Unterm südlichen Sternenhimmel

Hallo Sternfreunde,

eine Reise ans andere Ende der Welt macht man ja nicht nur, um Sterne zu gucken. Doch wenn man schon mal da ist, dann lohnt sich der Blick gen Himmel doch allemal. Am 3. Januar 2014 landete ich mit zwei Freunden in Christchurch, NZ und wir wurden bereits von unserer alten Freundin Daniela (einige Mitglieder der Sternfreunde werden sie kennen) abgeholt. Nach kurzem Aufenthalt in Christchurch, eine Stadt, die die Folgen des schlimmen Erdbebens 2011 noch nicht ganz überwunden hat, ging es in Richtung Lake Tekapo. Die erste Station unserer Reise ist seit 2012 ein Lichtverschmutzungsschutzgebiet in dem besondere Acht auf die Erhaltung des natürlichen Nachthimmels gelegt wird. Die Gegend ist recht dünn besiedelt und die Luft ist sehr sauber, leider aber nicht an 365 Tagen im Jahr klar. Wir hatten jedoch Glück und die Sonne sorgte für Sonnenbrand und die Nächte für Entzücken. Am ersten Abend waren wir allerdings noch etwas erschlagen von der langen Anreise, die gute 35 Stunden in Anspruch nahm...

Tags darauf ging es dann zu Fuß rauf von der Ortschaft Tekapo zum Mt. John. Ein schmaler Trampelpfad den See entlang, der im schönsten Türkis erstrahlte, führte durch die beeindruckende Landschaft am Rande der Southern Alps. In der Ferne war der Mt. Cook zu sehen, der mit 3.724m der höchste Berg Neuseelands ist. Gute drei Stunden waren wir unterwegs bis zum Gipfel des Mt. John. Oben angekommen, fanden wir die Kuppeln des Mt. John Observatoriums vor und ein Cafe, daß den hungrigen Wanderer mit Leckereien versorgt. Eine Studentin, die sich am Observatorium aufhielt, führte uns netterweise in eine der Kuppeln und wir konnten durch ein 25"-Teleskop am helllichten Tag Alpha Centauri beobachten. Zwei weitere Teleskope waren auf den fernen Mt. Cook gerichtet, ein PST in Richtung Sonne. Die Besucher des Astrocafes bekamen also einiges geboten.

Lake Tekapo (NZ)
Lake Tekapo (NZ), Christian Overhaus

Eine Mitarbeiterin des Cafes war übrigens mit einem aktiven Astrofotografen verheiratet. Nach kurzem Gespräch rief sie ihren Lebenspartner einfach an und verschaffte uns für den folgenden Abend eine Einladung zu ihm. Fraser Gunn, so der Name, lebt im Ort Tekapo und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Astronomie. Wir wurden herzlich von ihm empfangen und hatten die Gelegenheit auf seinem Balkon einige Objekte des Südhimmels zu betrachten. Im 9"-Teleskop konnte man beeindruckende Blicke auf den Tarantelnebel, Eta Carina oder 47 Tucanae werfen. Objekte, die dem Nordhalbkugelbeobachter doch fremd sind. Bekannter war da der Blick auf den Orionnebel, der unter einem kristallklaren Himmel wirklich sehr prächtig und ausgedehnt wirkt.

Lake Tekapo (NZ)
Lake Tekapo (NZ), Christian Overhaus

Auch der Blick mit dem Fernglas ist lohnenswert. Die Milchstrasse ist übersät mit Sternhaufen und Dunkelwolken. Besonders dunkel ist der Kohlensack in der Nähe des Sternbild Crux. Mit dem bloßen Auge leicht zu sehen sind die Magellanschen Wolken und die Kugelsternhaufen Omega Centauri, sowie 47 Tucanae. Dieses Erlebnis allein rechtfertigt schon die weite Anreise.

Milchstrasse mit den Magellanschen Wolken und dem Kohlensack (NZ)
Milchstrasse mit den Magellanschen Wolken und dem Kohlensack (NZ), Christian Overhaus

Während wir später im Haus plauderten und zu Tee eingeladen waren, beschäftigte sich meine Kamera mit einigen Weitwinkelaufnahmen auf dem Rücken von Frasers Teleskopen. So konnte ich nachgeführte Aufnahmen mitnehmen und die Einladung für weitere Astronächte in Zukunft.

Frasers Homepage (www.laketekapo.cc) zeigt die Schönheit seiner Heimat - unbedingt mal reinschauen! Leider waren wir nur zwei Tage am Lake Tekapo und unsere Reise ging weiter in Richtung Queenstown und später in den Norden der Insel. Mit einem Feldstecher bewaffnet und dem Karkoschka-Himmelsaltas versuchte ich aber während der Reise mich am Himmel zu orientieren, in einem Land, indem die Sternbilder "Kopfstand machen". Ich hoffe, daß ich auf Frasers Angebot zurückkommen kann und mich wieder unter dem schönsten Sternhimmel Ozeaniens aufhalten darf.

Orion im Kopfstand (NZ)
Orion im Kopfstand (NZ), Christian Overhaus

Sternfreundlicher Gruß,
Christian Overhaus

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