Starburstgalaxie NGC 3310

Hallo Sternfreunde,

in den letzten Nächten konnte ich mich sehr ausführlich mit der Galaxie NGC 3310 im Sternbild Großer Bär beschäftigen. Herausgekommen ist die nachfolgende Aufnahme, die insgesamt ca. 12 Stunden Belichtungszeit benötigte. Das Aufnahmegerät war ein 8 Zoll-Newtonteleskop.

Sternbild Großer Bär
Sternbild Großer Bär (mit dem "großen Wagen")

Die Galaxie ist 47 Millionen Lichtjahre entfernt und zeigt sich sehr asymmetrisch. Wahrscheinlich hat sie vor kurzem, also in kosmischen Dimensionen betrachtet, eine Begleitgalaxie vereinnahmt. Das führt heute zu heftiger Sternentstehung, was sie in die Kategorie der Starburst-Galaxien einordnen lässt. Sie ist also der prominenten Galaxie Messier 82 nicht unähnlich. Im Dobson ist sie ebenfalls ein auffälliges Objekt, das wie ein etwas unsymmetrischer Nebelfleck daher kommt. Der helle Stern ist übrigens SAO 27724. Er ist 5,5 Mag hell und hilft beim Auffinden der Galaxie ganz gut.

NGC 3310 (invertiert)
NGC 3310 (invertiert), Christian Overhaus

Die sehr lange Belichtungszeit macht übrigens Objekte sichtbar, die um die 20. Größenklasse liegen. Bei sehr hohem Kontrast sieht man, dass die Galaxie im Staub (galaktischer Zirrus) der eigenen Galaxie liegt. Auf den Aufnahmen findet man zum Beispiel den Quasar SDSS J103751.80+532814.2, dessen Licht 7,5 Milliarden Jahre zu uns unterwegs war. Seine Radialgeschwindigkeit von 213.665km/s wird durch die kosmische Expansion bestimmt. Das Licht ist bereits um das 1,4fache ins Rote verschoben (Rotverschiebung z = 1,44). Es ist schon faszinierend, dass man vom nördlichen Ruhrgebiet aus so tief in den Raum schauen kann - mit bescheidenen Amateurmitteln und etwas Geduld.

NGC 3310
NGC 3310, Christian Overhaus

Clear Skies,
Christian Overhaus

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