Venus einen Tag vor der unteren Konjunktion

Hallo Sternfreunde,

alle 584 Tage gelangt der Planet Venus in die untere Konjunktion. Venus steht dann auf ihrer Bahn zwischen Erde und Sonne. Bei der letzten unteren Konjunktion in der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 2012 wanderte Venus als schwarze Scheibe vor dem glühenden Sonnenball vorüber. Dies geschieht aber äußerst selten. In der Regel wandert Venus aufgrund ihrer Bahnneigung von 3,4° entweder nördlich oder südlich an der Sonne vorbei. Der Abstand kann bei einem solchen Vorbeizug maximal 9,5° betragen. Venus kehrt uns bei der unteren Konjunktion ihre dunkle Nachtseite zu und ist dann als hauchzarte Sichel zu sehen. Aufgrund ihrer Atmosphäre und die dadurch bedingte Lichtbrechung weicht die hauchdünne Venus-Sichel von ihrer rein geometrischen Form ab. Es kommt dann zu der Erscheinung der übergreifenden Sichelspitzen. Unter sehr guten Sichtbedingungen und bei einer sehr engen Konjunktion kann Venus sogar als geschlossener Ring erscheinen.

Venussichel (zu 0,39% beleuchtet)
Venussichel (zu 0,39% beleuchtet), 10. Januar 2014, 14:24 MEZ, Günther Strauch

Der Astrokalender kündigte die nächste untere Konjunktion für den 11. Januar 2014 an, ein Samstag und daher für den berufstätigen Sternfreund ein günstiger Tag für eine Beobachtung. Leider deuteten die Wetteraussichten kaum auf die Chance einer Beobachtung hin. Daher entschloss ich mich am Freitagmittag ins Wochenende zu starten und mein Weg führte mich zur Sternwarte. Es herrschte typisches Rückseitenwetter. Nach dem Durchzug einer Kaltfront lockerte es mehr und mehr auf und der Himmel war sehr transparent und blau. Diese günstigen Bedingungen sind Voraussetzung, um Venus in der unmittelbaren Nähe der Sonne aufzufinden. Zudem muss man vorsichtig vorgehen, damit das Sonnenlicht nicht in den Tubus des Teleskops gelangt. Mit Vorfreude und Spannung wurde das Teleskop in Betrieb genommen und bewegte sich auf die Position der Venus. Die Kuppel wurde gedreht, um den Tubus abzuschatten. Beim Blick durch den Sucher tauchte sie dann als hauchfeine Sichel auf. Im Sternwartenteleskop ein bezaubernder Anblick. Mit der CCD-Kamera zeichnete ich mehrere Videos auf. Diese zeigten wie das Venus-Bild aufgrund der Luftunruhe waberte. Das beigefügte Bild (Graustufen) entstand um 14:24 MEZ. Venus war zu diesem Zeitpunkt 0,39% beleuchtet und befand sich in einem Abstand von 4,9° zur Sonne. Venus stand 18° über dem Horizont, bei einem Durchmesser von 1,05 Bogenminuten. Das Farbbild entstand mit einer Canon EOS-40D um 14:54 MEZ und zeigt Venus zwischen weißen Wolken am blauen Himmelszelt.

Venussichel
Venussichel, Canon EOS-40D, 4000mm, ISO 100, 10. Januar 2014, 14:54 MEZ, Günther Strauch

Mit fortschreitender Zeit näherten sich die Sonne und Venus dem Horizont. Bei Sonnenuntergang um 16:45 MEZ befand sich Venus noch 3,7° über dem Horizont und war im Refraktor hübsch anzusehen. Um 16:49 MEZ entstand ein letztes Bild durch das Teleskop. Venus, nun 3,2° über dem Horizont, zeigte aufgrund der Refraktion die Farben des Regenbogens. Am Samstag konnte ich Venus nochmals am späten Nachmittag visuell beobachten bei recht widrigen Wetterbedingungen. Nun ist Venus zum Morgenstern geworden und wird erst wieder am 15. August 2015 in die untere Konjunktion gelangen und in einem Abstand von 7,8° südlich an der Sonne vorbeiziehen.

Venussichel mit Refraktion kurz nach Sonnenuntergang
Venussichel mit Refraktion kurz nach Sonnenuntergang, Canon EOS-40D, 4000mm, ISO 800, 10. Januar 2014, 16:49 MEZ, Günther Strauch

Sternfreundlicher Gruß,
Günther Strauch

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