Veränderlicher im Sternbild Schwan

Liebe Sternfreunde,

na das war eine Nacht! Obwohl von Nacht kann man ja zu dieser Zeit, ein paar Tage nach der Sommersonnenwende, kaum sprechen. Astrofotografie wird zur Verzweifelungstat! Aber zwischen dem Fronleichnamstag und dem Wochenende, kann man als Urlaubsbrückenbauer ja durchaus ein Stündchen länger machen, zumal die darauf folgenden Tage eher schlechtes Wetter versprachen. Ich würde nicht behaupten, dass die Nacht klar war, immer wieder zogen einzelnen Wolken durch und aus dem Leitstern wurde desöfteren ein "Leidstern".

Was nimmt man in einer solchen Nacht auf? Meine Wahl fiel auf NGC 6960, den Schleiernebel. Der westliche Teil mit 52 Cygni passte sehr schön ins Bildfeld meiner Kamera. Und da ich allerhöchstens einige Luminanzaufnahmen in Schwarzweiß hinbekommen würde, war die Wahl doppelt gut, weil ich diesen Nebel vor einiger Zeit bereits mit einer modifizierten, digitalen Spiegelreflexkamera aufnahm und somit die Farbinformationen bereits seit langer Zeit im Kasten oder besser auf der Festplatte hatte.

Veränderlicher im Sternbild Schwan
Veränderlicher im Sternbild Schwan, 5"-ED-Refraktor, Atik 4021M, 24. Juni 2011, 1:00 MESZ, Christian Overhaus

Leider gestaltete sich das Wetter noch schlechter als befürchtet, so dass die Belichtungszeit für dieses Objekt nur 6x400 Sekunden betrug und das bei mäßigem Himmel am nördlichen Rand des Ruhrgebiets. Dafür waren die Temperaturen angenehm und man sieht ja auch besseren Zeiten entgegen, zumindest für die Astronomie.

Der Freitag zeigte sich dann wirklich nicht von der allerbesten Seite, der Samstag war total verregnet. Eine gute Gelegenheit, sich die Aufnahmen mal vorzunehmen. Ich stellte fest, dass ich den Nebel am 7. Juli 2007 bereits mit der Spiegelreflexkamera und einem 4"-ED-Refraktor aufgenommen hatte. Die aktuelle Aufnahme entstand am 24. Juni 2011 in der Zeit von 1:00 bis 2:40 Uhr mit einer Atik 4021M und einem 5"-ED-Refraktor. Die Arbeit des Ausrichtens der beiden Aufnahmen ist am PC kein Problem. Glücklicherweise waren die Sternfelder übereinstimmend, so dass einer nachträglichen Colorierung nichts im Wege stand. Aber zuvor gab es noch den Blinktest. Beide Aufnahmen erscheinen dabei in schneller Reihenfolge auf dem Bildschirm und so konnte ich erkennen, dass die Ausrichtung einigermaßen gelungen war. Immer wichtig ist, dass man auch nach Merkwürdigkeiten sucht. Hier fand sich ein Stern, der im Jahr 2007 doch um einiges heller erschien, als aktuell. - Ganz ruhig! Hätte mich so etwas vor ein paar Jahren aufgeregt durchs Zimmer flitzen lassen, bin ich heute besonnener. Wie schnell ist man einem Irrtum erlegen! Und gerade bei der Verwendung unterschiedlicher Aufnahmeinstrumente ist Vorsicht geboten, wenn man sich nicht blamieren möchte. Meine Entdeckung sollte somit einigen internen Tests unterzogen werden, bevor ich mich damit an die Öffentlichkeit, sprich an das BAV-Forum, wagte.

Der Cirrusnebel ist ein sehr prominentes Objekt und somit findet man in den Weiten des Internets viele Bilder, auf denen der gewünschte Himmelsausschnitt zu sehen ist. Und in der Tat bestätigte sich meine Vermutung. Auf Bildern aus dem Jahr 2007 schien der Stern heller zu sein als auf Aufnahmen des Jahres 2011. Die erste Hürde war genommen. Nun galt es noch sicherzustellen, dass dieser Stern nicht schon seit langem als Veränderlicher bekannt ist. Seine Nähe zu NGC 6960 hätte die Entdeckung ja begünstigt. Unglaublicherweise brachte die Auswertung des Bildes mit der ALADIN-Datenbank einen gewöhnlichen Stern zu Tage, der zwar sehr rot erscheint, ansonsten aber eher durch Unauffälligkeit glänzt.

Jetzt war es an der Zeit, sich professionelle Hilfe und Meinungen einzuholen. Eine kurze Mail an das BAV-Forum und ich hatte am Ende bereits einige Beobachtungen mit entsprechenden Helligkeitswerten. Erste Prognosen, ob es ein Mirastern oder ein Kohlenstoffstern ist, wurden schon abgegeben. Wenn das keine Unterstützung ist?! Um verlässlichere Daten zu gewinnen, werde ich den Stern wohl in mein kleines Beobachtungsprogramm aufnehmen und versuchen, eine Lichtkurve zu gewinnen. In ein paar Jahren weiß man dann mehr...

Sternfreundliche Grüße,
Christian Overhaus

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