Libration - die scheinbare Taumelbewegung des Mondes

Hallo Sternfreunde,

in den späten Abendstunden des 29. März 2010 blickte der nahezu kugelrunde Mond zwischen vorüberziehenden Wolken hervor. Auch nach jahrzehntelanger astronomischer Betätigung immer wieder ein ästhetischer Anblick. Und die Melodie eines Liedes aus der Kindheit berührt mein Herz und die Lippen summen es still: "Guter Mond du gehst so stille durch die Abendwolken hin" heißt es in diesem Volkslied. Und wirklich, es scheint so, als ob sich der Vollmond durch das Wolkenmeer bewegt. In seinem Schein erstrahlen die Wolken in einem stets neuen Licht. Mal grau-weiß, dann wieder in einem Spiel von Farben, die an einen Regenbogen erinnern.

Durch das aufgebaute Teleskop wird die Mondscheibe eingefangen; die Stimmung und der Anblick des Naturschauspieles mag die Kamera jedoch nicht erfassen. Dies schafft nur ein Wunderwerk der Natur - unser Auge. Wie oft habe ich in meinem Leben nicht schon so unter dem Himmelszelt gestanden und den Vollmond in seiner ganzen Pracht bestaunt? Das vertraute Mondgesicht lachte mich wieder einmal an...

Farbige Wolken im Mondlicht
Farbige Wolken im Mondlicht, Günther Strauch

Bekanntlich zeigt uns der Mond stets die gleiche Seite, die andere Hälfte bleibt uns Erdenbewohnern immer verborgen. Das liegt an der so genannten gebundenen Rotation des Mondes mit der Erde. Er dreht sich also während eines Umlaufs um die Erde exakt einmal um die eigene Achse. Da aber die Mondbahn nicht genau kreisförmig ist, ändert sich die Geschwindigkeit des Mondes auf seiner Bahn. Das führt dazu, dass die "Ausrichtung" der erdzugewandten Seite nicht immer gleicht bleibt, das Bild des Mondes also ein wenig hin und her wackelt. Diese Taumelbewegung bezeichnet man in der Astronomie als Libration.

Libration des Mondes
Libration des Mondes, Günther Strauch

Bedingt durch die Libration können wir von der Erde aus im Laufe der Zeit 59% der Mondoberfläche sehen. Die Libration in der Länge zeigt sich in einer seitlichen Drehung von maximal 7,9°. Die Libration in der Breite beträgt 6,7° und bewirkt ein scheinbares vertikales Kippen des Mondes. Bedingt dadurch können wir abwechselnd im Laufe der Zeit über den Nord- und Südpol des Mondes hinweg sehen. Verantwortlich dafür ist der Winkel der Rotationsachse des Mondes gegenüber dem Lot zur Mondbahnebene. Das so vertraute Mondgesicht verändert sich also von Vollmond zu Vollmond etwas. Das Bild zeigt den nahezu vollen Mond vom 29. März 2010 sowie vom 1. Dezember 2009. Deutlich lässt sich die Libration und die damit verbundene "Verschiebung" der Mondoberfläche erkennen.

Clear Skies,
Günther Strauch

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