NGC 4449 mit verschiedenen Optiken

Hallo Sternfreunde,

ich war in den letzten Wochen auch nicht untätig. Zum einen war ich sehr gespannt auf die Ergebnisse unserer Gruppe, die ja auch die eine oder andere Stunde mit dem Sternenhimmel verbracht hat und andererseits habe ich auch versucht, die klaren Nächte zu nutzen. Die Nächte, die fast völlig frei vom Flugverkehr waren, sind schon dunkler. Mit dem SQM konnte ich Himmelshelligkeiten von 21,1 mag im Zenit messen. Das ist etwa doppelt so dunkel, wie in gewöhnlichen Nächten. Die geringen Aerosolanteile reflektieren das Licht der Städte deutlich weniger.

Die folgenden Aufnahmen wurden nur teilweise in diesen Nächten gewonnen. Sie sollen demonstrieren, welche Ergebnisse verschiedene Kameras und Optiken am gleichen Objekt erzielen können. Ausgewählt habe ich die Galaxie NGC 4449 im Sternbild Jagdhunde, eine irreguläre Zwerggalaxie deren Abstand zu uns 12 Mio. Lichtjahren beträgt.

NGC 4449 (Jagdhunde)
NGC 4449 (Jagdhunde), 200mm Teleobjektiv / 8" SC-Teleskop 2000mm (o.r.) / 8" Newton 812mm (m.r.), Christian Overhaus

Zunächst fotografierte ich das Sternfeld der Galaxie mit einem 200mm Teleobjektiv und einer Canon EOS-700D. Man bekommt eine sehr niedrig aufgelöste Aufnahme, die allerdings trotzdem ihren Reiz hat, weil man viele weitere Galaxien auf dem Foto findet. Die Bildauflösung beträgt 4,43 Bogensekunden/Pixel. Jedes Pixel entspricht am Ort der Galaxie rund 260 Lichtjahren. Etwas besser ist die Auflösung des Systems im 8"-Newton / 812mm Brennweite mit der Artemis 4021. Die Pixelgröße dieser Kamera beträgt 7,4 x 7,4µm. Das sind vergleichsweise große Pixel. Die Canon EOS-700D zum Vergleich hat Pixel der Größe 4,3 x 4,3µm. Am Himmel erreicht das System eine Auflösung von 1,88 Bogensekunden/Pixel, pro Pixel wären das also 110 Lichtjahre bei NGC 4449. Bei einem durchschnittlichen Langzeitseeing von 2-3 Bogensekunden könnte man erwarten, dass man die Optik mit derart großen Pixeln eigentlich ausreizt. In der Praxis scheint das aber nicht so zu sein. Man kann sich also mehr trauen.

Der nächste Schritt ist dann das 8"-SC mit 2000mm Brennweite. Die Kamera ist eine ATIK 16HR. Der kleine Chip kann mit Pixelgrößen von 6,45 x 6,45µm aufwarten. Wir erreichen damit eine Auflösung von 0,67 Bogensekunden pro Pixel. Immerhin bemisst das Pixel dann noch 39 Lichtjahre. Hier wird die Schärfe der Aufnahme dann aber schon durch die hohe Kunst der Fokussierung und der Nachführung und ebenso durch das Seeing beeinträchtigt.

Jede Optik und jedes System hat seinen Himmel. Das langbrennweitige SC-System arbeitet mit einer Apertur von 10, der schnelle Newton ist mit 3,9 angegeben. Die hohe Auflösung erkauft man sich mit der Einbuße von Lichtstärke um den Faktor 6,5. Bei kleinen, helleren Objekten ist das unbedingt verschmerzbar. Möchte man aber große, lichtschwache Nebel aufnehmen, so wäre der schnelle Newton die bessere Wahl. Sternfeldaufnahmen betrachte ich hier mal außer Konkurrenz. Sie sehen toll aus und haben immer ihre Daseinsberechtigung, mit welcher Brennweite sie auch immer erstellt wurden.

Clear Skies,
Christian Overhaus

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