplatte ging es bei -5 Grad nach Hause und mit kalten Füßen gegen 1:00 Uhr ins Bett. Am Abend des 2. Februars wurden dann die ersten Bildsequenzen mit Registax bearbeitet. Die Struktur über dem Mars-Nordpol wurde nun deutlicher sichtbar. Ich fragte mich, um was es sich wohl handeln könnte und vermutete eine Staubwolke.

Staubsturm auf Planet Mars (über dem Nordpol)
Staubsturm auf Planet Mars (über dem Nordpol) / Rohbild, 16-Zoll SCT der Josef-Bresser-Sternwarte, Imagingsource DBK 21AU04.as mit 640x480 Pixel, Baader UV/IR Blocking Filter 420-680nm, 3x Barlow (F30), Summenbild aus 400 Einzelbildern mit Registax bearbeitet, 1. Februar 2010, Günther Strauch

Ich stellte die ersten Bilder zu einem Dokument zusammen und schickte es an www.spaceweather.com. Als ich am darauf folgenden Tag die Homepage von Spaceweather besuchte, bestätige sich meine Vermutung. Drei Amateurastronomen in Europa hatten den Staubsturm entdeckt, einer aus England, einer aus Spanien und - zu meiner Freude - ich aus Deutschland. Weitere Beobachtungen aus Deutschland von diesem Abend sind mir bisher nicht bekannt.

Staubsturm auf Planet Mars (über dem Nordpol)
Staubsturm auf Planet Mars (über dem Nordpol), 16-Zoll SCT der Josef-Bresser-Sternwarte, Imagingsource DBK 21AU04.as mit 640x480 Pixel, Baader UV/IR Blocking Filter 420-680nm, 3x Barlow (F30), Summenbild aus 400 Einzelbildern mit Registax bearbeitet, 1. Februar 2010, Günther Strauch

Inzwischen habe ich die Rohbilder noch einmal in aller Ruhe mit Registax bearbeitet und zusammengestellt. Die Bilder zeigen oben links dass Summenbild aus 400 Einzelbildern. Die nachfolgenden Bilder verdeutlichen die Schritte der Bildbearbeitung. Unten rechts habe ich zum Vergleich zwei simulierte Marsbilder eingefügt. Das Erste ist ein simulierter Anblick durch ein 16-Zoll-Teleskop, das Zweite zeigt die virtuelle Ansicht von einer Raumsonde aus. Mit ausgereifter Technik und spezieller Software konnte ich so der winzigen Marsscheibe eine Erscheinung im Wettergeschehen des roten Planeten entlocken und sichtbar machen. Einer der wichtigsten Aspekte war dabei sicherlich die vorübergehend günstige Sicht, die diese Beobachtung überhaupt erst möglich machten. Die Bilder entstanden am 16-Zoll SCT der Josef-Bresser-Sternwarte. Dabei wurde die Brennweite mit Hilfe einer 3-fach Barlowlinse auf 12 Meter vergrößert. Verwendet wurde eine Farb-CCD-Kamera (Imagingsource "DBK 21AU04.as") mit einer Auflösung von 640x480 Pixel mit einem Baader UV/IR Blocking Filter 420-680nm. Aufgenommen wurde mit der Software IC Capture (Originalsoftware der Kamera).

Clear Skies,
Günther Strauch

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