Auch der Mars hat sein Wetter

Liebe Sternfreunde,

Der Januar 2016 hatte für uns Sternfreunde quasi keine guten Nächte zu bieten. Deshalb habe ich mich noch einmal mit der "Bildbearbeitung" von Astrofotos befasst. Dazu holte ich mir noch einmal meine Marsaufnahmen vom 18. und 19. Mai 2014, sowie die vom 1. und 6. Juni 2014 hervor. Alle Bilder entstanden mit dem 16"-Teleskop unserer Sternwarte bei 8m Brennweite, mit meiner zur selben Zeit erworbenen i-Nova Webcam. Die Bilder wurden in SW, als L-RGB-Reihenfolge auf dem Laptop aufgezeichnet. Leider war ich zur Oppositionszeit Anfang April 2014 nicht anwesend. Im Mai / Juni war der Planet schon wieder weiter weg und kleiner in der Abbildung.

Ich war erstaunt, wie man mit verfeinerten Bearbeitungsschritten doch noch einiges mehr hervor kitzeln konnte. Selbst Aufnahmen, die ich schon als ungünstig abgetan hatte, gaben noch einiges her. Die L-RGB SW-Bilder mit dem Filterrad sind leider eine zeitaufwändige Technik. Sowohl in der Aufnahme, als auch in der Bildbearbeitung.

Im Jahr 2014 blickten wir aufgrund der Umlaufbahn mehr auf die Nordseite des Mars. Heißt also hier "Sommerzeit". In Wikipedia konnte ich nachlesen, dass im Sommer das Kohlendioxyd-Eis der Polkappen weitgehend abtaut. Auf dem Bild bei 95° (= Längengrad des Mars) kann man dieses sehr gut sehen.

95. Längengrad des Mars im Vergleich zu 'Celestia'
95. Längengrad des Mars im Vergleich zu "Celestia", Ludger Kempkes

Das Nordpol-Ringgebirge ist ca. 2.000m hoch. Der Schattenwurf in den abgetauten Ring ist ebenfalls gut zu erkennen. In Wikipedia ist auch nachzulesen, dass der Südpol mit seiner Kappe nicht genau gegenüber dem Nordpol steht, sondern seitlich verschoben ist. Auch dieses lässt sich auf dem Bild bei 95° gut erkennen. Weiterhin zeigen die globalen seitlichen Windströmungen durch das Wolkenband, wie die Eiskristalle abgetaut und abwärts bewegt werden.

Das Bild bei 95° mit dem noch freien Nordpol ist am 1. Juni 2014 entstanden. Des weiteren ist auf diesem Bild rechts im rötlichen Bereich der Berg "Elysis Mons" zu erkennen. Mit ca. 12.500m misst er nur halb so hoch wie der riesige "Olympus Mons" (hier leider nicht dabei). Mit 25.000m ein Monster gegenüber unseren irdischen Gebirgen. Auch kann man gut sehen, wie im Bild bei 318° vom 18. Mai 2014, die Nordpolkappe sich wieder auffüllt.

318. Längengrad des Mars im Vergleich zu 'Celestia'
318. Längengrad des Mars im Vergleich zu "Celestia", Ludger Kempkes

Aus den endlosen Einzelbildern verblieben nach gründlicher Auslese und Nachbearbeitung jedoch 19 Bilder, aus denen ich eine quasi "Marsdrehung" erstellen konnte. Sie zeigen auch ein wenig das "Marswetter" mit den Wolkenzonen. Da sich der Mars in der Zwischenzeit immer weiter bewegte, musste die Lage und Größe immer wieder angepasst werden, was sich auch als leichtes Ruckeln bemerkbar macht.

Im Mai 2016 ergibt sich wieder eine Mars-Opposition. Da der Mars dann etwas näher, aber auch deutlich tiefer steht, ist noch ungewiss, welche Bildqualitäten sich daraus ergeben. In Nord-Afrika sind die Voraussetzungen dafür sicherlich besser. Aber wer will schon dahin? Wünschen wir uns darum: Klare Nächte!

Euer,
Ludger Kempkes

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